Mit dem RGA wandern

Wunderschöne Wanderroute vom Wenzelnberg an die Wupper

Der Müllerhof – mit rund 8000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche – wirkt wie ein Märchenschloss an der Wupper. Foto:
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Der Müllerhof – mit rund 8000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche – wirkt wie ein Märchenschloss an der Wupper.

Historische Schauplätze im Städtedreieck Langenfeld, Leichlingen und Solingen.

Von Andreas Erdmann

Bergisches Land. Eine Wanderung mit viel Natur, historischen Schauplätzen, einem Gutshof und alten Fachwerkhofschaften bietet die Strecke vom Wenzelnberg zum Müllerhof an der Wupper. Zurück geht es über Gosse und Rupelrath. Dabei bewegen wir uns auf Langenfelder, Leichlinger und Solinger Gebiet.

Wir starten vom Weg rechts neben Lohmanns Romantikhotel Gravenberg an der Elberfelder Straße 45. Am Waldrand führt eine Treppe zu einem Waldweg, dem wir rechts folgen. Gleich links kommen wir über eine weitere Treppe zu einem Denkmal, das an die Opfer der Weltkriege erinnert. Wieder auf dem Waldweg geht es am Wenzelsberg durch Buchen- und Eichenwald. Dieser Berg gehört zu den Leichlinger Sandbergen. Mit seinen 111,5 Metern Höhe ist er der höchste davon und stellt Langenfelds höchste Erhebung dar. Ammoniten, die man im Boden der Sandberge fand, zeugen davon, dass im Pleistozän das Meer bis in diese Region vorreichte.

Wir kommen an einer sich öffnenden Talenge vorbei und stoßen am Ende auf einen Weg, dem wir links folgen. Er führt uns zu dem Mahnmal in der Wenzelnbergschlucht, das an ein furchtbares Verbrechen zum Ende des Zweiten Weltkrieges erinnert: Am 13. April 1945 erschoss die Gestapo an dieser Stelle 71 Insassen aus dem Zuchthaus Lüttringhausen und verscharrte die Leichen. Eine Schautafel vor Ort berichtet von dem Gräuel. Folgt man dem Pfad, der links am Ausgang der Schlucht auf den Berg führt, gelangt man zu einem kolossalen Gipfelkreuz.

Der Hauptweg führt zum Kapeller Weg, dem wir geradeaus – an dem Wohnhaus vorbei – folgen. Links dahinter biegen wir in den Weg ein, der zwischen den Kuhweiden einher verläuft. Ein alter Tunnel führt uns unter der Bahntrasse her. Auf Leichlinger Gebiet geht es nun rechterhand auf dem Weg Linde weiter, bis wir links in den Gravenberger Weg einbiegen. Nach Überqueren der Hauptstraße am Ziegwebersberg geht es geradewegs in den Wald. Auch der Ziegwebersberg ist ein Sandberg. Nach einer Weile führt uns der Fahrweg auf den Müllerhof zu, der wie ein Märchenschloss an der Wupper wirkt – mit rund 8000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche.

Das frühere Rittergut wird erstmals 1307 mit „Fleckone de Muylendino“ als Lehen der Abtei Deutz erwähnt. Zum Müllerhof gehörte eine schon 1166 genannte Mahlmühle an der Wupper oder am Rupelrather Bach. Davon ist nichts mehr lokalisierbar. Im 16. und 17. Jahrhundert hieß der Hof nach den damaligen Besitzern auch „Scheffgesmühle“ oder „Scheffgen-mühle“. Ab 1803 war er dann im Besitz der Familie Mirbach. 1907 brannten große Teile ab. Nach dem Verkauf an einen ehemaligen Schreinermeister 1987 ließ dieser verfallene Trakte abreißen und begann die pompöse Neubebauung. Die heutigen Besitzer planen auf dem Gelände eine Hotelanlage und ein Gestüt zu errichten.

Links vom Weg in Richtung Wupper sehen wir auf dem eingezäunten Grundstück eine mit Bäumen bestandene Bodenerhebung. Dort stand einst eine Motte, also eine „Holz-Erde-Burg“, die noch älter als der Gutshof war.

Wir gehen flussaufwärts am Wupperufer entlang. Dort stehen stämmige Eichen, Buchen und Weißdorn. Weiden reichen nahe ans Gewässer heran. Dicht am Ufer nisten Eisvögel. Also bitte den Grund nicht betreten! Noch vor der Hofschaft Horn folgen wir dem Weg links am Feldrand.

Der „Schinderhannes“ kam mit seiner Räuberbande hier entlang

An der Wipperauer Straße geht es noch einmal links in Richtung der Hofschaft Gosse. Der Name stammt von einer Abwasserrinne, an der der Ort sich früher befand. Urkundlich erstmals erwähnt wird er 1488 als „zor Gossen“. Einige Fachwerkbauten sind noch gut erhalten. Gegenüber liegt die Hofschaft Birkendahl. Sie taucht 1487 erstmalig als „Byrckendarl“ auf. An der Kreuzung biegen wir links in die Opladener Straße, die nach Rupelrath führt. Schon von weitem sehen wir das markante Fachwerk-Ensemble der Häuser Opladener Straße 152 bis 160. Die erste urkundliche Erwähnung Rupelraths erfolgte 1363 als „Robeltroyde“.

Rupelrath lag schon immer an einer Verkehrsader. Nach einer überlieferten Sage kam auch der berüchtigte „Schinderhannes“ alias Johannes Bückler mit seiner Räuberbande zu Anfang des 18. Jahrhunderts hier entlang. Er wollte nachts eine Seidenweberei im Haus Rupelrath 6 überfallen, irrte sich aber im Haus und wurde, nachdem ein Bewohner zur Reinoldi-Kapelle lief und die Glocken läutete, von den Rupelrathern vertrieben. Über den Weg Rupelrath gelangen wir zur St. Reinoldi-Kapelle. Diese bestand bereits im 14. Jahrhundert. Später, zu Zeiten der Pest, erbaute man dort ein dem Pestheiligen St. Reinoldus geweihtes Gotteshaus. Nachdem man 1705 den Friedhof anlegte, fand 1718 ein Umbau des Gebäudes statt. Eine Reihe von Sagen rankt sich um die Kapelle. In einer soll ein Steinmetz vom Kölner Dom aus seinen Hammer fortgeworfen haben, der „durch die Lüfte bis nach Rupelrath flog“. Dieses Wunder veranlasste den Bau der Kapelle.

Hinter der Kapelle unterqueren wir die Bahntrasse durch den Tunnel und halten uns rechts. Nun geht man geradewegs auf das Wildgehege zu, das zum Romantikhotel Gravenberg gehört. Wer auf dem Weg zum Ausgangspunkt noch den Wenzelnberg besteigen möchte, folgt links dem Pfad, der steil bergan in den Wald führt.

22. Tour

Strecke: Wenzelnberg, Müllerhof, Rupelrath

Dauer: ca. 90 Minuten

Schwierigkeitsgrad: leicht, auch für Familien mit Kindern geeignet

Ausrüstungstipp: festes Schuhwerk für die Waldwege

Bus: Linie 791, Haltestelle Heidacker Straße

Zum Einkehren bieten sich an: Gasthaus Alt Rupelrath, Opladener Straße 162, Tel. (0212) 2 33 76 99, Restaurant Lohmanns Romantikhotel Gravenberg, Elberfelder Straße 45, Tel. (0 21 73) 9 22 00

www.gravenberg.de

Öffnungszeiten bitte telefonisch erfragen

Wanderserie: In der nächsten Folge lernen Sie die Odenthaler Denkmalroute kennen.

Download für Wanderprofis: Hier stellen wir Ihnen die Daten für diese Route als gpx-Download zum Wandern mit Smartphone oder GPS-Gerät zur Verfügung. Sie können die Datei in einer entsprechenden Navigations-App hochladen: GPX-Track Wenzelnberg

Weitere Wanderstrecken innerhalb und um Remscheid, finden Sie auf unserer Übersichtsseite.

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