Mein Blick auf die Woche

Stellungsbefehl spielt Querdenkern in die Hände

axel.richter @rga.de
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In der Omikron-Welle hat das Gesundheitsamt anderes zu tun als kuschelige Elternbriefe aufzusetzen. Trotzdem dürfen sich die Quarantäne-Briefe an betroffene Familien nicht lesen wie ein Stellungsbefehl, findet RGA-Lokalchef Axel Richter. So etwas spielt Querdenkern und Co. nur in die Hände.

Remscheid. Gewiss: In der Omikron-Welle hat das Gesundheitsamt anderes zu tun, als kuschelige Quarantänebriefe aufzusetzen. Davor hätte die Wortwahl aber überdacht werden können, mit der sich die Stadt an die Eltern infizierter Kinder wendet. Dass die behördlichen Anordnungen gleichsam im Kasernenton vermittelt werden, ist wenig sensibel. Und lässt sich auch nicht mit dem Hinweis auf Rechtssicherheit entschuldigen. Denn auch was rechtssicher ist, muss nicht unverständlich sein. Schon gar nicht muss es Angst machen.

So aber spielt das vierseitige Schriftstück im Behördenjargon nur jenen in die Hände, die donnerstags durch Remscheid zogen: Menschen, die den Staat schon lange im Verdacht haben, ihnen nur übel mitspielen zu wollen. Die von „die da oben“ reden, wenn Politiker, Wissenschaftler und Medienschaffende gemeint sind. Die in ihrer Wahrnehmungsblase nur das glauben, was sie glauben wollen. Die überall Bösartigkeit und Verschwörung wittern und die am Ende auch mit Nazis und anderem schlechten Umgang durch die Straßen ziehen, um gegen eine Corona-Diktatur zu demonstrieren.

Wenn das, was wir in unserem Land erleben, eine Diktatur wäre, dann wäre es freilich eine verdammt schlechte Diktatur. Anderenfalls würden nämlich schwarze Autos vorfahren, die die selbst ernannten Widerständler festnehmen und für immer verschwinden lassen, wie es in Diktaturen so üblich ist.

Tatsächlich sind Widerspruch und Gegenargumente alles, was Quatschdenker und Co. in Deutschland fürchten müssen. So wie in der Alten Bismarckstraße, wo sich drei Remscheider den Protestierenden mit einem Kaffeekränzchen in den Weg stellten. Weil das zuvor bei der Polizei angemeldet war, sahen sich die Corona-Marschierer dazu veranlasst, einen anderen Weg einzuschlagen. Aus dem Kneipenviertel mussten sie draußen bleiben. Die Drei von der Alten Bismarckstraße hatten ihr Ziel damit erreicht. Friedlich, entschieden. Und echt cool.

Das Beispiel könnte Schule machen. Muss es aber nicht, denn Fakt ist auch: Während einige hundert Demonstranten durch Remscheid zogen, übrigens viele davon aus anderen Städten, ließen sich bis heute 76 000 Remscheider zum zweiten Mal und 46 000 Remscheider zum dritten Mal impfen. Wir haben es also mit einer lauten Minderheit zu tun.

Allerdings sollten wir auch alles dafür tun, dass es bei einer Minderheit bleibt. Dazu gehört eine klare, aber sensible Kommunikation. Mit Quarantänebriefen, die Eltern an die Hand nehmen. Und sich nicht lesen wie ein Stellungsbefehl.

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