Mein Blick auf die Woche

Medikamentennot: Selbst die Pillen nicht genommen

axel.richter@rga.de
+
axel.richter@rga.de

Es fehlte an Fiebersaft und sogar Herz-und Krebsmedikamenten sind zeitweise nicht zu bekommen. Remscheids Apotheker versuchen zu helfen und können doch nichts für den Mangel. Schuld ist eine falsche Politik, sagt RGA-Lokalchef Axel Richter und findet: Wer der Meinung ist, dass lebensnotwendige Medikamente am besten in Hyderabad hergestellt werden, der hat selbst seine Pillen nicht genommen.

Encepur heißt der Impfstoff, für das der Verfasser hiesiger Zeilen nun schon das zweite Rezept von Apotheke zu Apotheke getragen hat, bis es nicht mehr gültig war. Überall erhielt er die gleiche Antwort: Haben wir nicht, kriegen wir auch nicht mehr rein.

Auf eine Impfung gegen Hirnhautentzündung lässt sich´s notgedrungen verzichten. Auf lebensnotwendige Medikamente nicht. Manch ein Apotheker fühlte sich deshalb in dieser Woche zu unrecht gebauchpinselt als Apothekersprecher Henning Denkler ihnen bescheinigte, die Lage im Griff zu haben. „Wenn ich ein fieberndes Kind habe und den Eltern keinen Fiebersaft besorgen kann, dann habe ich gar nichts im Griff“, hält Denklers Kollegin Henrike Stromann-Schell vom Hasten dagegen und fügt offen an: „Mit manchen Beschwerden möchte ich heute nicht Patient sein.“

Nun können die Apothekerinnen und Apotheker nichts für das Desaster, das unsere reiche Industrienation als Entwicklungsland dastehen lässt. Im Gegenteil unternehmen sie alles, um doch an dieses oder jenes Medikament heranzukommen. Allerdings können sie den Mangel nur verwalten.

Er ist das Ergebnis einer fehlgeleiteten Gesundheitspolitik, die es nicht nur zugelassen, sondern selbst dafür gesorgt hat, dass die Produktion lebensnotwendiger Medikamente in Billiglohnländer wie Indien und China abgewandert ist.

Zur Erinnerung: Es geht hier nicht um Technik-Ramsch oder Billig-Klamotten vom Grabbeltisch. Es geht um Produkte zur Daseinsvorsorge. Wer der Meinung ist, dass so etwas am besten nicht im Inland, sondern unter mehr als kritikwürdigen Umständen in den Tablettenfabriken von Hyderabad hergestellt wird, der hat seine Pillen unter Garantie selbst nicht genommen.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach will nun gegensteuern. Ab Februar sollen die Hersteller mehr Geld bekommen, weshalb wieder mehr Arzneien auf den deutschen Markt kommen sollen. Ob es so kommt oder ob das am Ende nur die Gewinne der Pharmaindustrie erhöht, ist abzuwarten. Henrike Stromann-Schell bleibt immerhin skeptisch. 2023 sei noch keine Besserung zu erwarten, sagt sie mit Verweis auf Brancheninformationen. Eher werde sich die Situation weiter zuspitzen.

Ein Armutszeugnis nennt die Apothekerin vom Hasten die Medikamentennot. Und in der Tat muss nachdenklich stimmen, was in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland versäumt oder schlicht falsch gemacht worden ist. Trotz Energie und Klimakrise werden die saubersten Kraftwerke abgeschaltet, die Genforschung wurde verboten, und Hochgeschwindigkeitszüge, made in Germany, werden heute anderswo gebaut, während die Stadt Remscheid die Anschaffung von Lastenrädern fördert. Aber das ist wieder eine ganz andere Diskussion.

TOP Ein Hauch von Karibik! In der Hindenburgstraße kommen Spezialitäten aus DomRep auf den Tisch.

FLOP Doch nur heiße Luft? Von den großen Plänen um die alte Deutsche Bank in Lennep ist wenig zu sehen.

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Lüttringhausen: Unfall mit sechs Autos
Lüttringhausen: Unfall mit sechs Autos
Lüttringhausen: Unfall mit sechs Autos
Busse: Donnerstag und Freitag drohen Streiks
Busse: Donnerstag und Freitag drohen Streiks
Busse: Donnerstag und Freitag drohen Streiks
Hindenburgstraße: Zwei Eröffnungen an nur einem Tag
Hindenburgstraße: Zwei Eröffnungen an nur einem Tag
Hindenburgstraße: Zwei Eröffnungen an nur einem Tag
Hier fährt der Mercedes von Aldi-Chef Theo Albrecht
Hier fährt der Mercedes von Aldi-Chef Theo Albrecht
Hier fährt der Mercedes von Aldi-Chef Theo Albrecht

Kommentare