Mein Leben als Papa

Miese Work-Life-Balance: In dieser Woche war ich nur zum Verlieren da

„Work“ (Handy) und „Life“ (Milchzahndose) hielten sich in dieser Wochebeim Autor nicht die Waage. Foto: lf
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„Work“ (Handy) und „Life“ (Milchzahndose) hielten sich in dieser Woche beim Autor nicht die Waage.
  • Gunnar Freudenberg
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RGA-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (5) und Michel (3)

Normalerweise mache ich mir donnerstags Gedanken, über welche Begebenheiten aus meinem Papa-Alltag ich freitags schreiben soll, damit es samstags an dieser Stelle in der Zeitung zu lesen ist. Funktioniert in der Regel gut. In dieser Woche aber nicht. Meine Work-Life-Balance, wie man heute sagt, ist in den vergangenen Tagen, an denen es viel für die Bundestagswahl vorzubereiten galt, ein wenig in Schieflage geraten und in Richtung Work gekippt. Dabei gab es in dieser Woche eigentlich ziemlich viel Life in unserer Familie, über das ich vermutlich ausführlich berichtet hätte. Allein: Ich war nur Nebendarsteller und hab das meiste nur am Rande mitbekommen.

Zum Beispiel die U-Untersuchung von Michel. Normalerweise ein Pflichttermin für mich – coronabedingt durfte diesmal aber ohnehin nur ein Elternteil mit zur Kinderärztin. „Alles gut, keine Tränen, er hat alles mitgemacht“, berichtete mir meine Frau in aller Kürze. Später musste ich über den zweigeteilten Eintrag in Michels gelbem U-Heft schmunzeln, der ihn gerade so wunderbar beschreibt. „Sprachlich weiterhin sehr weit“, steht dort. Das stimmt, wenn man ihn zu Hause erlebt. „Zurzeit aber etwas stur“, steht da aber auch. Und das stimmt, wenn er gerade nicht zu Hause ist.

Inzwischen kommt es tageweise wieder vor, dass auch ich nicht zu Hause bin. Dass ich mein Homeoffice gegen das echte Büro tausche und in die Redaktion fahre. Dann ist es ein komisches Gefühl, nicht mehr dabeizusein, wenn Michel einen Wutanfall bekommt, weil der Kofferraum seines Spielzeugautos klemmt oder die eine Holzschiene nicht in die andere passt. In diesen Momenten find ich mehr Work als Life gar nicht so schlecht. . .

Aber genauso komisch ist es, nur per Foto bei Whatsapp davon zu erfahren, dass bei Hannes endlich der Schneidezahn ausgefallen ist, der so lange gewackelt hat. Erst spät am Abend konnte er mir stolz seine Milchzahndose zeigen und ich spüren, wie wichtig ihm das war.

Am nächsten Abend, nach einem weiteren Tag, an dem ich kaum eine Minute Zeit für meine Jungs hatte, war Hannes einfach nur müde und hatte keine Lust mehr auf langes Quatschen mit seinem Papa. Zu anstrengend und schön war das Toben mit Kumpel Julian, der ihn direkt nach dem Kindergarten besucht hatte. „Als Julian da war, hab ich ehrlich gesagt gar nicht an dich gedacht, Papa“, sagte er mir. So muss das ja auch sein.

Dafür dachte er aber an unsere abendliche Verabredung zum Spielen. Die steht. Egal wie müde er ist. So wie meine Verabredung mit Michel jeden Morgen steht, wenn er mich weckt und sich da seine Papa-Zeit holt. Egal wie müde ich bin. Mit Hannes spiel ich seit unserem Urlaub in der Lüneburger Heide jeden Abend vor dem Einschlafen drei Partien Uno im Bett. An sieben Tagen.

Nach einer Woche steht der Gewinner sonntagabends fest. Bis jetzt hab ich immer verloren. Und leider sieht es auch in dieser Woche nicht gut für mich aus. Hannes führt vor unserem Duell am Freitagabend 9:3. Zwei Abende bleiben mir noch, um wenigstens ein Unentschieden zu schaffen. Denn am Sonntag, da bin ich schon wieder im Büro und schraube an der Wahlausgabe.

Aber danach, habe ich Hannes und Michel versprochen, bringe ich Work und Life wieder in Einklang.

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