Mein Blick auf die Woche

Lieber Kerzen anzünden als Fackeln vor den Häusern

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Das Weihnachtsfest 2021 hatten sich alle ein wenig anders vorgestellt. Ohne Corona, mit der ganzen Familie, so vielen Freunden wie möglich und ganz viel Freude. Chefredakteur Stefan M. Kob versucht im Wochenkommentar zu erklären, wieso daraus nichts geworden ist. Und wie alle am Weihnachtsfest mehr Freude als Streit erleben können.

Remscheid Das hatten wir uns alle anders vorgestellt. Das vergangene Weihnachtsfest im Lockdown mit geplatzten Firmen- und Familienfeiern sollte im schlechtesten Wortsinn einmalig bleiben: Die Impfwelle baute sich gerade auf und mit ihr die Hoffnung, dass die Menschheit dieses neuartige Virus wenn schon nicht besiegen, so doch wenigstens beherrschen könnte. Diesmal noch die Zähne zusammenbeißen, noch einmal durchhalten, Kontakte vermeiden, dann dürfen wir mit Zuversicht in die Zukunft schauen. Pustekuchen. Es kommt schlimmer als zuvor: Die Inzidenzen hoch wie nie, hinter der sich brechenden vierten Welle rollte der Omikron-Tsunami auf uns zu, die Impfkampagne lahmt, die Kliniken schlagen Alarm, das Pflegepersonal ist mit Nerven und Kräften am Ende - der nächste Lockdown dürfte schneller kommen als der Christbaum abgetakelt ist. Wie kann das alles sein? 

In unserem Corona-Blog finden Sie alle Entwicklungen rund um das Coronavirus.

Nun, zuallererst ist es global nicht gelungen, die Welt gerecht und schnell mit Impfstoff zu versorgen. Wie von den Virologen vorhergesagt, feiern die Mutanten Party und die schnellsten, besten und wirkungsvollsten setzen ihren Siegeszug um den Erdball fort. Der Wettlauf zwischen Viren und Vakzinen gleicht fatal der Fabel vom Hasen und Igel. 

 Und lokal ist es uns nicht gelungen, das Vertrauen in die Wirksamkeit und Verträglichkeit der Impfstoffe herzustellen - und damit die Chance zu wahren, die gesamte deutsche Herde zu immunisieren. Im Gegenteil: Der Graben wird immer tiefer zwischen denjenigen, die meinen, der Staat wolle uns alle schützen, und denjenigen, die glauben, der Staat wolle uns allen schaden. Die einen sehen ausschließlich im lückenlosen Impfen die Rettung aus der Krise, die anderen lehnen es aus den verschiedensten Gründen standhaft ab, sich die Segnungen der modernen Medizin injizieren zu lassen. Die eine Seite will Recht haben, weil sie die Mehrheit und die Wissenschaft auf ihrer Seite weiß. Die andere, weil sie sich bedrängt fühlt und ihre Zweifel aus Quellen schöpft, die die Seriosität der Mächtigen, der Medizin, der Medien erodieren.  

Der Mangel an Vertrauen nährt sich auch aus einem staatlichen Corona-Regime, das in Teilen alles andere als konsequent und verständlich ist. Schwere Versäumnisse wechseln sich ab mit sinnlosen Verboten und schwer nachvollziehbaren Regeln. Die Kommunikation ist eine Katastrophe, der föderale Flickenteppich verwirrt, wichtige Daten fehlen oder sind schwer überprüfbar, wie die Zahl der Geimpften und Ungeimpften in den Kliniken.

Daher ist es dringend Zeit, dass beide Lager innehalten und verbal abrüsten. Denn der Streit, in dem keine Seite mehr mit sachlichen Argumenten durchdringt, kennt nur Verlierer. Je höher der Druck steigt, so deutlicher wächst die Gefahr, dass uns unsere gesamte freiheitlich-demokratische Verfassung um die Ohren fliegt. Dieser Schaden wäre katastrophaler als ihn die schlimmste Mutante anrichten könnte. Kein Wunder, dass diejenigen Kräfte, die genau darauf abzielen, hier ihre Chance auf Erfolg wittern. Das war schon bei der erbittert geführten Asyldiskussion so, das ist jetzt beim Corona wieder der Fall. 

Die Spaltungs- und Radikalisierungstendenzen sind nicht mehr zu leugnen. Jeder und jede hat inzwischen die Erfahrung gemacht, dass wegen des C-Themas Kollegen auf Abstand gehen, Freundschaften zerbrechen, Familien verstummen, Tränen fließen. Gerade in der   Weihnachtszeit könnte Innehalten gelingen, weil dem Fest die Sehnsucht nach Frieden, Freude, Verständnis, Versöhnung, Nächstenliebe geradezu innewohnt. Lasst uns lieber Kerzen am Baum entzünden als Fackeln vor Politiker-Häusern. 

Ob der am Montag freigegebene Totimpfstoff eine Brücke über die tiefen Gräben bauen kann, wird abzuwarten sein. Ein schönes Weihnachtsgeschenk ist die Zulassung allemal. 

Was es sonst noch in dieser Woche gab

2022 gibt es viele Projekte in Remscheid: Unter anderem wird das ehemalige Schulgelände Eisernstein zum Wohngebiet.

Autobranche ist erschüttert: „Etwas Vergleichbares gab es noch nie“

Sparkasse nimmt fehlerhafte Kündigungen zurück

Das Freibad Eschbachtal wird 2022 umgebaut. Vorher wird es aber noch eine Saison im „alten“ Bad geben.

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