Meine erste Platte

Lieder von Hannes Wader berühren sie heute noch

Brigitte Neff-Wetzel hat eine Vorliebe für die deutschen Liedermacher wie Hannes Wader, dessen Lieder sie auch heute noch gerne hört. Foto: Roland Keusch
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Brigitte Neff-Wetzel hat eine Vorliebe für die deutschen Liedermacher wie Hannes Wader, dessen Lieder sie auch heute noch gerne hört.

Brigitte Neff-Wetzel wünschte sich als 13-Jährige zum Geburtstag „Ganz in Weiß“ von Roy Black.

Von Peter Klohs

Remscheid. „Meine erste Platte“, seufzt Brigitte Neff-Wetzel, „ach Gott.“ Fast scheint sie peinlich berührt zu sein, aber dann lacht sie. „Ich war 13 Jahre alt“, erzählt sie „Es muss also 1966 gewesen sein, und ich hatte mir zum Geburtstag ‚Ganz in Weiß’ von Roy Black gewünscht. Ich weiß gar nicht mehr, warum eigentlich. Wie auch immer: Meine Schwester, die ein paar Jahre älter als ich ist, schenkte sie mir.“ Aber heute ist sie gar nicht traurig darüber, dass sie selbst diese Single nicht mehr besitzt. „Na, Gott sei Dank hat sich mein Musikgeschmack auch schnell geändert. Ich kann mit Schlager so gar nichts anfangen. Und manche sind auch richtig furchtbar.“

Ein paar Jahre nach diesem heute ungeliebten Geschenk hatten die Liedermacher ihre große Zeit: Franz Josef Degenhardt mit den Schmuddelkindern, Hannes Wader, Konstantin Wecker. Aber auch Bob Dylan, der auch gerade groß herauskam. „The times they are a changin und so. Damals war es völlig normal für mich, die Konzentration auf die Texte zu legen“, berichtet Neff-Wetzel, „die sagten doch etwas aus, die regten zum Nachdenken an.“

Und sie gibt leichten Herzens zu, dass diese Texte sie auch politisch geprägt haben. Wenn man weiß, dass Brigitte Neff-Wetzel die Fraktionsvorsitzende der Partei Die Linke im Remscheider Stadtrat ist, kommt das wenig überraschend. „Die Liebe zu den Liedermachern, zu ihrer Musik und ihren Texten, hat sich bis heute gehalten.“

Die ehemalige Sonderschullehrerin wuchs in einem sportlichen Haushalt auf. Ihr Vater war Handballspieler, sie selbst war der Leichtathletik verbunden und zumeist auf den Mittelstrecken unterwegs. „Leider wurde Kultur und Kunst in der Familie nicht gefördert“, erinnert sie sich. „Aber diskutiert wurde schon. Schließlich war meine Familie nicht ausschließlich sportlich, sondern auch politisch. Und es hat mir nie gefehlt, dass ich kein Musikinstrument beherrsche.“

Brigitte Neff-Wetzel erinnert sich gut an die Zeit vor ihrem Studium. „Andere Mädchen schwärmten von Scott McKenzie, ich hörte Hannes Wader.“ Und während des Studiums in Köln, das war 1974 bis 1980, war es völlig normal, solche Musik zu hören. „Die Studenten hörten die Liedermacher rauf und runter.“

Ihre erste „ordentliche“ Platte war wohl von Hannes Wader. Sie kaufte sie in Remscheid, aber wo, das weiß sie heute nicht mehr. Beim Anblick des Covers der mitgebrachten LP kommt sie direkt ins Schwärmen. „Aber ich hörte auch andere Musik“, berichtet die Politikerin. „Wir gingen damals auch in Discos, und ich weiß noch, dass ich die Rolling Stones immer lieber mochte als die Beatles. Leider habe ich die nie live gesehen. Und jetzt werde ich das auch nicht mehr erleben. Nach dem Tod von Charly Watts werden die wohl nicht mehr touren.“

Dafür war sie Augen- und Ohrenzeugin vom in die deutsche Geschichte eingegangenen Konzert von Wolf Biermann, das am 13. November 1976 in Köln stattfand und zur Ausbürgerung des Musikers aus der DDR führte. Aber bei den Stones hört es für sie härte- und lautstärkenmäßig auch fast schon auf.

Heavy Metal erträgt sie wegen der Bässe nicht

Obwohl sie sich leicht auf andere Musik einlassen kann, ist für sie auch manche Grenze klar. „Heavy Metal kann ich wegen der Bässe nicht ertragen“, gesteht sie, „Schlager nicht wegen des fehlenden musikalischen und textlichen Gehalts, dafür geht aber Rap, wo einige unterschätzte Texter unterwegs sind. Die neue deutsche Popmusik geht auch, langweilt mich aber schnell. Dann lieber Klassik, und hier besonders Beethoven.“

Auch Amy Winehouse, die 2011 verstorbene Soul- und Jazzsängerin, schätzt Neff-Wetzel. Wenn sie einmal etwas Zeit übrig hat, kann sie sich gut in einen Sessel setzen und eine CD von Hannes Wader anhören. Die Texte berühren sie. Mit dem Streamen von Musik hat sie sich noch nicht befasst.

Wie schön. Am Ende müssen wir unsere Serie noch umbenennen: mein erster Stream. Ach nein, lieber nicht.

Hintergrund

Brigitte Neff-Wetzel hat keine Langspielplatten und auch keinen Plattenspieler mehr. Kaum habe ich die mitgebrachten LPs auf den Tisch gelegt, muss sie sie anfassen, berühren und genau ansehen. „Jetzt bereue ich es“, gibt sie dann zu.

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