Stadt legt neue Zahlen vor

Mieten in Remscheid steigen in vier Jahren um 9,2 Prozent

Die Mieten in Honsberg sind vergleichsweise günstig.
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Die Mieten in Honsberg sind vergleichsweise günstig.

Im Vergleich zu anderen Großstädten bleibt die Preisentwicklung moderat.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Das Wohnen zur Miete in Remscheid ist in den vergangenen Jahren teurer geworden, die Preise sind aber nach wie vor im Vergleich zu anderen Städten moderat. Das zeigt der neue Mietspiegel für Remscheid, der ab sofort im Internet und gedruckt, erstmals aber auch als Online-Rechner zur Verfügung steht.

Darin erfasst sind die Daten von mehr als 4500 Wohnungen, die in den vergangenen sechs Jahren neu vermietet wurden oder deren Mietpreise in dieser Zeit angepasst wurden.

Mieten in Remscheid steigen in vier Jahren um 9,2 Prozent.

Weil die Methodik dabei im Vergleich zum letzten Mietspiegel 2016 verändert wurde, sind die Zahlen zwar nicht eins-zu-eins vergleichbar, die Hamburger Firma Analyse & Konzepte, die die Auswertung im Auftrag der Stadt vorgenommen hat, hat aber einen Mittelwert aller gemeldeten Mieten errechnet. Der lag vor vier Jahren bei 5,35 Euro je Quadratmeter, heute liegt er bei 5,84 Euro.

Das entspricht einer Steigerung von 9,2 Prozent. Das liegt über der Entwicklung der sonstigen Verbraucherpreise, aber unter der der Mieten in vielen anderen Großstädten. „Der Mietmarkt in Remscheid ist völlig entspannt“, sagt deswegen auch Sozialdezernent Thomas Neuhaus (Grüne). In Remscheid sei es auch weiterhin möglich, „zu angemessenen Preisen zu wohnen“, auch weil etwa sieben Prozent des Wohnungsbestandes leer stehe. „Da ist noch Platz für viele Menschen.“

„Der Mietmarkt in Remscheid ist völlig entspannt.“
Sozialdezernent Thomas Neuhaus

Der Mietspiegel liefert Informationen über die sogenannte ortsübliche Vergleichsmiete. Die hilft Mietern wie Vermietern bei der Orientierung und kann, weil es sich in Remscheid um einen qualifizierten Mietspiegel handelt, auch vor Gericht verwendet werden. So schaffe der Spiegel nicht zuletzt auch Rechtssicherheit, betont Neuhaus: „Er ist ein Werkzeug für einen funktionierenden Wohnungsmarkt.“

Remscheid: Mietspiegel ist Werkzeug für funktionierenden Wohnungsmarkt

Neben der gedruckten Variante, die es kostenlos im Seniorenbüro am Markt ausliegt, gibt es eine digitale Version, die auf der Internetseite der Stadt heruntergeladen werden kann. In beiden Varianten gibt es ein Blanko-Formular, um die ortsübliche Miete zu berechnen. Komfortabler ist aber der Online-Rechner, der ebenfalls unter www.remscheid.de zu finden ist. Nach ein paar einfachen Angaben zu Straße, Größe, Baujahr und Ausstattung der Wohnung spuckt er das Ergebnis aus.

Ein Angebot, das für Mieter wie Vermieter gleichermaßen gedacht ist, wie Thomas Kugel, Sachgebietsleiter Wohnen bei der Stadtverwaltung erklärt. Und das völlig neue Möglichkeiten biete, wie die zuständige Abteilungsleiterin Martina Lajewski betont: „Damit kann man schnell überprüfen, welche Verbesserung an der Wohnung zu welcher Erhöhung der Miete führt.“

Waren bisher nur Vermietungen in Mehrfamilienhäusern berücksichtigt worden, enthält der neue Mietspiegel auch solche in Ein- und Zweifamilienhäusern. Zudem wurde der Geltungsbereich per Gesetzesänderung von vier auf sechs Jahre erweitert. Die wesentliche Änderung gab es aber bei der Methodik.

Bislang wurden die Daten erfasst, indem Wohnungen mit ähnlichen Merkmalen zu Gruppen zusammengefasst wurden. Diesmal kam die sogenannte Regressionsmethode zum Einsatz, erläutert Martin Möller von Analyse & Konzepte. In der dabei verwendete Formel könnten wesentlich mehr Merkmale wie Gebäudetyp, Ausstattungsdetails und Lage erfasst werden.

So seien Leerfelder wie in den alten Tabellen, wenn es in einer Kategorie nicht genug Daten gab, vermieden worden. Vor allem aber seien die Aussagen des neuen Mietspiegels wesentlich differenzierter, so Möller: „Wir haben zum Beispiel festgestellt, dass barrierefreie Wohnungen oder solche mit Garten teurer sind.“ Veraltete Heizungen oder fehlende Isolierverglasung würden hingegen zu Abschlägen führen.

Hintergrund

Die Berechnung der ortsüblichen Miete im Online-Rechner startet mit der Suche der Straße, in der sich die Wohnung befindet. Danach müssen nur noch Wohnfläche, Baujahr, die Art des Bodenbelags und weitere Merkmal wie ein zweites Bad, Rollläden oder Einbauküche angegeben werden. Den Rest übernimmt das Programm und wirft eine Spanne aus, in der sich die Miete ohne Heizung und Betriebskosten bewegen sollte. Dabei werden auch die Zu- und Abschläge für Lage und Ausstattung mit angegeben. Erreichbar ist der Rechner über die Internetseite der Stadt.

omsp.analyse-konzepte.de/remscheid

Standpunkt: Lieber zu früh als zu spät

Von Sven Schlickowey

Knapp unter 400 Euro kalt für 60 Quadratmeter neueren Baujahrs mitten in der City, die Preise, die der neue Mietspiegel ausspuckt, sind – für eine Großstadt – wirklich noch moderat. Doch auch hier liegen die Steigerungen schon über der Inflationsrate.

sven.schlickowey@rga-online.de

Deswegen ist es richtig, dass zumindest Teile der Politik jetzt bereits eingreifen wollen. Dazu gehört die Idee, kommunale Immobilien, auch solche, die erst noch in Zukunft erworben werden, nicht mehr zu veräußern, sondern nur noch zu verpachten. Und auch der Vorschlag, dem Stadtrat bei Neubauprojekten in besonderen Lagen mehr Mitspracherecht einzuräumen. 

Das mag dem einen oder anderen bei den derzeitigen Zahlen etwas verfrüht oder gar übertrieben vorkommen. Doch jetzt ist ein Gegensteuern noch mit relativ sanften Eingriffen möglich. Hier gilt: lieber etwas zu früh als zu spät. Denn vernünftige und bezahlbare Wohnungen sind ohne jeden Zweifel eine der wesentlichen Grundvoraussetzungen für die positive Entwicklung einer Stadt.

Wohnungen werden nach einer aktuellen Untersuchung teurer, Ein- und Zweifamilienhäuser umso mehr, doch die Mieten stagnieren. Vermieter warnen vor Konflikten in manchen Großsiedlungen, gerade weil die Menschen weniger rauskommen. Corona schlägt auf den Immobilienmarkt durch.

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