Mehr Mut! Sonst gibt es bald nichts mehr zu öffnen

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Die Woche

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Von Axel Richter

Hatte Donald Trump am Ende doch recht? Wer weniger testet, hat auch weniger Befunde. So hieß zunächst sein Ansatz im Kampf gegen Corona. Natürlich lag der abgewählte US-Präsident damit falsch. Das zeigte sich spätestens, als die Kliniken die Kranken nicht mehr versorgen konnten und die Leichen in provisorischen Kühlhäusern gelagert werden mussten. Doch sind wir in unserem Land vor einer ähnlichen Selbsttäuschung gefeit?

Wer den Verlauf der Inzidenzwerte in den Nachbarstädten Remscheid und Solingen betrachtet, muss da so seine Zweifel bekommen. In der einen Großstadt sank die Zahl zwischenzeitlich unter 50, in der anderen Großstadt stieg sie dagegen zeitweise rasant auf mehr als 100 an. Kann das sein?

Ja, kann es. Und die Erklärung ist recht einfach: In Solingen werden mindestens doppelt so viele Tests vorgenommen wie in Remscheid. Wer das weiß und dann noch zwischen beiden Städten die Zahl der stationären Krankenhauspatienten und die Todesfälle vergleicht, dem liegt des Rätsels Lösung klar vor Augen: Die Zahlen sind nämlich in Relation zur Einwohnerzahl nahezu gleich hoch.

Wenn es aber offenbar darauf ankommt, welche Teststrategie in den Rathäusern gefahren wird – was ist dann von der Aussagekraft der bundesweiten Inzidenzzahl zu halten? Nach wie vor ist sie das Maß der Dinge, wenn es zum Beispiel darum geht, wann Gastronomen und Einzelhändler ihre Läden wieder öffnen dürfen.

Um solche buchstäblich lebenswichtigen Entscheidungen zu treffen, ist es höchste Zeit, einheitliche Teststandards zu schaffen und andere Entwicklungen stärker als bisher in die Überlegungen einzubeziehen – zum Beispiel die Auslastung der Kliniken.

Stattdessen? Verschärft die vermurkste Impfstrategie die Perspektivlosigkeit zusätzlich und lässt mittlerweile auch jene zweifeln, die bislang hinter dem Kurs der Regierung standen. Dass man immerhin bald wieder die Haare schön haben kann, macht die Sache nicht besser. Im Gegenteil. Während die Sorge um die eigene Existenz in Resignation und Wut mündet, wirkt das nur wie Hohn.

Die Politik muss mehr Mut beweisen und jenen in den Arm fallen, die, wie jetzt in Köln, über einen Inzidenzwert von 10 als Voraussetzung für Lockerungen fabulieren. Offenbar ist bei einigen noch nicht angekommen, dass es bald nichts mehr zu öffnen gibt, wenn man stumpf an einem Lockdown ohne jede Aussicht auf ein Ende festhält.

Experimentierfreude: Winterdienst prüft Einsatz von Gurkenwasser.

Parkplatz- nörgler: Auto- fahrer beschimpfen Einsatzkräfte am Impfzentrum.

axel.richter @rga-online.de

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