Neues Zentrenmanagement

Manager soll leere Läden in Remscheid wieder beleben

Tristesse in Corona-Zeiten: Ein Sofortprogramm des Landes soll dazu beitragen, die Einkaufsmeile neu zu beleben. Foto: Roland Keusch
+
Tristesse in Corona-Zeiten: Ein Sofortprogramm des Landes soll dazu beitragen, die Einkaufsmeile neu zu beleben.
  • Frank Michalczak
    vonFrank Michalczak
    schließen

Remscheid profitiert von Soforthilfe des Landes NRW.

Remscheid. Der zunehmenden Tristesse an der Alleestraße und in der Lenneper Altstadt will die Stadt Remscheid den Kampf ansagen – mit einem neuen Zentrenmanagement. Die Immobilienexperten sollen dafür sorgen, leerstehende Geschäfte mit Leben zu erfüllen, indem sie Mietinteressenten und Hausbesitzer in Verbindung bringen. Baudezernent Peter Heinze sieht darin eine Chance, die beiden Handelsstandorte zu stärken, deren Niedergang in den letzten Jahren an Fahrt aufgenommen hat – und nun durch Corona weiter beschleunigt werden könnte. „Es ist ein knackiges Programm, durch das Bewegung erzielt werden sollte,“ sagt Heinze mit Blick auf die Dienste eines Fachbüros, das die Aufgabe übernehmen soll. Dank einer Soforthilfe des Landes NRW stehen Remscheid dafür in den nächsten zwei Jahren 100 000 Euro zur Verfügung.

Die Zentrenmanager sollen in Alt-Remscheid und Lennep Mietverträge in die Wege leiten, die zunächst für zwei Jahre gelten. Das Besondere: Die Pacht wird von der öffentlichen Hand bezuschusst, wobei der Vermieter Entgegenkommen zeigen muss. Dazu ein Rechenbeispiel: Bei einer Mieterwartung von 1000 Euro für das leerstehende Ladenlokal verzichtet der Hausbesitzer auf 300 Euro. Den Restbetrag in Höhe von 700 Euro teilen sich die öffentliche Hand und der Mieter. Die Stadt Remscheid beziehungsweise das Land NRW zahlen 500 Euro, am Existenzgründer bleiben lediglich 200 Euro hängen. Aus dieser Starthilfe sollen langfristige Mietverhältnisse werden.

Remscheid: Baudezernent Peter Heinze über die Folgen der Geschäftsaufgaben

Heinze erwartet, dass die künftigen Zentrenmanager „proaktiv“ auf die Immobilienbesitzer zugehen. Denn klar sei, dass sie von diesem Konzept überzeugt werden müssen, um Interessenten eine Chance zu geben. Das könnten Jung-Unternehmer mit einer pfiffigen Geschäftsidee ebenso sein wie Handwerker, die ihr Angebot publikumswirksam an der Allee oder in der Lenneper Altstadt präsentieren wollen. „Das Spektrum geht aber noch weiter. Denkbar wären als Mieter auch Kulturinitiativen oder Vereine“, listet Heinze auf, der hofft, dass der Zentrenmanager möglichst viele Vermieter und Interessenten zusammenführt. „Denn Leerstände führen zu Verwahrlosung“, warnt er vor den Folgen von Geschäftsaufgaben.

Kritisch sieht der Vorsitzende des Marketingrats Remscheid Ralf Wieber das Programm und die Serviceleistungen von Fachbüros, die für die Stadt tätig sind. „Es hat sich leider in der Vergangenheit gezeigt, dass die Erwartungen von ihnen nicht erfüllt wurden.“ Für ihn gehören zunächst alle an einen Tisch, die von der Krise des Einzelhandels betroffen sind. „Also Immobilienbesitzer, Vertreter der Stadtverwaltung, Geschäftsinhaber. Es muss doch klar sein, wohin zum Beispiel an der Alleestraße die Reise gehen soll.“ Zudem hätte die Allee nichts davon, wenn weitere Friseursalons oder Kosmetikstudios in die verwaisten Geschäfte zögen. „Davon haben wir ganz sicher genug“, erklärt Wieber.

Das sei auch nicht beabsichtigt, beruhigt Heinze. „Ich glaube nicht, dass es aus diesem Kreis eine hohe Nachfrage geben wird.“ Für ihn stehen die Chancen im Vordergrund, die das Programm eröffne. Als Positiv-Beispiel nennt er den gebeutelten Berliner Stadtbezirk Neukölln, der durch ein ähnliches Programm nachhaltig neu belebt werden konnte.

Dabei erinnert Heinze daran, dass zahlreiche NRW-Städte die neue Förderung des Landes nutzen. Entsprechend seien die Dienste der Fachbüros begehrt. Wer sich in Remscheid um die Leerstände kümmern soll, werde sich in den nächsten Wochen erweisen. Die Fachleute sollen Büros an der Allee und in Lennep beziehen.

Sofortprogramm

Die Landesregierung legte 2020 ein „Sofortprogramm zur Stärkung unserer Innenstädte und Zentren“ auf. Davon profitiert auch Remscheid. Im November gab es vom NRW-Heimatministerium grünes Licht für die Förderanträge, die von der Stadtverwaltung gestellt wurden. Danach soll unter anderem für den Zwischenerwerb von Einzelhandelsimmobilien und das Zentrenmanagement Geld fließen: für die Alleestraße 725 000 Euro, für die Altstadt Lennep 185 000 Euro.

Mit einer Anzeige auf der Internet-Plattform Immobilienscout 24 macht Investor Leo Schönhals auf seinen Gebäudekomplex am Markt aufmerksam.

Standpunkt

Ein Kommentar von Axel Richter

axel.richter@rga-online.de

Was sie sich von Politik und Verwaltung wünscht, war sie einst gefragt worden und Melanie Clemens antwortete unverblümt: „Dass sie uns in Ruhe lassen.“ Die zweite Vorsitzende der Interessengemeinschaft Hindenburgstraße sagte das vor allem mit Blick auf die vielen Stadtteil- und Quartiersentwickler, Innenstadt- und Citymanager, Kümmerer, Netzwerker und Lotsen, die in den zurückliegenden Jahren in Alt-Remscheid und Lennep vorstellig geworden sind. Außer bunten Bildern, Empfehlungen und Konzepten für die Schublade brachten sie meist wenig zustande. Die ihnen nun avisierte Ankunft der nächsten Zentrenmanager dürfte bei den Anwohnern und verbliebenen Handeltreibenden in der Lenneper Altstadt und auf der Alleestraße in Alt-Remscheid deshalb bestenfalls mit einem Achselzucken quittiert werden. Die Erwartungen an Experten aus Werweißwo, die sich in Remscheid als Anpacker vorstellen, sind nicht mehr hoch. In der Hindenburgstraße waren sie das nie. Dort packen Eigentümer und Mieter seit Jahren lieber selbst an. Mit Erfolg. Leerstände bilden dort bis heute eine seltene Ausnahme. | Manager sollen leere Läden wieder beleben

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Aus für ThyssenKrupp: Über 60 Jobs gefährdet
Aus für ThyssenKrupp: Über 60 Jobs gefährdet
Aus für ThyssenKrupp: Über 60 Jobs gefährdet
Wunderschöne Wanderroute vom Wenzelnberg an die Wupper
Wunderschöne Wanderroute vom Wenzelnberg an die Wupper
Wunderschöne Wanderroute vom Wenzelnberg an die Wupper
Unterer Kunstrasenplatz im Stadion Reinshagen soll im August spielbereit sein
Unterer Kunstrasenplatz im Stadion Reinshagen soll im August spielbereit sein
Unterer Kunstrasenplatz im Stadion Reinshagen soll im August spielbereit sein
Cinestar reloaded: Ab sofort gibt es Karten
Cinestar reloaded: Ab sofort gibt es Karten
Cinestar reloaded: Ab sofort gibt es Karten

Kommentare