Fördergelder

1,2 Millionen Euro für digitalen Unterricht in Remscheid

1,2 Millionen Euro stehen bereit, um Tablets und Laptops für Remscheider Schulen anzuschaffen. Archiv-Symbolfoto: Christian Beier
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1,2 Millionen Euro stehen bereit, um Tablets und Laptops für Remscheider Schulen anzuschaffen.

Land und Bund fördern die Sofortausstattung von Schülern mit mobilen Endgeräten.

Von Manuel Böhnke

Remscheid. Mehr als eine Million Euro steht der Stadt für die Sofortausstattung der Remscheider Schüler mit digitalen Endgeräten zur Verfügung. Das geht aus den in der vergangenen Woche veröffentlichen Förderrichtlinien des nordrhein-westfälischen Schulministerium hervor. Das Geld soll Kindern und Jugendlichen zugutekommen, die aufgrund der finanziellen Verhältnisse ihres Elternhauses bislang nicht auf für digitalen Unterricht geeignete Tablets oder Laptops zurückgreifen können.

Bis zu 1 102 052,67 Euro Förderung stehen Remscheid zu. Den Großteil der Mittel steuert der Bund bei, der Rest kommt vom Land. Für die Schulträger, also die Kommunen, ist ein Eigenanteil von mindestens zehn Prozent vorgesehen. Mit Blick auf Remscheid ergibt sich daraus eine Summe von mehr als 1,2 Millionen Euro. Die Mittel sind bei der Bezirksregierung zu beantragen. „Wir müssen zunächst verwaltungsintern klären, wie wir mit den Richtlinien umgehen“, erklärt Markus Eschweiler vom Schulamt auf Anfrage.

„Das wäre nicht im Sinne der Sache.“

Markus Eschweiler vom Schulamt hofft auf Anschlussfinanzierung

Grundsätzlich förderfähig sind zwei Dinge. Zum einen die Ausstattung der Schulen für die Erstellung professioneller Online-Lehrangebote. Zum anderen „schulgebundene mobile Endgeräte“. Die Richtlinien sehen vor, dass für jedes Gerät ein Höchstbetrag von 500 Euro bereitsteht. Darin enthalten sind Kosten für die Inbetriebnahme sowie für den Einsatz des erforderlichen Zubehörs. Legt man diese Summe zugrunde, ergäbe sich in Remscheid die Möglichkeit, rund 2500 Geräte anzuschaffen. Die Anzahl erhöht sich bei geringeren Kaufpreisen.

Das könnte ersten Erkenntnissen nach ausreichend sein, um den Bedarf in Remscheid zu decken. Vor den Sommerferien startete die Stadt eine Umfrage unter den rund 16 000 Remscheider Schülern. Ziel war es, zu ermitteln, wie viele Kinder und Jugendliche zu Hause keinen Zugang zu Endgeräten haben, die für eine Teilnahme am digitalen Unterricht geeignet sind.

In der Sitzung des Schulausschusses Ende Mai war die Verwaltung noch von bis zu 5000 Schülern ausgegangen, auf die das zutrifft. Ersten Auswertungen der Umfrage zufolge könnte die Anzahl der tatsächlich benötigten Geräte jedoch bei etwas über der Hälfte der seinerzeit den Schulpolitikern genannten Zahl liegen.

Markus Eschweiler kündigt an, dass man sich im Rathaus in dieser Woche mit den Richtlinien beschäftigen werde. Denn es gibt offene Fragen. Zum Beispiel: Bei welchen Kindern und Jugendlichen besteht überhaupt ein Bedarf, ein Leihgerät von der Schule zu bekommen? „Das wird wohl vor Ort entschieden. Die Lehrkräfte können darüber am besten Aussagen treffen“, wagt Eschweiler einen Ausblick.

Auf der anderen Seite muss sich jemand um die Einrichtung und Wartung der Laptops und Tablets kümmern. In den Förderrichtlinien heißt es dazu klar: „Sachausgaben für die Wartung und den Betrieb der anzuschaffenden mobilen Endgeräte sowie Personalausgaben sind nicht förderfähig.“ Bedeutet im Umkehrschluss: Für diese Kosten muss die Stadt eine Lösung finden. Zeit bleibt dazu bis zum Ende des Jahres. Denn aus dem Schulministerium heißt es: „Die Mittel aus dem Sofortausstattungsprogramm sind von den Schulträgern möglichst bis um 31. Dezember 2020 vollständig abzurufen.“

Fraglich ist auch, wie es nach der Anschaffung weitergeht: Werden die Geräte bei Defekten wieder sukzessive aus den Schulen verschwinden, weil Geld für Ersatz fehlt? „Das wäre nicht im Sinne der Sache“, betont Eschweiler. Zumindest für das kommende Jahr kündigt das Land an, im Haushalt eine Anschlussfinanzierung anzustreben.

Förderung

Mittel zur digitalen Sofortausstattung stehen nicht nur den Trägern von Schulen in öffentlicher Trägerschaft, also den Kommunen, zu. Auch Träger von „genehmigten Ersatz-“ und staatlich anerkannten Altenpflegeschulen haben Anrecht auf Förderung. So stehen laut Angaben des Landes dem Rudolf-Steiner e.V., dem Verein hinter der gleichnamigen Waldorfschule, 28 262,66 Euro zur Verfügung. Beim Sana-Klinikum sind es 7014,09.

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Standpunkt: Es gibt noch Hausaufgaben

Von Melissa Wienzek

melissa.wienzek@rga-online.de

Es sind gut angelegte 1,2 Millionen Euro, die Bund und Land für die Sofortausstattung von mobilen Endgeräten in Remscheid ausgeben – investieren sie doch damit in die Zukunft: die Schüler von heute. Was aber nicht dazu führen sollte, dass Lehrer künftig durch Technik ersetzt werden – hier gilt es, aufzupassen. Gerade im Corona-Lockdown und dem damit verbundenen Homeschooling kam zutage: Nicht jedes Remscheider Kind hat auch die benötigte Ausstattung, um adäquat lernen zu können. 

Umso erfreulicher ist es, dass es nun Geld von Land und Bund für Tablets und Laptops gibt. Das bedeutet nicht nur für die Schulen einen weiteren Schritt nach vorn, sondern auch für Kinder aus einkommensschwachen Haushalten, dass sie nicht benachteiligt werden. Insofern hat die Förderung auch einen wichtigen sozialen Aspekt. Aber: Es muss sich auch jemand um die Wartung und Einrichtung kümmern. Die beste Technik nützt nichts, wenn es keinen IT-Experten gibt. Auch bedarf es einer Anschlussfinanzierung. Es sind also noch ein paar Hausaufgaben zu machen.

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