Ein Jahr Corona in Remscheid

Mai bis Juli: Die Remscheider genießen vergleichsweise entspannte Wochen im Sommer

Das Leben findet wieder mehr draußen statt – Das Virus verliert an Geschwindigkeit – Die Folgen der Pandemie für die Wirtschaft sind alarmierend

Remscheid. Verglichen mit März und April sind die folgenden Monate nahezu unbeschwert. Die Lage entspannt sich spürbar, doch alle Lockerungen sind immer wieder mit mahnenden Worten verbunden.

Am 3. Mai kehren 30 Gläubige in den Gottesdienst zurück. In St. Suitbertus wird wieder gefeiert – ohne Gesang und mit Maske. Weitere Lockerungen greifen ab dem 4. Mai. Die Friseure erleben einen echten Ansturm – nach sechs Wochen Zwangspause werden wieder Haare geschnitten. Auch die Politik nimmt ihren Betrieb wieder auf. Als erstes Gremium kommt der Hauptausschuss wieder zusammen – im Saal des Teo Otto Theaters. Die Polizei beschäftigt sich mit möglichen Betrugsfällen bei der Corona-Soforthilfe – 20 Verdachtsfälle gibt es im Bergischen Land. Die Betrügereien wirken nach, die Kontrollen werden verschärft. Heute fließen die Hilfen nicht mehr so schnell.

Ab dem 9. Mai sind Besuche in den Alten- und Pflegeheimen wieder erlaubt. Am 11. Mai öffnen Restaurants und Fitnessstudios, auch Sport- und Freizeitanlagen dürfen genutzt werden. Der Wuppertaler Zoo erlebt bei schönstem Wetter einen Ansturm. Am 19. Mai folgen die Museen. Am gleichen Tag wird jedoch der erste große Ausbruch in einem Altenheim bekannt: Das Virus hat den Weg in das Haus Clarenbach in Lüttringhausen gefunden. Sieben Bewohner und sechs Beschäftigte sind infiziert. Heimleitung und Pflegekräfte bekommen die Lage wieder in den Griff. Bis Ende Mai sind dennoch 17 überwiegend alte Remscheider an oder mit dem Virus gestorben. 237 sind infiziert, 211 gelten als genesen.

Wer jung ist und gesund, will wieder feiern – man muss dazu im Auto bleiben. Am 22. Mai tritt die Kölschband Kasalla im Autokino auf dem Schützenplatz auf. 380 Fans schunkeln in ihren Fahrzeugen. Das gefällt nicht jedem. Die Konzerte und Veranstaltungen, die nun folgen, darunter ein Treffen von Autoposern, werden von Anwohnern kritisch begleitet.

Die Zahl der Bürger, die erkrankt sind, ist bei 0 angekommen.

Corona-Krisenstab

Die Wirtschaftskrise, die mit der Gesundheitskrise einhergeht, macht sich in der Industrie bemerkbar. Noch sorgt insbesondere die Kurzarbeit dafür, dass Arbeitsplätze nicht reihenweise verloren gehen. Die sinkenden Umsätze reißen jedoch ein riesiges Loch in die Steuereinnahmen der Stadt. Ende Mai berichtet der Kämmerer von einem Minus von rund 40 Millionen Euro. Zwar gibt es Hilfen für die Kommunen. Am Ende aber steht fest: Remscheid muss seine coronabedingten Steuerausfälle und Mehraufwendungen ab 2025 über 50 Jahre abschreiben. Die nachfolgenden Generationen werden also noch lange für die Schäden von heute aufkommen müssen.

Am 5. Juni wählt die Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreises Lennep Pfarrerin Antje Menn zur neuen Superintendentin. Die Kür findet unter Corona-Bedingungen statt und verläuft holprig. Noch stellen Videokonferenzen und Onlineverfahren die Menschen vor Herausforderungen.

11. Juni: Der Corona-Krisenstab stellt seine Arbeit ein. Seit seiner Einberufung hat er 64 Mal getagt. Nun legen seine Mitglieder aus Feuerwehr, Klinikum, Gesundheitsamt, Polizei, Ordnungsamt und anderen Behörden eine Pause ein, denn, so die frohe Botschaft: „Die Anzahl der Bürger, die an dem Coronavirus erkrankt sind, ist bei 0 angekommen.“ Das gilt für genau einen Tag.

Am 15. Juni gehen die Grundschulen wieder in den Regelbetrieb – zwei Wochen vor den Sommerferien. Als sichtbares Zeichen der Entspannung gilt auch der Abbau des Notkrankenhauses in der Sporthalle Neuenkamp. Die Feuerwehr räumt die Betten wieder zusammen. Sie waren nicht gebraucht worden.

Zumindest für den Augenblick scheint Corona keine Gefahr mehr darzustellen. An der Kräwinklerbrücke tummeln sich an heißen Tagen viele Hundert Badegäste, auch das Freibad hat unter Auflagen geöffnet. Eine weitere gute Nachricht erreicht die Stadt am 25. Juli: Bund und Land sagen 1,2 Millionen Euro als Soforthilfe für die Schulen zu. Die sollen damit digital aufgerüstet werden. Für ein besseres Homeschooling. Denn das wird, was damals noch keiner weiß, schon bald wieder die Regel sein. -ric-

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