Mein Blick auf die Woche in Remscheid

Der Weg zur digitalen Stadt ist noch steinig und schwer

Kommentar Stefan Kob
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Nichts geht mehr ohne Digitalisierung. Auch in Remscheid nicht. Wir alle müssen mit der Zeit gehen, dürfen jedoch ältere Generationen nicht alleine lassen, meint Chefredakteur Stefan Kob.

Dem einen ist sie viel zu schnell, dem anderen kann sie gar nicht schnell genug gehen. So unterschiedlich die Meinung zum Tempo der Digitalisierung ist, so eindeutig steht die Gewissheit: Sie bestimmt unser Leben in einem Ausmaß, das sich niemand vor wenigen Jahrzehnten vorstellen konnte, als die PC-Festplatte das Laufen lernte. Ohne digitale Technologie fährt kein Zug und kein Auto, kein Kraftwerk liefert Strom, keine Supermarktkasse verarbeitet Preise.

Für viele ist ihr Smartphone zum unverzichtbaren Lebensmittelpunkt geworden. Dass man ein Telefon nur zum Telefonieren nutzte, ist gerade einmal 15 Jahre her. Heute ist die Telefon-App eine Funktion unter vielen, bei vielen wahrscheinlich eher die unwichtigste. Kontostand checken, Tisch reservieren, Fahrplan studieren, Urlaubsbilder austauschen, Haushaltsgeräte steuern, navigieren, kommunizieren, Mails checken, Termine planen, Musik hören, Filme gucken - für den einen sind das gerade mal die Basics, für andere böhmische Dörfer.

In diesem digitalen Dilemma steckt auch das Rathaus, an dessen Wänden häufig die Digitalisierungswelle abprallte. Jahrelange Vorbereitungen und zahlreiche Nachfragen aus der Ortspolitik waren in Remscheid nötig, bis der neue Internetauftritt der Verwaltung endlich im August 2021 an den Start gehen konnte.

Natürlich will und muss die Stadtverwaltung mit der Zeit gehen. Auch um Kosten zu sparen, ist es sinnvoll, Behördengänge für Standardprozesse online zu erledigen. Übrigens für beide Seiten. Eine gute Projektidee ist auch die digitale Bürgerbeteiligungsplattform, an der die Stadt derzeit arbeitet. Über dieses neue Internetangebot sollen die Bürger mitsprechen können, wenn es zum Beispiel um die Nachfolgeprojekte des gescheiterten DOC geht.

Dabei sind die technischen Prozesse das eine, Datensicherheit und rechtskräftiges Dokumentenmanagement etwas anderes. Deshalb kann das eine oder andere ehrgeizige Projekt noch etwas dauern. Allerdings - siehe oben: Nicht jeder und jede fühlt sich im digitalen Dschungel sicher. Hier darf man insbesondere die ältere Generation nicht zurücklassen. Nicht jeder verfügt über hilfsbereite Enkel, die zur Stelle sind, wenn Opa mal wieder das Internet kaputt gemacht hat. 

Noch wichtiger, um nicht zu sagen überlebenswichtig, ist das Thema Digitalisierung für die Unternehmen. Wer hier nicht mit der Zeit geht, wird mit der Zeit gehen. Das gilt selbst für klassische Industrieprodukte wie etwa die Messerherstellung. Ohne chipgesteuerte Roboter wäre Wüsthof oder Zwilling längst nicht in die Weltklasse aufgestiegen und würde sich dort behaupten können.

Oder ein Industrieschwergewicht wie Dirostahl, das Teile bis 35 Tonnen schmieden kann: Ohne prozessorgesteuerte Anlagen und hochtechnisierte Prüflabore käme es nicht über die Runden. Aber gilt das auch für den einfachen Handwerksbetrieb? Braucht ein Gebäudedienstleister Sensoren in den Dachrinnen der Kunden, die melden, wenn sie gereinigt werden wollen? Wer das für ferne Zukunftsmusik hält, sollte sich noch einmal die Entwicklung der letzten 15 Jahre vergegenwärtigen. 

Da gibt es auch noch gute Nachrichten für alle Zweifler und Bedenkenträger: Die Bergische Universität, die in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiert, will aus der Bergischen Region ein “Digital Valley” machen und öffnet ihre Türen für kooperationswillige und ratsuchende Unternehmer noch weiter als ohnehin schon. Mit dem Projekt “Divabre” (Digital Valley Bergische Region) soll die Digitale Transformation des Mittelstands unterstützt werden.

Und dem Team um Projektleiter Richard Meyes käme so ein Dachrinnenfall sehr willkommen. Denn obwohl unter der Leitung des scheidenden Uni-Rektors Lambert T. Koch das Miteinander von Wirtschaft und Hochschule völlig neue Dimensionen erreicht hat, ist die Hemmschwelle für viele Firmen offensichtlich noch hoch. Eine Tradition, wie sie zwischen Unternehmen und der RWTH Aachen gelebt wird, muss erst noch wachsen. Wenn man in die Städteregion Aachen schaut, sieht man, dass dies für beide Seiten enorme Chancen bietet. Dass ein Großteil des Wuppertaler Projektteams vorher genau dort gearbeitet hat, muss nicht das schlechteste Vorzeichen sein.

Unsere Themen in dieser Woche: 

Das neue Berufskolleg nimmt in Windeseile Formen an und wird nach den Sommerferien am Hauptbahnhof 1400 jungen Menschen hochmoderne Unterrichtsbedingungen bieten.

Die Terrassen auf der Alten Bismarckstraße sind fertig. Fünf Gaststätten setzen dort auf Außengastronomie.

Die Menschen in Remscheid und Umgebung wieder auf Großveranstaltungen freuen - vom Weinfest bis zum Löwenfestival, von der Schützenkirmes bis zum Lenneper Sommer wollen die Gastgeber 2022 für viel Abwechslung sorgen.  

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