Mein Leben als Papa

Hannes und Michel: Es dauert ein bisschen, dann dudeln alle Heidlerchen vor Fröhlichkeit

Sechs Kilometer durch die Heide – und Mama und Papa kommen kaum hinterher. Foto: gf
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Sechs Kilometer durch die Heide – und Mama und Papa kommen kaum hinterher.
  • Gunnar Freudenberg
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RGA-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (5) und Michel (3).

„Papa“, meldete sich Hannes viel zu spät noch einmal bei mir, als ich ihn längst in Morpheus’ Armen vermutet hatte. „Ich bin zu aufgeregt. Ich kann nicht schlafen.“ Vorfreude, aber auch jede Menge Nervosität schwang in seinen Worten mit. Mir ging es nicht viel anders. Unser erster gemeinsamer Urlaub zu viert stand an. Eine Woche Lüneburger Heide. Auf dem Bauernhof. Nur gut drei Stunden Fahrt. Wird schön.

Von der Vorfreude ist schon am Kamener Kreuz nicht mehr viel übrig. Es regnet ohne Unterlass und die Jungs hätten gerne gewusst, wie lange es denn jetzt wohl noch dauern möge. Zwei Hörbücher, einen Sitztausch und ein kleines Nickerchen später kommen wir aber auf dem Bauernhof an. Es regnet immer noch. Michel hat Angst vor dem großen Hofhund Franky und möchte abends auf keinen Fall in diesem fremden Bett übernachten. Hannes kann nicht verstehen, warum er im Regen nicht mit dem riesigen Kettcar vorm Haus fahren darf.

Während Hannes und Michel fernsehen dürfen, plane ich mit der Mama die nächsten Tage. Wie in einer Morgenkonferenz mit den Kollegen. Gedanklich bin ich wohl noch mehr in der Redaktion als im Urlaub. Erst mal ankommen. Und morgen, ja, morgen fängt der Urlaub so richtig an.

Tatsächlich ist das Wetter viel besser, als wir nach kurzer Fahrt aus dem Auto aussteigen und auf die Heide blicken, die in voller Blüte steht. Auch Hannes und Michel gucken begeistern auf das satte Lila und staunen. Unser eigentliches Ziel, das Pietzmoor, und der lange Weg dorthin gefallen ihnen aber gar nicht. Es wird genörgelt, was das Zeug hält. Es hat keinen Sinn. Abbruch, zurück zum Hof. Dort schwinge ich mich auf eines der Riesen-Kettcars und erkunde mit den Jungs unsere schöne Unterkunft. Zwischen den Katzen, Ziegen und Kälbchen, die sich alle streicheln lassen, steigt die Stimmung bei allen sofort. „Im Urlaub muss nichts durchgeplant werden. Lassen wir uns einfach treiben“, bekomme ich auf dem Kettcar strampelnd allmählich den richtigen Durchblick.

Gunnar Freudenberg

„Knaaarzzz!“, macht es plötzlich. Meine Brille ist mir aus der Hosentasche gefallen und ich bin drüber gefahren. Totalschaden. Ich nehme es entspannt zur Kenntnis. Wollte eh eine neue. Ich bin im Urlaub angekommen und behalte den Durchblick.

Die nächsten Tage haben die Kinder fast nichts mehr zu meckern. Es geht in den Ritter- Rost-Freizeitpark mit allem, was Kinderherzen höherschlagen lässt. Auf den Wasserspielplatz. Und in den Wildpark mit Baumwipfelpfad und Greifvogel-Show. Und auf einmal wird auch beim Spaziergang durch die Heide nicht mehr genörgelt. Wobei nur die Eltern spazieren und Hannes und Michel mit Fahr- und Laufrad vergnügt die sechs Kilometer zurücklegen. „Alle Heidlerchen dudeln vor Fröhlichkeit“, würde ich in mein Tagebuch schreiben, wäre ich Hermann Löns. Michel drückt es anders aus: „Ich mag die Burger Heide“. Und damit meint er nicht die Mitarbeiterin von McDonalds. Zur Ruhe kommen wir zwischen den Ausflügen immer wieder auf „unserem“ Bauernhof. Vor allem bei den Kälbchen Henry und Hannes II, wie sie getauft wurden. Und bei Hund Franky, den Michel inzwischen sogar streichelt. Dass ich mit dem Kettcar kurz vor der Rückfahrt auch noch über mein Handy fahre, schockt mich nicht mehr.

Urlaub mit Kindern ist anders, aber erholsam, wenn man auf ihre Bedürfnisse eingeht. Hannes und Michel werden jedenfalls ganz wehmütig, wenn sie in ihre Fotobücher mit den Urlaubsbildern schauen. Und auch ich werde gerne dran erinnert. Beim Blick in den Spiegel und auf mein verkratztes Handy.

In der vergangenen Woche war der Kollege mit dem orangefarbenen Helm zu Besuch bei Hannes und Michel.

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