Meine erste Platte

Manfred Mann hat für sie in London gekocht

Ulla Wilberg mit der LP „Revolver“ von den Beatles und „Mutter Mathilde“ vom Politbarden Franz Josef Degenhardt. Foto: Uwe Rapp
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Ulla Wilberg mit der LP „Revolver“ von den Beatles und „Mutter Mathilde“ vom Politbarden Franz Josef Degenhardt.

Ulla Wilberg veränderte ihren Musikgeschmack nach dem Abitur und mit der Gewerkschaftsarbeit – Liedermacher rückten in den Fokus

Von Uwe Rapp

Remscheid. Heute bin ich mit Ulla Wilberg (67) verabredet, und da gibt es sicher viel zu erzählen. „Auch wenn ich nicht mehr so viele Schallplatten habe, kannst du gerne vorbeikommen“, sagte sie bei meiner Anfrage.

Ulla Wilberg ist mit ihrer Zwillingsschwester in Remscheid aufgewachsen und hat schon mit 14 eine Ausbildung bei der Stadt Remscheid angefangen. „Das war damals noch möglich – frühe Einschulung und zwei Kurzschuljahre –, dann war man mit 14 mit der Volksschule schon fertig. Mein Vater war Polizist, und dann war auch klar: Das Kind macht eine Ausbildung bei der Stadt Remscheid, das ist ein sicherer Arbeitsplatz“, erzählt sie.

„Meine Mutter kaufte uns 1965 ein Kofferradio, das war für uns der Einstieg in die Rock- und Popmusik. Ich war total begeisterter Hörer von dem britischen Soldatensender BFBS. Man hörte nur englischsprachige Songs und keine Schlager. Außerdem war man immer auf dem Laufenden, was in den englischen und amerikanischen Hitparaden aktuell war. Da hörte man Songs, die in Deutschland noch gar nicht auf dem Markt waren“, sagt sie.

Ihre erste Single war von den Beatles „Yesterday“ oder von den Beach Boys „Barbara Ann“. Da ist sich Ulla Wilberg nicht sicher. Die konnte sie sich mit ihrer Schwester auf einer Dual-Kompaktanlage, die mittlerweile das Kofferradio abgelöst hatte, in ihrem Zimmer anhören. „Natürlich habe ich mir mit meiner Schwester auch immer die ,Bravo‘ gekauft, die Bilder der Popstars ausgeschnitten und aufgehängt. So war das zur ,Bravo‘- Zeit. Meine erste LP war von den Beatles ‚Revolver‘. Soweit ich mich erinnere.“

Nach ihrer Ausbildung machte Ulla Wilberg ihre Mittlere Reife und das Abitur nach. Außerdem war sie aktiv in der Gewerkschaft. Das machte sich auch bei ihrem Musikgeschmack bemerkbar. Hannes Waders („Ich hatte mir noch so viel vorgenommen“), Franz Josef Degenhardt („Mutter Mathilde“), Reinhard Mey, Klaus Hoffmann – also deutsche Liedermacher. Aber auch die irische Band Clannad Dulaman, Cat Stevens, T.-Rex.

„Beruflich bin ich auch für ein Jahr in London gewesen, habe aber von dem Swinging London nicht so viel mitbekommen. Konzerte, Club-Besuche waren nicht so mein Ding. Das Einzige war ein Restaurant in der Kings Road, dort kochten schon mal bekannte Musiker. Ich bin einmal von Manfred Mann und von Garry Rafferty bekocht worden.“

An ihre Konzerte kann sich Ulla Wilberg noch gut erinnern. 1971 Reinhard Mey in der Stadthalle und Manhattan Transfer 1976 in der Düsseldorfer Philipshalle. „Ich war nicht so der große Konzert-Besucher. Es blieb ja auch nicht so viel Zeit, Abitur nachholen, Gewerkschaftsarbeit. Dann habe ich geheiratet, zwei Kinder großgezogen und auch immer gearbeitet, da blieb nicht viel Zeit für Konzerte übrig. Zwei sind allerdings in Erinnerung geblieben. Mit meinem Sohn 1997 das 1000. Konzert der Toten Hosen im Rheinstadion und Mark Knopfler 2005 in Köln. Das war großartig, ein toller Musiker.“

Kultur ist Ulla Wilberg bis heute noch wichtig. Seit 2014 ist sie wieder für die SPD aktiv und 2020 in den Stadtrat gewählt worden. Sie ist Mitglied im Kulturausschuss, Vorsitzende im Kulturkreis Heimatbund und Vorleserin.

Gastautor

Uwe Rapp

Wer in Remscheid seine erste Schallplatte erstanden hat, der hat das mit großer Wahrscheinlichkeit bei Uwe Rapp getan. Der 65-Jährige verkaufte einst Musik im legendären Plattenladen Zack Zack. Heute legt er als Kult-DJ auf Partys und dienstags um 20 Uhr auf mvradio.de auf. Für unsere RGA-Serie „Meine erste Platte“ haben wir Uwe Rapp als Gastautor gewonnen. Er unterhält sich mit Remscheidern über ihre erste Platte.

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