Mit dem RGA wandern

Wanderer entdecken Merscheider Geschichte

In der Hofschaft Bech scheint die Zeit stehengeblieben.
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In der Hofschaft Bech scheint die Zeit stehengeblieben.

Unsere heutige Tour führt durch Bachtäler und Hofschaften im Solinger Fürstentum.

Von Andreas Erdmann

Solingen. Einen interessanten Ausflug in die Geschichte eines Solinger Stadtteils bietet der Merscheider Rundweg. Der mit einem „M“ gekennzeichnete Weg führt auf knapp elf Kilometern durch die Bachtäler rund um das selbst ernannte „Fürstentum“ und durch zwölf Hofschaften mit zahlreichen historischen Gebäuden.

Wir starten vom Parkplatz der früheren Gesenkschmiede Hendrichs an der Merscheider Straße. Die 1886 von den Brüdern Peter und Friedrich-Wilhelm Hendrichs gegründete Scherenschlägerei ist heute Außenstelle des Rheinischen Industriemuseums. Damals revolutionierte die Dampfkraft den Schmiedeprozess von Scherenrohlingen erheblich. So konnte sich die Firma von der Kleinschmiede rasch zum Betrieb mit über 40 Mitarbeitern entwickeln. Vom Erfolg kündet die 1895 auf dem Gelände errichtete, repräsentative Doppelvilla an der Merscheider Straße 289. Heute befindet sich das Restaurant Villa Zefyros darin.

Auch die Villa Hendrichs liegt auf dem Weg unserer Wandertour.

Wir folgen der Hauptstraße zum Ort hin, biegen dann links in den Kyllmannweg. Rechts am Weg liegt der Dahler Park, links das Merscheider Schützenhaus. Geradeaus sieht man das markanteste Gebäude der Hofschaft Dahl, das 1558 erbaute Richterhaus. Bis ins 18. Jahrhundert diente es den Richtern der Familie Kyllmann als Gerichtsgebäude. Im Inneren sind noch Teile der alten Richterbank erhalten. Vom Gefängnis besteht noch ein Fenster mit Eisengittern. Auf der Anhöhe neben dem Haus stand früher ein Galgen. Auffällig auch das 1747 errichtete, an der Front mit Holzschindeln verkleidete Schöffenhaus Dahl 9. Wir halten uns links. Das Gebäude Dahl 39 stand ab 1793 in der Dorper Hofschaft Schlicken, bis es 1993 einer Straßenverbreiterung wich und nach Dahl versetzt wurde.

Vor dem Tunnel geht es links auf den Pfad, der entlang der Viehbachtalstraße zur Ulrichstraße führt. Am Ende unterqueren wir die Schnellstraße und kommen nach Waardt. Die Hofschaft wird erstmals 1488 im Zehntregister des Klosters Altenberg aktenkundig. Der Name rührt von „Warte, Aussichtspunkt“ her. Bergan geht es an der Hofschaft Hoffnung vorbei zur Mangenberger Straße. Dieser folgen wir linksum, bis rechts der Geilenberger Weg abzweigt. Dieser führt zum Berg-Isel-Weg. Über die Eisenbahnbrücke gelangen wir nun nach Geilenberg.

Nach zwei Bachläufen taucht das einsame Fachwerkhaus Kotter Hammer 5 auf. Hinter dem Nacker Bach folgen wir rechtsum dem Waldweg durchs Nacker Bachtal. Noch vor dem Ort Nacken stehen rechts am Weg zwei ineinander verwachsene Buchen. Die 250 Jahre alten Bäume sind ein Symbol unter Liebespaaren für „ewige Treue“. Nacken wird 1488 als „Zom Nacken“ aktenkundig. Der Name steht wohl für eine Bodenerhebung. Markant: das alte Gutshaus Nacken 47.

Etwas abseits am Berg stand früher der Nacker Kotten, der wegen seines großen Wasserrads mit sieben Metern Durchmesser bekannt war. Wir durchqueren den Ort. Bald zweigt im Wald rechts ein Weg ab, der zur Straße Schaafenmühle führt. Es geht bergan durch den Ort, durch den Bahntunnel bis zur Mangenberger Straße. Wir halten uns rechts, biegen dann links nach Hübben. 1488 wird der Ort „Huben“ genannt. Der Name bezeichnet wohl eine Geländeform. Es geht linkerhand auf den Pfad, der an der Viehbachtalstraße entlang führt. Unterhalb von Schmalzgrube und Schmalzgraben kommen wir durch alte Buchen- und Eichenwälder. Viel Baumbestand fiel dem Bau der Schnellstraße um 1993 zum Opfer.

Der Weg führt linksum unter den Bahngleisen her. Rechts geht es dann auf die Straße Schwarze Pfähle zu. Wir halten uns links, biegen gleich rechts hinter der Schnellstraßen-Ausfahrt in den Pfad ein. Abermals rechts führt die Straße Trochbusch unter der Schnellstraße her in die Hofschaft Mankhaus. Diese setzt sich historisch aus den beiden Höfen Oben- und Untenmankhaus zusammen und taucht erstmals 1405 als „Manckhusen“ auf. Sind 1715 nur zwei Höfe kartiert, besteht der Ort 1871 schon aus 30 Wohnhäusern und zählt 201 Einwohner. Wir gehen durch die Fachwerkhofschaft, unterqueren den Bahntunnel. Nach Obenmankhaus gelangt man rechtsum über die Neptun-, dann links über die Rosenstraße und abermals rechts über die Pfeilstraße, von der die Brunnenstraße abzweigt.

Mit dem RGA wandern: Einst war der Lochbach ein stinkender Abwasserkanal

Im Ort stehen noch der Mankhauser Hof sowie ein Brunnen, ein so genannter „Pött“, von 1565. Wir kommen zur Junkerstraße nach Irlenfeld, dann links über die Königgrätzer- bis zur Merscheider Straße. Wir halten uns rechts, gehen dann durch die Geibelstraße auf die alte Hofschaft Fürk zu. Der Ursprungshof ist bereits 1336 als „Vurwirken“ erwähnt. Der Name Fürk steht für den Föhrenbaum, also die Kiefer, und bezeichnet eine Kiefernrodung. 1645 wird der Schwertschmied „Johann Broch zu Fürk“ aktenkundig, 1647 der Schwertschmied „zu Vork“. Der Weg zwischen den Häusern Fürker Straße 54 und 56 führt uns zur Gellertstraße. Geradeaus geht es zur Straße am Stadtgarten und linkerhand ins Lochbachtal.

Wir folgen dem Waldweg talaufwärts. Durch das heutige Naherholungsgebiet zog sich der Lochbach noch vor 30 Jahren als stinkender Abwasserkanal. Nach der Renaturierung in den 1990ern wurden zahlreiche Kleinfische heimisch. Auch Frösche und Molche siedelten sich an sowie der nordamerikanische Signalkrebs.

Am Areal des Hundesportvereins standen bis zu Anfang des 20. Jahrhunderts noch der Fürker und der Schaafen Kotten. Nach der Unterführung erblicken wir links die Becher Mühle. Eine Urkunde von 1641 erwähnt einen „Peter Heidelberg“ als dort tätigen Müller. Sämtliche Getreidearten wurden dort gemahlen. Nach 1885 betrieben die Müller und Bäcker Wilhelm und August Meyer zusätzlich einen Weizenmehl- und Futtermittelhandel. Ein Stück weiter führt ein Pfad bergab, über den Lochbach und dann hinauf in die Hofschaft Bech. Sehenswert ist unter anderem die Giebelwand des Hauses Becher Straße 87 mit zehn Andreaskreuzen. Die elf Balken unter dem Dach erinnern an die „elf treuen Jünger Jesu“.

Wir folgen der Straße talaufwärts, bis rechts ein Pfad wieder zurück auf den Waldweg führt. Als Peter-Henlein-Weg trifft dieser auf die Tiefendicker Straße, der wir kurz bergab folgen, dann rechts in den Fußweg einbiegen. Im Tal liegt der Ort Tiefendick mit dem weithin sichtbaren Schornstein über dem Gelände der früheren Färberei Jaeger. Der Ortsname geht auf einen tief gelegenen Teich (Dieck) zurück. Um 1700 konnte man dort um 1700 die Hämmer etlicher Schwertschmieden hören. 1888 zählte die Hofstadt 34 Wohnhäuser mit 210 Einwohnern. Am Wegkreuz geht es scharf nach rechts, dann links in die Buchenstraße zurück zum Ausgangspunkt.

Merscheider Rundweg

Dauer: ca. drei Stunden

Schwierigkeitsgrad: leicht, aufgrund der Länge nicht für kleinere Kinder geeignet

Ausrüstungstipp: festes Schuhwerk bei feuchtem Wetter

Busverbindung: Linie 681, Ausstieg Industriemuseum Museum: LVR-Industriemuseum Gesenkschmiede Hendrichs, Merscheider Straße 289-297, Öffnungszeiten: samstags und sonntags 11 bis 18 Uhr, dienstags bis freitags 10 bis 17 Uhr

industriemuseum.lvr.de

Gaststätten zum Einkehren: Griechisches Restaurant Villa Zefyros, Merscheider Straße 289, Tel. 28 95 91 96
www.villa-zefyros.de

Restaurant Merscheider Schützenhaus, Kyllmannweg 33, Tel. 33 31 75
merscheiderschuetzenhaus.de

Download für Wanderprofis: Hier stellen wir Ihnen die Daten für diese Route als gpx-Download zum Wandern mit Smartphone oder GPS-Gerät zur Verfügung. Sie können die Datei in einer entsprechenden Navigations-App hochladen: Merscheider Rundweg

Tipp: Die ersten 40 Folgen unserer Serie „Wanderrouten im Bergischen Land“ – unter anderem mit den GPX-Daten zum Wandern mit Smartphone oder GPS-Gerät – gibt es als PDF-Download. Sowohl die ersten 20 als auch die weiteren 20 Teile sind für je 7,90 Euro erhältlich unter:
www.bergisch-bestes.de

Alle Folgen der Wanderserie finden Sie hier.

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