Mein Blick auf die Woche

Fahrradstraße und Luftpumpenstationen, aber der Westen wird abgekoppelt

axel.richter@rga.de
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In Remscheid kämpfen Politiker für eine Fahrradstraße und öffentliche Selbstbedienungs-Fahrrad-Luftpumpenstationen. Zugleich sehen die meisten von ihnen achselzuckend zu, wie der komplette Remscheider Westen von einem besseren Zugverkehr abgekoppelt wird. Moderne Verkehrspolitik und Klimaschutz gehen anders, findet RGA-Lokalchef Axel Richter.

Remscheid. Es fährt zwar kein Direktzug von Güldenwerth nach Düsseldorf, dafür können wir absehbar mit dem Fahrrad von der Engelsburg zur Kräwinklerbrücke durchs Feldbachtal radeln. Wie bitte? Sie, agile Leserin, mobiler Leser, meinen, das können wir gefahrlos auch heute schon? Da haben Sie recht. Nicht aber auf einer Fahrradstraße.

Auf dieser modernen Errungenschaft der Straßenverkehrsordnung haben Radfahrer Vorrang. Sie dürfen nebeneinander fahren und nicht überholt werden, wenn es zu eng wird. Die Landwirte im Feldbachtal fürchten, mit ihren breiten Erntemaschinen hinter den Freizeitradlern herzuckeln zu müssen.

Die Lenneper Kommunalpolitiker sagten in dieser Woche deshalb mehrheitlich nein zu der Verkehrswende-Idee der Ampelfraktionen im Remscheider Rathaus. Kommen dürfte die Fahrradstraße dennoch. Allen voran die Grünen wollen damit den Radverkehr fördern. Und nicht nur damit. Die Stadt hat sich ein Radverkehrskonzept gegeben, das die Verwaltung in den nächsten 10 bis 15 Jahren abarbeitet. Der rote Flickenteppich hier und da am Straßenrand ist ein Ergebnis davon. Weitere Radwege sollen hinzukommen. Dazu etwas, das es schon heute verdient, als Remscheider Unwort des Jahres 2022 gehandelt zu werden: öffentliche Selbstbedienungs-Fahrrad-Luftpumpenstationen.

Nein, es ist nicht der 1. April. Der war gestern. Als Scherz ist nur zu begreifen, was ein Leserbriefschreiber dem RGA in dieser Woche vorschlug: Die Stadt Remscheid möge doch auch gleich noch einen Menschen danebenstellen, der pumpt.

Aber Spaß beiseite: Was die Luftpumpen mit Bodenverankerung für Radfahrer mit Plattfuß den Steuerzahler kosten, berichtet die Stadt nicht. Teurer als jede Luftpumpe am Fahrradrahmen dürften sie allerdings ausfallen. Und eben das sorgt für nachvollziehbares Unverständnis.

Den Bürgerinnen und Bürgern ist es nicht zu vermitteln, dass die Parteien auf der einen Seite klimaneutrale Mobilität auf Freizeitstrecken fördern. Dass sie auf der anderen Seite aber mit Ausnahme der FDP-Fraktion mehr oder minder achselzuckend hinnehmen, dass der komplette Remscheider Westen von einer längst überfälligen Verbesserung des Zugverkehrs abgekoppelt wird.

Nichts anderes geschieht Ende des Jahres am Bahnhof Güldenwerth. Der ist aus Sicht des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr nämlich eine „Milchkanne“ und soll deshalb nicht von dem neuen Direktzug angefahren werden, der zukünftig zwischen Remscheid und Düsseldorf verkehrt. Zudem: Mit dem neuen Regionalexpress 47 sollen auch die Verstärkerfahrten auf den Linien S 1 und S 7 wegfallen. Einen Vorgeschmack darauf liefert gerade das Unternehmen Vias, das den Betrieb des Müngsteners übernommen hat. Der frühe Direktzug ab 8 Uhr ist vorläufig gestrichen.

Eine Fahrradstraße, die keiner braucht, und Züge, die nicht fahren: Deshalb steigt kein Pendler auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel um. Liebe Rathausampel: Klimaschutz geht anders.
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