Mein Blick auf die Woche in Remscheid

Billig-Ticket hilft keinem, wenn der Bus nicht kommt

axel.richter@rga.de
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Remscheid ist eine Autostadt. Ach, was?, sagen Sie. Ja, gewiss: So etwas kann man wissen. Die Stadt Remscheid lässt sich den Umstand, dass ihre Bürgerinnen und Bürger vor allem mit dem Auto unterwegs sind, dennoch in einer mutmaßlich nicht ganz billigen Studie nachweisen. Und jetzt? Ändert sich nichts, schätzt RGA-Lokalchef Axel Richter. Auch nicht durch das 9-Euro-Ticket. Denn das nutzt nichts, wenn am Ende der Bus nicht kommt.

Remscheid. Remscheid ist eine Autostadt. Das kann man wissen, doch haben es Politik und Verwaltung die Information dank einer Haushaltsbefragung zur Mobilität in Remscheid seit dieser Woche schwarz auf weiß. Danach entfallen mehr als zwei Drittel aller Fahrten auf das Auto oder Zweirad, nur jeder zehnte fährt Bus und Bahn und nur 3 Prozent nutzen das Fahrrad.

Dafür gibt es nachvollziehbare Gründe. Wer sich mit dem Rad auf Remscheids Straßen traut, den beschleicht leicht die Angst, vom nächsten 40-Tonner zermalmt zu werden. Und der Öffentliche Personennahverkehr ist schlicht unattraktiv.

Dafür sorgen lange Taktzeiten sowie undurchschaubare Tarife und Preiszonen. Vor allem aber wird der Reisende beständig von der Sorge begleitet, an Haltestellen und Bahnhöfen stehen gelassen zu werden, weil die Bahn Verspätung hat und der Bus gar nicht erst kommt.

In Remscheid ist der Bus, der nicht kommt, längst wahrscheinlicher geworden als der Bus, der kommt. Dagegen suggeriert das Auto Freiheit, Verlässlichkeit, Unabhängigkeit. Wundert sich da wer, dass die Remscheider darauf setzen?

Um die Autofahrer zu entlasten, hat sich die Bundesregierung den Tankrabatt einfallen lassen. Tatsächlich sanken die Preise für den Sprit am Mittwoch unter die 2-Euro-Marke. Mittlerweile ziehen sie wieder an, und die vom Steuerzahler teuer finanzierte Entlastung des Autofahrers verpufft nahezu wirkungslos.

Es profitiert dagegen die Mineralölindustrie. Die hält seit Wochen die Preise an den Zapfsäulen hoch, obwohl die Rohstoffpreise seit Mitte März stabil sind. Die Branche darf deshalb mit Fug und Recht zu den Kriegsgewinnern gezählt werden und wird nun noch mit dem Geld des Steuerzahlers gepampert.

Statt die Tankstellen zu stürmen, schmähten die Autofahrer den Rabatt am Mittwoch mit Zurückhaltung. Einen Run gibt es dagegen auf das 9-Euro-Ticket. Mehr als 12 000 Billig-Fahrscheine verkauften die Stadtwerke bis heute. Das macht sich allerdings (noch?) nicht in steigenden Fahrgastzahlen bemerkbar.

Das mag sich über Pfingsten bereits ändern. Dennoch spricht einiges dafür, dass das günstige Ticket vor allem von denen in Anspruch genommen wird, die ohnehin bereits mit Bus und Bahn unterwegs sind. Sie tauschen ihr teures Monatsticket gegen das Billig-Billet ein und erhalten den zusätzlichen Benefit, damit in ganz Deutschland fahren zu dürfen. Das freut eine zweite nicht geringe Nutzergruppe: Deutschlandurlauber, die im Sommer ohnehin vorhatten, Kurztrips mit dem Zug zu unternehmen.

Das ist alles prima und sei allen gegönnt. Nur führt das eben nicht dazu, dass mehr Menschen das Auto stehen lassen und für den Weg zur Arbeit auf Bus und Bahn umsteigen. Dazu bedarf es eines Angebotes, das eine ernsthafte Alternative zum Auto darstellt. Das heißt konkret: dass Busse und Bahnen aufeinander abgestimmt in kurzen Abständen fahren. Und vor allem: dass sie pünktlich und zuverlässig fahren. Solange das nicht der Fall ist, bleibt Remscheid vermutlich noch für sehr lange eine Autostadt Denn ein noch so günstiges Billig-Ticket hilft keinem, wenn am Ende der Bus nicht fährt.

Nach 30 Jahren: Im Herbst soll der Umbau der Kreuzung Eisernstein zum Kreisel beginnen.

Nach dem Burger: Müll rund um den Fastfood-Tempel bleibt ein Dauerärgernis.

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