Circus Jonny Cassely

Manege frei für Artisten und strahlende Augen

Auf die Haltung kommt es an: Mit der Trapez-Gruppe hat Alfons Casselly nicht nur Akrobatik trainiert – auch die richtige Präsentation der Nummer im Zelt will geübt sein.
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Auf die Haltung kommt es an: Mit der Trapez-Gruppe hat Alfons Casselly nicht nur Akrobatik trainiert – auch die richtige Präsentation der Nummer im Zelt will geübt sein.

Profis des Circus Jonny Casselly studieren in den Ferien mit Remscheider Kindern eine komplette Show ein.

Von Timo Lemmer

Remscheid. Angst? Nicht mal auf annähernd zehn Metern Höhe. „Es war nur wackeliger als am Boden“, erklärt Laura. Sonst sei nicht viel dabei gewesen. Sie stand kurz vorher noch auf der Stange des Trapezes, das fast bis unter die Zeltkuppel – zehn Meter – gezogen wurde. „Man konnte von oben alles sehen, das war total cool.“ Die Zwölfjährige ist eins von 140 Kindern, die in der ersten Herbstferienwoche beim Zirkus mitmachen konnten. Kommende Ferienwoche sind es noch einmal so viele.

Beide Angebote der Jugendförderung sind restlos ausgebucht, selbst die Wartelisten geschlossen – wie seit Jahren. In zehn Gruppen sind sie eingeteilt, acht Mädchen sind in der Trapez-Gruppe. Laura wollte unbedingt in diese Gruppe, hatte beim Zuteilen das nötige Glück – und beschreibt nun: „Ich mag es einfach, dass man in der Luft ist.“ Und dann ist die Remscheiderin auch schon wieder weg: Trainer Alfons Casselly hängt seit Minuten am Trapez, zieht die jungen Akrobatinnen der Reihe nach immer wieder hoch, um in luftiger Höhe verschiedene Kunststücke mit ihnen zu üben – Laura ist jetzt wieder an der Reihe.

Kopfüber in luftiger Höhe? Kein Problem! Im Kinderferienzirkus ist Angelina Brinkmann für die Tuch-Gruppe zuständig. Die Angst verlieren die Teilnehmer schnell.

Alfons Casselly ist einer der Trainer dieser besonderen Ferienwoche: Die Artisten des Circus Jonny Casselly sind einmal mehr nach Remscheid gekommen, haben auf dem Schützenplatz ihr buchstäbliches Zelt aufgeschlagen und empfangen insgesamt 280 Kinder. Das sei ja schon eine Art Mythos in Remscheid, hat Jens Stuhldreier festgestellt. Er ist neu zur Jugendförderung gestoßen, hat also einen unvoreingenommenen Blick aufs Geschehen: Und ist schon nach den ersten Tagen begeistert. „Die Kinder kamen aufgeregt hier an, hatten total Lust auf Zirkus.“ Rasch könne man beobachten, dass es den Kindern nicht nur „mega Spaß“ mache, sondern auch jede Menge Selbstvertrauen vermittele.

Denn nach einem Vorstellungstag, an dem die Casselly-Artisten ihre jeweiligen Disziplinen vorgestellt haben, werden die Kinder in zehn Gruppen aufgeteilt. Es gibt Jonglage, Seiltanz, Trapez, Bodenakrobatik, Clownerie oder sogar Feuerschlucken. Die Kindern üben mit den Profis – und werden folglich von Stunde zu Stunde sicherer in ihrer Disziplin.

In welcher Höhe die Kinder am Samstag ihre Familien überraschen, entscheidet Trainer Alfons individuell. In allen Disziplinen gilt: Kein Teilnehmer wird überfordert.

Während Laura sich im Zelt wieder akrobatisch in der Luft bewegt, sitzen draußen die Spaßmacher. Clown Antonio hält gerade eine Ansprache an seine Truppe, spricht davon, dass es ein Blamieren im Zirkus nicht gibt: „Volles Risiko“, fordert er für den Auftritt. Was nach ernstem Einschwören klingt, ist in Wahrheit viel lockerer. Die Kinder lachen immer wieder. Alfons ist einfach witzig. Das bestätigt die zehnjährige Nadine. Und weiter: „Ich finde gut, dass alle einen festen Platz für ihre Nummern haben. Wir Clowns aber schleichen uns bei der Show immer mal wieder rein.“ Das Kunststück sei eben, so zu tun, als habe das alles keinen Ablauf: Das Schwierige muss leicht aussehen, erklärt Clown Alfons.

Seiltänzer benötigen Körperspannung

Karola Casselly hat die Seiltänzer unter ihren Fittichen. Momentan wird noch auf dem Probeseil geübt, vielleicht 50 Zentimeter über dem Boden. Später soll das Balancieren oder Befahren des dünnen Seils mit einem Fahrrad auf 1,60 Meter Höhe gelingen. „Hier geht es um Körperbalance und viel Ruhe“, erklärt Karola Casselly. „Insgesamt lernen die Kinder bei uns fürs Leben: Den Mut, über Grenzen zu gehen, ebenso wie sich auf andere zu verlassen.“

Nach fünf Übungstagen – schon am Feiertag ging es los – steht in beiden Wochen dann der krönende Abschluss bevor: Jeweils am Samstag sind Familien und Freunde zu einer internen Gala eingeladen. Vor rund 500 Zuschauern zeigen die Sieben- bis Zwölfjährigen, was sie einstudiert haben. Die großen Artisten sind dann nur die kleinen Stars – die großen Stars, das werden an diesem Tag die kleinen Artisten sein.

Partner

Neben der Jugendförderung der Stadt, für die Daniela Kann die Planung übernommen hat, sind weitere Partner wie Stadtteil e.V. – Haus Lindenhof, Die Schlawiner oder 30 junge Betreuer beteiligt. Wichtig ist den Machern, dass das Projekt inklusiv ausgelegt ist: Kinder mit Behinderung oder Fluchterfahrung sind über ein besonderes Kontingent mit von der Partie.

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