Volksbank-Damensymposium 2022

Meer verstehen und Plastik reduzieren

Dr. Frauke Bagusche möchte Menschen aller Altersklassen für die Wunder der Ozeane begeistern – und richtig informieren.
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Dr. Frauke Bagusche möchte Menschen aller Altersklassen für die Wunder der Ozeane begeistern – und richtig informieren.

Meeresbiologin Dr. Frauke Bagusche über die Faszination Ozean beim Volksbank-Damensymposium 2022.

Von Michelle Jünger

Remscheid. Die größte Mülldeponie der Erde sind die Ozeane, sagt Dr. Frauke Bagusche. Die Meeresbiologin arbeitet häufig im Ausland, begleitet Projekte zur Renaturierung von Riffen und rettet Schildkröten. Doch auch für das Inland sei ihre Arbeit wichtig, sagte sie am Dienstagabend beim Volksbank-Damensymposium 2022 in der Klosterkirche.

Selbst hier, wo wir so wenig Küste in Deutschland haben, sollte uns das Meer etwas angehen, sagt Bagusche. Es liefere uns täglich Sauerstoff, beeinflusse das Klima, sorge aber auch für Nahrung, zahlreiche Arbeitsplätze und sei auch als Apotheke zu betrachten. Denn viele Medikamente würden aus Meeresorganismen gewonnen.

Mit stiller Betroffenheit reagierten die Besucherinnen im beinahe voll besetzten Minoritensaal auf die Verschmutzung durch Reifenabrieb, Kosmetik, Polyesterkleidung oder in Plastik verpackte Lebensmittel. Jeder Deutsche produziert im Schnitt das Dreifache des eigenen Körpergewichtes an Verpackungsmüll pro Jahr.

„Diesen Müll bekommen wir nie wieder weg.“

Dr. Frauke Bagusche, Meeresbiologin

Viel davon gelangt über Flüsse ins Meer. Riesige Plastikmüllteppiche schwimmen in den großen Meeresströmungen rund um den Globus. Selbst m tiefsten Punkt der Erde, im Mariannen-Graben, sei schon Plastik gefunden worden. „Diesen Müll bekommen wir nie wieder weg“, so Bagusche. Es gelte nur noch, Plastik und Müll zu reduzieren.

Doch nicht nur die Umweltsünden thematisierte die Meeresbiologin in ihrem Vortrag, obwohl es sichtlich bewegte und in der anschließenden Diskussion zu Fragen anregte. Die Liebe zum Meer und dem Lebens unter Wasser wollte sie weitergeben. Mit der lebhaften Darstellung und Bildern einmaliger Naturphänomenen nahm sie das Publikum hinab in die blauen Wunder der Meere.

Für sie sei die Natur ein Künstler sagt Bagusche. Algen und Riffe bildeten symmetrische, einmalige Formen unter dem Mikroskop und nicht nur das. Eine Algenart leuchte während ihrer Blüte so intensiv, dass man sie sogar im Weltraum sehen könne.

Ihr Job bedeutet auch, dass sie oft tauchen geht. Erfahrungen und Bilder, die sie mit dem Publikum teilt. „Ich sehe nach dem Tauchen immer aus wie eine Vogelscheuche“, sagt sie und ließ so einige anwesende Damen schmunzeln. Sie stopfe alles an Plastik, was sie finde in den Taucheranzug. Stets habe sie auch ein Messer dabei. Nicht zum Schutz vor Haien, sondern weil sie damit Schildkröten aus alten Fangnetzen befreien könne. Diese seien sonst oft ein Todesurteil für die sanften Tiere.

Schildkröten bekommen auch Physiotherapie

„Unter Wasser ist so viel los“, erklärt die Biologin ihre Faszination. Zu hören seien natürlich Walgesänge, aber auch das Knabbern verschiedener Tiere an Korallen. Clownfische könnten unliebsame Besucher ihrer Anemone anknurren oder fest zubeißen. „Das sind echt miese Nemos!“, sagt die erfahrene Taucherin, sehr zur Erheiterung ihrer Gäste. Manchmal verirrten sich auch eifrige Putzerfische in die Taucherhaube.

Und ganz ohne Hoffnung will Dr. Frauke Bagusche die Besucherinnen des Symposiums an diesem Abend nicht gehen lassen. Es gebe auch schöne Geschichten zu erzählen. Wie von Korallen-Kindergärten. Ganze Riffe konnten so zuletzt wieder renaturiert werden. Sie stellt auch Schildkröte Pepita vor. Sie litt unter Arthritis und erhielt in einer Auffangstation Physiotherapie und Massagen. Dadurch gehe es ihr nun wieder besser.

Persönliches

Dr. Frauke Bagusche ist außerdem Dozentin und Buchautorin. Mit dem Verein „The Blue Mind“ möchte sie Kinder und Senioren inklusive einem Pop-up-Labor für das Meer begeistern. Mit Experimenten und Wissen zum Anfassen soll so auch für den Schutz der Meere sensibilisiert werden. Ihr 2019 erschienenes Buch „Das blaue Wunder“ stand unter anderem zehn Wochen auf der Spiegel-Bestseller-Liste. Derzeit arbeitet sie an einem neuen Buch über den Schutz von Meeresschildkröten.

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