Mein Leben als Papa

Michel auf der Überholspur – oder: „Weil ich ein großer Junge bin“

Michel gibt auf dem Laufrad Gas.
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Michel gibt auf dem Laufrad Gas.
  • Gunnar Freudenberg
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RGA-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (5) und Michel (2)

Im Auto blickt Michel jetzt nach vorne. „Ich sitze auf dem Große-Jungs-Sitz“, sagt er. Geht es nach draußen, will er nur noch die „Große-Jungs-Jacke“ anziehen. Und abends legt er sich zum Einschlafen neuerdings mit ins „Große-Jungs-Bett“, um mit seinem großen Bruder und Papa noch zu lesen oder Blödsinn zu erzählen. Im Schatten von Hannes’ Wackelzahnpubertät, über die ich in der vergangenen Woche berichtet habe, drückt auch Michel aufs Gaspedal und befindet sich auf der Entwicklungsüberholspur. „Weil ich ein großer Junge bin“, sagt er mehrmals am Tag. Er ist in einer entzückenden und lustigen Phase angekommen, in der es richtig Freude macht, Zeit mit ihm zu verbringen. „Ich bin drei“, antwortet er allen, die ihn nach seinem Alter fragen. Das sagt er zwar nur, weil er die Zahl Zwei – genau wie Hannes früher – nicht aussprechen kann und deshalb überspringt, aber irgendwie kommt es schon hin.

Gunnar Freudenberg

Michel hat nun endgültig die Macht von Wörtern entdeckt und kommentiert fast alles, was um ihn herum passiert. Weil er es jetzt kann und es ihm Spaß macht, sich mitzuteilen. Er begreift, wie bestimmte Abläufe sein sollten und ist empört, wenn sich andere nicht an die Regeln halten. „Du musst den Kühlschrank wieder zumachen, Papa!“, schimpft er mit mir, wenn ich mir nur mal eben schnell ein Glas Milch einschenke.

Michel ist auch ein Meister der Planung. Für ihn unangenehme Dinge schiebt er gerne nach hinten. „Erst das Buch anschauen, dann die Zähne putzen, dann schlafen“, stellt er abends klar. Wollen wir am Wochenende einen Ausflug starten, hätte er seinen Papa oft gern für sich allein. „Du bleibst hier, Mama. Du kannst am Fenster winken“, sagt er ihr.

Kinder erlernen die Sprache vor allem durch Nachahmung. Sprachliche Fortschritte hängen also in erster Linie von der Umgebung ab. Michel spricht daher manchmal mit uns wie wir mit ihm. Möchte er einen Obstteller, unterstützt er seinen Wunsch mit einem: „Komm, wir machen das!“ Schlage ich etwas vor, das ihm gefällt, lobt er mich: „Gute Idee, Papa!“

Am meisten gelernt hat Michel aber von Hannes. Der weist ihn beim gemeinsamen Spielen manchmal in die Schranken: „Das ist mein Auto, das hab ich zum Geburtstag bekommen.“ Diesen Satz hat sich Michel gemerkt und wendet ihn jetzt auch immer wieder an. Will er etwas partout nicht teilen, stellt er das mit einem „Das hab ich zum Geburtstag bekommen“ klar. Auch wenn er weiß, dass das gelogen ist.

Auch Michels Konzentrationsfähigkeit nimmt weiter zu. Er kann sich schon richtig lange alleine beschäftigen und im Rollenspiel mit seinen Figuren versinken. Beim Malen wird er kritischer zu sich selbst und immer akkurater. Und auch seine Fantasie wird größer. „Guck mal da draußen, Papa“, ruft er mich zum Fenster. „Da ist ein Gespenst. Das will dir mit dem Hammer auf den Kopf hauen.“ Zum Glück sagt er es nicht ängstlich, sondern lacht sich dabei selbst kaputt.

Apropos ängstlich: Das bin ich höchstens, wenn ich ihn auf dem Laufrad flitzen sehe. Von einem auf den anderen Tag bewegt er das so schnell und sicher wie ein Harley-Fahrer, der seit 50 Jahren durch das Bergische cruist. Auch motorisch gibt er Gas.

Ich kann Michel also nur zustimmen, wenn er sagt: „Ich möchte auch in den Kindergarten.“ Ein Jahr gehen sie ab August noch zusammen, die beiden großen Jungs.

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