Mein Leben als Papa

Mein Leben als Papa: Das Aquarium sorgt immer noch für Tränen, Streit und vor allem Spaß

Lieblingsfisch Wolfi ist immer noch dabei. Allerdings nur noch auf einem Foto, nicht mehr im Wasser. Foto: gf
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Lieblingsfisch Wolfi ist immer noch dabei. Allerdings nur noch auf einem Foto, nicht mehr im Wasser.
  • Gunnar Freudenberg
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RGA-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (5) und Michel (2).

Remscheid. Ich gebe zu: Kurz hatte ich die Idee, einen neuen Fisch für unser Aquarium zu kaufen und darauf zu setzen, dass Hannes den Unterschied nicht bemerkt. Bei einem Platy hätte das funktionieren können. Ist ja kein Hund oder eine Katze. Wolfi, wie er getauft wurde, war für Hannes aber ein besonderes Tier. Der „Boss im Aquarium“. Nur ging es dem Boss schon länger nicht mehr so gut. Abgemagert und mit Rückgrat-Verkrümmung taumelte er unübersehbar seinem Ende entgegen. Also bereitete ich keine heimliche Austauschaktion, sondern Hannes lieber auf Wolfis bevorstehendes Ableben vor.

Traurig bat Hannes am Abend noch um ein paar Fotos von seinem Lieblingsfisch und verdrückte morgens ein paar Tränchen, als Wolfi wirklich tot auf dem Boden lag. Jetzt liegt er verbuddelt in der Ecke unseres Gartens. Unter Steinen und Brettern, die Hannes und Michel extra bemalten. Nach einer standesgemäßen Beerdigung.

Etwas mehr als ein Jahr lang steht das Aquarium jetzt in Hannes’ Kinderzimmer. Dass ein toter Fisch solch eine Welle auslöst, zeigt mir, dass meine damaligen Sorgen unbegründet waren, diese Anschaffung könnte bei den Jungs schnell an Reiz verlieren. Im Gegenteil: Das Aquarium steht bei ihnen immer noch hoch im Kurs.

Wolfi, übrigens ein Weibchen und von uns gendermäßig von Anfang an falsch vermännlicht, hatte daran einen großen Anteil. Denn Wolfi und die vier anderen Platys, die wir zum Start ins Wasser ließen, nahmen das Motto „Seid fruchtbar und mehret euch!“ ziemlich ernst. Im 60-Liter-Becken wimmelt es nur so von Nachkommen in den wunderschönsten Farben. Goldie, orange und eindeutig ein Baby von Wolfi, ist Hannes’ neuer Liebling: „Er ist jetzt der Boss.“ Und wir warten mal ab, ob Goldie nicht auch ein Weibchen ist.

Gunnar Freudenberg

Michel interessieren andere Dinge mehr. Es kann sein, dass er mitten im Spiel zum Aquarium rennt und mich ruft: „Boah, guck mal, Papa! Der da hat einen Riesenfaden.“ Tatsächlich hängen manchmal Kotfäden an den Platys. Meistens ein Zeichen für „Vollgefressen“ – was ab und zu vorkommt, wenn Hannes und Michel sich abends nicht einigen können, wer die Fische füttern darf.

Manchmal streiten sie sich auch um den Reinigungsmagneten, mit dem es wirklich Spaß macht, die Scheiben sauber zu wischen. Die Fische versammeln sich dann irritiert vor der Scheibe und ich frage mich: Wer guckt hier eigentlich wen an? Alles in allem hat das Becken aber nach wie vor eine beruhigende Wirkung auf mich, meine Frau und die Jungs. Wenn wir uns auf die Suche nach den neuen Garnelen machen zum Beispiel. Und ihnen nach dem Aufspüren dabei zusehen, wie sie die Algen bekämpfen, die nicht die Scheibe verschmutzen. Oder wenn zwei Schnecken an derselben Glasscheibe kleben. „Schneckenrennen“, ruft Hannes dann und alle schauen gebannt dabei zu, wer das Ende der Scheibe zuerst erreicht hat. Das kann dauern.

Ich bin gespannt, wie lange die Jungs noch Freude am Aquarium haben werden. Wenn sie nach mir kommen, noch ziemlich lange. In meinem Zimmer stand es, bis ich bei meinen Eltern ausgezogen bin. . .

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