Landtagswahl in NRW

Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) besucht Dirostahl in Remscheid

Ministerpräsident Hendrik Wüst (zweiter von rechts) tauchte in die Welt der Schmiedetechnik ein.
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Ministerpräsident Hendrik Wüst (zweiter von rechts) tauchte in die Welt der Schmiedetechnik ein.
  • Frank Michalczak
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Hendrik Wüst und der Landtagskandidat Jens Nettekoven (beide CDU) besichtigten das Remscheider Unternehmen.

Remscheid. Die Firma Dirostahl erhielt an diesem Donnerstag prominenten Besuch: NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) schaute vorbei und tauchte gemeinsam mit dem CDU-Landtagskandidaten Jens Nettekoven in die Welt hochmoderner Schmiedetechnik ein. Begrüßt wurden sie von den Geschäftsführern Dr. Roman Diederichs und Markus Lüke sowie Seniorchef Dr. Manfred Diederichs.

Rund eine Stunde nahm sich Wüst Zeit, um sich im Unternehmen umzuschauen und das Gespräch mit den Remscheidern zu suchen. Dabei warf das aktuelle Weltgeschehen einen Schatten auf die Begegnung. Denn es ging auch um die Energieversorgung, die durch den Ukraine-Krieg zumindest infrage gestellt ist. Sollte Russland seine Gaslieferung einstellen, hätte dies weitreichende Folgen - sowohl für private Haushalte als auch für Unternehmen wie Dirostahl. „Eine Störung würde massiven Schaden verursachen, nicht nur bei uns, sondern in weiten Teilen der Wirtschaft. Ich habe aber hohes Vertrauen, dass unsere Politiker besonnen handeln“, machte Geschäftsführer Markus Lüke deutlich.

Der Wüst-Besuch stieß bei Dirostahl auf großes Medieninteresse.

Für Hendrik Wüst, der bei der Werksbesichtigung dem Betriebslärm trotzte und auch das Gespräch mit Mitarbeitern suchte, ist es entscheidend, dass sich die Bundesrepublik möglichst schnell aus der Abhängigkeit von Russlands Energie befreien kann: „Bei Kohle und Öl ist das leichter. Beim Gas wird es dauern“, erklärte er. „Wir müssen aber dafür sorgen, dass die Industrie verlässlich versorgt wird.“ Dabei könne kurzfristig eine Kooperation mit der belgischen Region Flandern helfen, „wo wir gemeinsam neue Infrastruktur schaffen“.

450 Mitarbeitende stehen im Unternehmen in Lohn und Brot

Dirostahl zeigt seit dem Gründungsjahr 1912 krisenfest. Rund 450 Mitarbeiter fertigen im Stahl-, Walz- und Hammerwerk ganz unterschiedliche Schmiedestücke, zum Beispiel für den Maschinenbau. Das Unternehmen stellt Teile für Flüssiggaskompressoren ebenso her wie Anlagen für die Wasserstofferzeugung. Zudem werden Dirostahl-Produkte für Windkraftanlagen verwendet, worauf Geschäftsführer Markus Lüke hinwies. Regenerativen Energie zu fördern, müsse das Ziel bleiben, erklärte Wüst. Dazu will er, dass die NRW-Kommunen bis zu zehn Prozent ihrer zerstörten Waldflächen für Windräder zur Verfügung stellen.

Landtagswahl 2022 in Remscheid: Kandidaten, Ergebnisse, Wahlkreis

Am Kohleausstieg bis 2030 will er zwar festhalten. „Allerdings müssen sechs Kraftwerksblöcke in die Reserve gehen, damit sie notfalls laufen können.“ Natürlich war der Ausflug in die Schmiedetechnik auch mit Werbung in eigener Sache verbunden. Bei seiner kurzen Rede vor rund 100 Zuhörern reklamierte Wüst mehrere Erfolge für die Landesregierung. „Uns ist es in den letzten fünf Jahren gelungen, 400 000 neue Arbeitsplätze zu schaffen“, erklärte er. Auch in Sachen Bildung nannte er Erfreuliches: Für die Mädchen und Jungen in den Schulen seien 700 000 digitale Endgeräte finanziert worden.

Vor allem aber habe die Landesregierung Akzente beim Thema „Innere Sicherheit“ gesetzt. „Rot-Grün hat ein Desaster verursacht“, erklärte Wüst, der die Arbeit seines Innenministers Herbert Reul (CDU) in höchsten Tönen lobte. „Seit Jahrzehnten war NRW nicht so sicher wie jetzt.“ Dazu habe beigetragen, dass die Zahl der Polizisten erhöht und deren Ausstattung verbessert wurde.

Zur Person

Hendrik Wüst tritt am 15. Mai als Spitzenkandidat für die CDU bei den Wahlen zum NRW-Landtag an. Der 46-Jährige ist seit Ende Oktober 2021 Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen und damit Nachfolger von Armin Laschet. Seit 17 Jahren ist er direkt gewählter Abgeordneter im Düsseldorfer Landtag, zwischenzeitlich war er NRW-Verkehrsminister. Der Jurist ist verheiratet und Vater einer kleinen Tochter. Hendrik Wüst wuchs im Münsterland auf. Mit seiner Familie lebt er in Rhede.

Standpunkt von Axel Richter: Mit Bedacht gewählt

axel.richter@rga.de

Die Schmiede Dirostahl hatten die Wahlkampfmanager der CDU mit Bedacht gewählt. Während sein Vorgänger Armin Laschet 2017 zwar gut gelaunt, aber mehr oder minder anlasslos im Bus über die Wupperbrücke rollte, konnte Hendrik Wüst am Donnerstag einem Unternehmen seine Unterstützung versichern, das wie wohl kein anderes in Remscheid von einer stabilen Gasversorgung abhängig ist.

Nun steht der Christdemokrat nicht im Verdacht, einem Boykott russischer Lieferungen das Wort zu reden. Dennoch werden es die Dirostahl-Chefs mit einiger Zufriedenheit zur Kenntnis genommen haben, dass mit ihm als NRW-Ministerpräsident kein Gasembargo zu machen sein wird.

Freilich bleiben solche Versicherungen Makulatur, sollte der Kriegsherr im Kreml selbst am Gashahn drehen. Die Sorge aber kann derzeit kein Politiker den Unternehmen im Bergischen nehmen.

Alles zur Landtagswahl NRW 2022 in Remscheid

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