Schutz für Risikopatienten

Maskenausgabe mit heißer Nadel gestrickt

Auch in der Regen-Apotheke im Kaufland war jede Menge los: (v.l.) Henning Denkler und Mitarbeiterin Tungba Yüksel. Foto: Michael Schütz
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Auch in der Regenbogen-Apotheke im Kaufland war jede Menge los: (v.l.) Henning Denkler und Mitarbeiterin Tungba Yüksel.
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Kostenloser FFP-2-Schutz sorgt für Ansturm auf die Apotheken. Kritik an Umsetzung.

Von Andreas Weber

Remscheid. Die erste Ausgabe von drei kostenlosen FFP-2-Masken an Risikopatienten und Über-60-Jährige bescherten den 20 Remscheider Apotheken gestern einen turbulenten Auftakttag. Nicht jede war rechtzeitig beliefert worden, aber all die, die größere Mengen erhalten hatten, waren zu kreativen räumlichen Lösungen gezwungen. Denn die Kunden standen Schlange.

„Es war, als gäbe es kein Morgen mehr“, brachte es Brigitte Català, Betreiberin der Apotheke am Hasenberg auf den Punkt. Die dringende Bitte, dass nicht alle am ersten Tag ihren Coronaschutz abholen mögen, wurde ignoriert. Schon im Vorfeld standen die Telefone in den Apotheken nicht still, gestern strömte der Empfängerkreis nonstop, um das Staatsgeschenk im Wert von rund zehn Euro einzusammeln. Die Apotheker kostet der Service Zeit und Nerven, verlangt obendrein mehr Personal.

Durchdacht findet die kurzfristig vor Weihnachten in die Wege geleitete Ausgabe niemand. „Mit der heißen Nadel vom Gesundheitsministerium gestrickt und obendrein schlecht kommuniziert“, kritisiert Henning Denkler, Sprecher der Remscheider Apotheker, den Goodwill, der bis 6. Januar auf diese Weise läuft. Danach geht die Maskenausgabe zwar weiter, aber nicht mehr über Vorzeigen des Personalausweises und auf Treu und Glauben, sondern über Gutscheine der Krankenkassen. Momentan ist beim „Apotheken-Hopping mehrfaches Abstauben möglich. „Das hätte man mit mehr Überlegung und früher initiieren müssen“, erklärt Brigitte Català. Auch Karen Hübner, Inhaberin der Punkt-Apotheke auf der Allee bedauert, dass alles kurzfristig umgesetzt wurde und spricht von „logistischer Herausforderung“.

Dem Ansturm ist das Platzangebot selbst größerer Apotheken nicht gewachsen. Clevere Regelungen mussten gefunden werden: Die Bären-Apotheke an der Allee hatte am Bürgersteig einen Kleintransporter geparkt, aus dem eine Mitarbeiterin die Artikel aus einem Seitenfenster ausgab. In der Apotheke am Hasenberg wartete eine Mitarbeiterin mit FFP-2-Masken in einem Seiteneingang des Hauses Hasenberger Weg 43 a, andere verlagerten die Ausgabe an einen Stand vor ihrem Eingang, die Apotheke im Allee-Center ließ Abholwillige durch den Hintereingang rein und hatten innen eine Maskenecke und zwei Kassen freigeräumt.

Den Apotheken obliegen auch das Besorgen und die Prüfung der Bezugsberechtigung. Letzteres ist jedoch – bis auf das Vorzeigen des Personalausweises – kaum möglich. Auch müssen die Pharmazeuten aufpassen, nicht zu viele Masken zu verteilen. Jede Apotheke erhält vom Staat dafür eine Pauschale, die sich nach der Zahl ihrer verschreibungspflichtigen Medikamente richtet, die über den Nacht- und Notdienst-Fonds des Deutschen Apothekerverbandes abgerechnet wurden. 

Standpunkt: Wie beim Toilettenpapier 

Von Andreas Weber

Zu Beginn der Pandemie wurden die FFP-2-Masken für Wucherpreise von 25 Euro das Stück verhökert. Der leergefegte Markt ließ Mondpreise zu. Heute kostet das Fünfer-Pack deutlich weniger. Der Mund-Nasen-Schutz ist erschwinglich geworden, massenhaft erhältlich. Die gestrigen Bilder erinnerten jedoch an den Run auf das Toilettenpapier. Heerscharen betagterer Menschen pilgerten in die Apotheken – bar jeder Vernunft.

andreas.weber@rga-online.de

Drei kostenlose FFP-2-Masken für den heimischen Fundus ein paar Tage früher oder später taugen nicht als wirkungsvolles Mittel bei der Pandemie-Bekämpfung. Da hilft schon eher die Abstandsregelung und die konnte im Stau vor den Apotheken-Schaltern kaum mehr eingehalten werden. 

Gut gemeint, unausgegoren umgesetzt vom Bundesgesundheitsministerium. Den Stress haben die Apotheken, an denen alle Arbeit bei dieser Verteilorgie hängenbleibt. Die Zusatzverantwortung, die Pharmazeuten in diesen Tagen aufgebürdet wird, zeigt aber auch, wie wichtig die Apotheker vor Ort sind. Online-Handel gut und schön, aber ohne die Fachleute um die Ecke ist das Gesundheitswesen aufgeschmissen.

Welche Beschränkungen wegen des Coronavirus gelten aktuell in Remscheid? Das haben wir für Sie in einem Artikel zusammengefasst, den Sie hier finden: Ein Überblick über die Corona-Regeln in Remscheid.

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