Corona-Krise

Die Menschen ziehen Wochenmärkte vor

In Zeiten der Corona-Pandemie kaufen die Remscheider mehr frische und regionale Produkte – natürlich mit gebührendem Abstand in der Warteschlange.
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In Zeiten der Corona-Pandemie kaufen die Remscheider mehr frische und regionale Produkte – natürlich mit gebührendem Abstand in der Warteschlange.

Marktbeschicker haben mehr Kunden, die lieber an der frischen Luft einkaufen

Von Peter Klohs

Remscheid. Der Mittwochmorgen präsentiert sich der Jahreszeit angemessen gewöhnungsbedürftig: Es ist grau, die Hoffnung auf mehr Licht wird vergeblich sein, es regnet leicht, die Spitze des Rathausturms verschwindet beinahe in tiefliegenden Wolken. Ein Dutzend Marktstände sind auf dem Theodor-Heuss-Platz versammelt. Denn den Marktbeschickern ist das Wetter gleichgültig. Manchen Kunden aber nicht.

Tanja Irmler von Fischfeinkost Irmler, ist dennoch guter Dinge. „Mittwochs ist immer weniger los als samstags“, sagt die junge Frau, „und wenn dann noch so ein Wetter ist, bleiben manche Stammkunden auch mal gerne zu Hause.“

Ihr Vater Herbert, seit 41 Jahren Inhaber des Geschäftes, bestätigt das. „Aber wir merken, dass die Menschen lieber auf den Wochenmarkt als in die Supermärkte gehen. Das hilft uns natürlich sehr. Eine große Veränderung der Kundenzahlen können wir nicht feststellen.“ Dass wegen der Corona-Pandemie kein Verzehr von Backfisch direkt am Marktstand möglich ist, spüren die Irmlers schon. „Diese Einnahme fehlt natürlich“, sagt Herbert Irmler.

Als Marktsprecher weiß er, dass auch seine Kolleginnen und Kollegen auf dem Wochenmarkt sehr wenig Probleme mit der Kundschaft haben. „Die Kunden sind alle sehr diszipliniert“, berichtet er. „Und wenn es mal sehr selten Probleme gibt – zumeist wegen mangelnden Abstands –, dann regeln das die Kunden schon untereinander. Eingreifen müssen wir so gut wie nie.“ 

Herbert und Tochter Tanja Irmler sowie Aushilfe Valdete Ejupi spüren am Fischstand, dass kein Direktverzehr von Backfisch möglich ist.

Simone Wallbrecher von der Fleischerei Kriegels aus Hückeswagen kann ebenfalls auf eine konstante Kundenzahl verweisen. „Die Kunden, die wegen Corona oder des Wetters fernbleiben, werden von denjenigen ausgeglichen, die nun vermehrt wieder selber kochen, weil ja die Restaurants geschlossen sind.“

Der Marktstand der Fleischerei verzeichnet vermehrte Nachfrage nach Rinderfleisch für Suppen, Gulasch, Schnitzel und Koteletts. Simone Wallbrecher und ihre Mitarbeiterinnen sind nicht unzufrieden mit dem Kundenaufkommen in diesen Zeiten.

Der Verzehr an den Standtischen fehlt den Händlern

Ähnliches erzählt Birgit Eppels, Inhaberin des Keksladens, die auf dem Wochenmarkt selbsthergestelltes Gebäck anbietet: Spekulatius, Berliner Brot, Plätzchen in vielen Formen und Größen. „Wir merken deutlich, dass der Real nicht mehr da ist“, erzählt sie und deutet mit dem Kinn hin zum Allee-Center. „Auf dem Wochenmarkt sind mehr Leute unterwegs. Natürlich backen vornehmlich jüngere Kunden jetzt auch schonmal zu Hause. Aber was man nicht so einfach selber machen kann, Spekulatius zum Beispiel, das wird dann gerne bei mir am Stand gekauft.“

Auch ihr fehlt der Verzehr an den Stehtischen, die in normalen Zeiten ihren Marktstand umringen und jetzt natürlich fehlen. „Waffelverkauf ist möglich“, weiß die Remscheiderin, „aber eine Waffel im Gehen zu essen, ist ja auch nicht so prickelnd.“ Und ihr fehlen die Weihnachtsmärkte, die einen deutlichen Anteil an ihrem Umsatz ausmachen. „Aber ich will nicht meckern“, sagt die Inhaberin des Keksladens, „in anderen Städten sind die Gegebenheiten deutlich schlimmer als hier in Remscheid. Wir“, und sie wirft einen den ganzen Markt umfassenden Blick in die Runde der ein Dutzend Händler, „sind einfach froh und glücklich, dass wir überhaupt arbeiten dürfen.“

Wochenmärkte

Auf den sechs Remscheider Wochenmärkten sind Maskenpflicht und Abstand halten obligatorisch. In der Weihnachtswoche werden keine Märkte ab Heiligabend stattfinden. Ob die Märkte am 2. Januar öffnen, ist noch nicht geklärt.

Auch Hofläden boomen in der Krise. 

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