Bundestagswahl 2017

Ministerpräsidentin warnt vor zu viel Siegessicherheit

Mit Jens Nettekoven am Samstag durch die Altstadt: die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer. Foto: Michael Schütz
+
Mit Jens Nettekoven am Samstag durch die Altstadt: die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer.
  • Andreas Weber
    VonAndreas Weber
    schließen

Gang durch Altstadt: Annegret Kramp-Karrenbauer besuchte Lennep.

Von Andreas Weber

Wer wüsste besser als Annegret Kramp-Karrenbauer, was es bedeutet, wenn Polittrends an der Wahlurne plötzlich verrückt spielen. Ende März dieses Jahres, als der Martin-Schulz-Hype auf dem Höhepunkt war, legte die saarländische Ministerpräsidentin bei der Landtagswahl mit der CDU um 5,5 auf 40,7 Prozent zu und hängte die SPD wider Erwarten mit einem Riesensatz ab. Als prominente Wahlkämpferin von ihrer Partei nach Lennep eingeladen, trat die 55-jährige am Samstagnachmittag deshalb auf die Euphoriebremse.

Dass Angela Merkel und ihre Christdemokraten so gut wie durch seien, dagegen wehrt sie sich vehement. Ihren 40 Zuhörern im Rotationstheater gab Annegret Kramp-Karrenbauer zum Abschluss der kleinen Runde, die sie an der Seite von Bundestagskandidat Jürgen Hardt und Jens Nettekoven (MdL) durch die Altstadt drehte, auf den Weg: „Vergessen Sie die Umfragen, ob schlecht oder gut.“

Siegessicherheit mache träge und könne zum Bumerang werden. Das CDU-Bundespräsidiumsmitglied empfahl bis zum 24. September auf Überzeugungsarbeit zu setzen und die Rückkehr zum „Haustür-Wahlkampf“. Was ihr inhaltlich im Bundestagswahlkampf wichtig ist, riss Kramp-Karrenbauer auch an: Die Digitalisierung zählt dazu. „Da müssen wir Gas geben“, betonte die Rednerin und verwies auf das innovative Estland, bei dem die Autozulassung per Tablet möglich sei. „Wer das bei uns machen will, muss sich erst mal Urlaub nehmen“, kritisierte sie und sprach von „einem Stück Lebensqualität“, das Digitalisierung bedeuten könne.

Dem CDU-Wahlkampfslogan „Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben“ folgend, forderte Annegret Kramp-Karrenbauer mehr bezahlbaren Wohnraum. Unter den Bundesländern sei das Saarland dasjenige mit der höchsten Eigenheim-Quote. Ein Instrument, diese in ganz Deutschland zu erhöhen, sei: „Wir wollen das Baukindergeld wieder einführen.“ Auch Wohnen und Sicherheit liegt ihr am Herzen. Allzu selten werden Hauseinbrüche aufgeklärt. „Der Wohnungseinbruch ist eines der bestorganisiertesten Kriminalitätsfelder in Europa“, meinte Kramp-Karrenbauer. „Es ist unsere verdammte Pflicht, den Schutz der Bürger zu organisieren.“

Physik war das Horrorfach für die Ministerpräsidentin

Bei ihrer Stippvisite war die dreifache Mutter und Katholikin am Röntgen-Museum gestartet. „Die Kanzlerin würden sie hier nicht mehr wegbekommen“, unkte die Ministerpräsidentin: „Aber mein Horrorfach in der Schule war Physik. Naturwissenschaftlich war ich überhaupt nicht begabt.“ Dennoch gab es bei einem Spaziergang durch die Altstadt Informationen von Stadtführer Harald Blondrath zum berühmten Sohn der Stadt und zur Historie Lenneps.

Beim Geburtshaus von Wilhelm Conrad Röntgen am Gänsemarkt stoppte der Tross. Annegret Kramp-Karrenbauer ließ sich von Museumsdirektor Dr. Uwe Busch erklären, dass nach der Kernsanierung, die im November 2018 abgeschlossen sein soll, dort eine Begegnungsstätte für Wissenschaftler aus aller Welt entstehen wird und die 800 Bewohner der Altstadt öfters hohen Besuch in ihrer Mitte haben werden.

BESUCH AUF EINLADUNG VON JÜRGEN HARDT

WAHLKAMPFAUFTRITT Der bergische Bundestagsabgeordnete Jürgen Hardt (CDU) hatte die saarländische Ministerpräsidentin angeschrieben und für einen Besuch in Lennep gewonnen. Bei einer Begrüßung im Röntgen-Museum stellte Dezernent Dr. Christian Henkelmann die Gemeinsamkeiten her: Hardt wie Kramp-Karrenbauer traten 1981 in die CDU ein, kamen über die Kommunalpolitik in höhere Gefilde und waren persönliche Referenten: Kramp-Karrenbauer von Peter Müller, Hardt von Peter Hintze. „Und beide erreichen bei Wahlen Ergebnisse im 40er-Bereich“, meinte Henkelmann.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Remscheid bereitet sich auf 2G vor - Feuerwerkshersteller befürchten „Todesstoß“
Remscheid bereitet sich auf 2G vor - Feuerwerkshersteller befürchten „Todesstoß“
Remscheid bereitet sich auf 2G vor - Feuerwerkshersteller befürchten „Todesstoß“
Ruhestätte Begräbniswald? Jäger hat so seine Zweifel
Ruhestätte Begräbniswald? Jäger hat so seine Zweifel
Ruhestätte Begräbniswald? Jäger hat so seine Zweifel
Sie hat ein offenes Ohr für pflegende Angehörige
Sie hat ein offenes Ohr für pflegende Angehörige
Sie hat ein offenes Ohr für pflegende Angehörige
Auffällig aussehendes Duo raubt Obdachlosen in Remscheid aus
Auffällig aussehendes Duo raubt Obdachlosen in Remscheid aus
Auffällig aussehendes Duo raubt Obdachlosen in Remscheid aus

Kommentare