Meine erste Platte

Mit der Glenn-Miller-Story begann die Leidenschaft für Jazz

Peter Bornemann und seine Glenn-Miller-LP, die er damals bei Radio Gerling erstanden hat. Foto: Doro Siewert
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Peter Bornemann und seine Glenn-Miller-LP, die er damals bei Radio Gerling erstanden hat.

Peter Bornemann organisiert seit 2004 „Swinging Ehringhausen“

Von Peter Klohs

Remscheid. Wer sich mit Peter Bornemann trifft, womöglich um mit ihm über Musik zu fachsimpeln und Anekdoten auszutauschen, der landet unabänderlich im Reich des Big-Band-Jazz und des Swings. Das ist die Leidenschaft des 1940 in Hamburg geborenen Exportkaufmanns, der seit 1947 in Remscheid lebt und nun Privatier ist.

„Der Virus Jazz hat mich folgendermaßen ereilt“, erzählt Bornemann. „In den 50er Jahren wurden die Soldatensender gerne und viel gehört. Bei vielen wurde rund um die Uhr Jazz gespielt. Da hat der Virus schon um die Ecke geschaut. Und als Ende der 50er Jahre der Film ‚Die Glenn-Miller-Story’ in einem Remscheider Kino gezeigt wurde und ich vier- oder fünfmal den Film sah, da war ich endgültig infiziert. Das hat mich gepackt. Der Swing ist der lebensbejahendste Stil des Jazz.“

Und so ging er zu Radio Gerling und erstand seine erste Platte: Die größten Erfolge von Glenn Miller, die noch heute in seinem Besitz ist. „Die Platte war recht billig“, erinnert sich der Swing-Freund. „Zehn Mark oder so.“ Etwas später, als Peter Bornemann die USA bereiste, hatte er die Gelegenheit, die großen Big Bands der damaligen Zeit live zu erleben: Count Basie, Duke Ellington, Benny Goodman. Und natürlich Oscar Peterson. Und Ella Fitzgerald. Und Gene Krupa. Die Namensliste ist schier endlos lang.

„Im Basement des Empire State Buildings gab es einen Ballroom, einen Ort für Konzerte. Und da sah ich – es war 1962 und das erste Konzert meines Lebens – die Glenn Miller Band mit Buddy de Franco. Das war gewaltig.“ Im Allgemeinen, fügt der Jazzkenner an, war das Publikum in den Jazz-Clubs schon etwas legerer als das in den Konzertsälen. „In den Clubs wurde während des Konzertes gequatscht, und viele Besucher rauchten wie die Ketzer. Da hat man manches Mal die Bühne nicht mehr gesehen.“

Benny-Goodman-Big-Band ist ihm am liebsten

Jede Big Band, die damals etwas auf sich hielt, hatte eine feste Sängerin oder einen festen Sänger, die ebenso dazu beigetragen haben, dass Peter Bornemanns Affinität zum Jazz nicht abbrach. Sehr bekannte Musiker waren dabei: Frank Sinatra, Sarah Vaughan, Al Hibbler, Ella. „Eine solche Konzentration von Stars hat es in der Jazz-Szene seither nicht mehr gegeben“, erzählt Bornemann. „Und die konnten ja noch alle richtig singen. Heutzutage gibt es High-Tech in den Studios, und die bügelt so manches Schwächeln der Sänger aus.“

Wenn er alles zusammennimmt, dann muss er die Benny- Goodman-Big-Band als seine liebste bezeichnen. „Erstmal wegen der Klarinette, die so toll klang. Und dann hatte Goodman immer die besten Musiker in seinen Bands.“ Aber auch in Deutschland gab es erstklassige Big Bands: Erwin Lehn, Kurt Edelhagen, Max Greger, der frühe James Last, alles Top-Leute. Zur gleichen Zeit wie der Big-Band-Swing erblühte der Rock and Roll. „Als Bill Haley auf der Szene erschien, war das schon eine Sensation“, erinnert sich Bornemann. „Er und Elvis waren die Größten. Ihre Musik mag ich auch, obwohl die ja mit Big Bands gar nichts zu schaffen hatten.“

Die Rock-and-Roll-Musiker, die nach Elvis kamen, sagten dem Jazzliebhaber dann nichts mehr. Genauso verhält es sich mit dem Jazz nach der Ära von Stan Kenton. „Der war damals schon recht progressiv“, weiß Peter Bornemann zu berichten. „Und die ganze Jazzwelt, die sich dahinter auftat: Bebop, Cool, Modern Jazz, das war nicht mehr meins. Bei Stan Kenton war für mich Schluss.“

Er bedauert, dass heutzutage durch die extreme Vielfalt der Medien eine Überfütterung durch Musik eingesetzt hat. „Damals gab es nur Radio. Oder eben Livekonzerte. Da war es einfacher, sich musikalisch zu verlieben.“ Die Liebe zum Swing ist ihm geblieben. Seit 2004 organisiert er mit „Swinging Ehringhausen“ selbst Jazzkonzerte in der Region. Und er hofft, dass er damit bald wieder loslegen kann.

Zur Person

Außer der swingenden Musik hört Peter Bornemann gerne deutschen Schlager der 40er und 50er Jahre: Gerhard Wendland, Bully Buhlan. Heutzutage ist Peter Bornemann zum Hören von CDs übergegangen. Auch das Streamen von Musik ist ihm nicht fremd. „Aber wenn mich mal die Lust heimsucht, dann kann ich auch wieder LPs hören. Einen Plattenspieler besitze ich noch, die Langspielplatten liegen alle säuberlich verwahrt auf dem Speicher.“

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