Familienzeit

Lust am Lernen bei Kindern nicht stoppen

Andrea Daun leitet das Familienzentrum Villa Kunterbunt in Remscheid und referierte nun in ihrer Heimatstadt Solingen.
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Andrea Daun leitet das Familienzentrum Villa Kunterbunt in Remscheid und referierte nun in ihrer Heimatstadt Solingen.
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Pädagogisches Café in der Stadtbibliothek beleuchtete das Thema Lob kritisch.

Von Daniela Neumann

Solingen. Die Welt hat sich Menschen ungefähr mit dem Eintritt in die Schule in ihren Grundzügen erschlossen. Wie wir Erwachsenen dabei mit Kindern umgehen, thematisierte die Solinger Referentin Andrea Daun nun im pädagogischen Café in der Stadtbibliothek. Das Solinger Tageblatt präsentierte die Veranstaltung, die unter dem Motto „Emotionale Tricks in der Pädagogik und ihre Folgen“ stand.

„Kinder müssen in Kontakt mit sich selbst kommen“, sagte Daun, damit sie ein Selbstbild erhalten. Das funktioniere über Selbsterfahrung, erläuterte die Leiterin der Kindertagesstätte Villa Kunterbunt in Remscheid. Aus ihrem Alltag in diesem Familienzentrum brachte sie immer mal wieder kleine Beispiele, wie dabei der Ton und das Wort die Musik machen, wenn Erwachsene auf Verhalten und Erlebnisse von Kindern reagieren: „Sie lernen über das Gefühl und wie ich etwas vermittle.“

Seit den 1980er Jahren sei man dabei vom Tadel zum Lob gekommen. „Wir glauben, wir müssten es kommentieren, anstatt zu sagen, was es macht“, fasste Daun alle Reaktionen von „Super“ bis „Klasse“ zusammen. Dabei wolle das Kind einfach gesehen werden: „Oh, Du hast ein Bild gemalt. Erzähl!“ sei etwa eine sinnvollere Reaktion als ein „Toll!“ Oder Rückfragen zu stellen anstatt zu bewerten. Denn nur über die erste Aussage käme man in Kontakt. Das Selbstgefühl, das sich dabei entwickele, sei schließlich in der Pubertät wichtig, damit Jugendliche ihre Emotionen einordnen könnten.

Am Ende bleibe die Wahrheit: „Seien Sie ehrlich, seien Sie bei sich, nutzen Sie persönliche Sprache, geben Sie Orientierung.“ Einfach nur loben sei wie Zucker: Dopamin werde ausgeschüttet, das Glücksgefühl wolle man bei vielem Loben immer wieder, immer mehr, immer schneller. Wie bei der Nutzung von Smartphones, wenn Nachrichten aufploppen.

„Nicht die Digitalität, sondern unsere Verführbarkeit ist ein Problem geworden in der heutigen Zeit“, erklärte Andrea Daun. „Wir mischen uns ein in die Gefühle unserer Kinder, machen sie abhängig von uns, legen ihren inneren Kompass nach uns aus.“ So gehe die angeborene, eigene Lernlust dabei verloren. Fachlich heißt das, dass die extrinsische Motivation – „Was krieg ich denn dafür“ – die intrinsische, etwa Neugier, ablöst.

Reflexion bei Erwachsenen ist Gold wert, betonte Andrea Daun

Unter den rund 20 Gästen lösten die Ausführungen und Gespräche mit Exkursen in Kita oder auch Schule einige Aha-Momente aus. Von Lob könne man abhängig werden, wie eben später vom Handy, von Drogen oder der Suche nach dem immer größeren Kick. Was bewahrt uns davor? Eltern müssten ihre Kinder wieder selbst auch mal Frust aushalten lassen, dabei gern wenn gewünscht im Austausch bleiben. Menschen müssten die Erfahrung machen, dass sie eine schwierige Situation auch mal selbst bewältigen können.

Dazu ergänzte die Pädagogin: „Im Wir kann ein Kind kein Ich bilden.“ Aussagen wie „Wir ziehen jetzt die Schuhe aus“ machten nur Sinn, wen wirklich alle es täten. Oft sei dies doch eine Aufforderung an die Kinder, die mit einer persönlichen Bitte besser gelöst sei. Durch Zufall wachsen wir alle mit bestimmten Ansprachen auf, machte Daun ausgangs Mut: Reflexion beim Erwachsenen sei dann schließlich Gold wert. Und: „Je klarer ich bin, desto weniger wuschig wird das Kind.“

Dass Irritationen im Sender den Empfänger irritierten, bestätigte ein Teilnehmer mit einem Beispiel aus der Arbeitswelt: „So, dann wollen wir mal anfangen“ funktioniere nicht – erst die persönliche Ansprache tue es.

Fazit am Ende

Im Umgang von pädagogischen Fachkräften mit Kindern gehe es um das pädagogische Ziel, das über eine persönliche (An-)Sprache und das Aufzeigen von Verbundenheit vermittelt werde, fasste Andrea Daun zusammen.

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