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Knastladen bietet eine Bühne für die Arbeit im Gefängnis

Nur eine kleine Auswahl: Carsten Kaiser (l.) und Dennis Szkatula zeigen einige der Schuhe, die es im Knastladen zu kaufen gibt. Foto: Doro Siewert
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Nur eine kleine Auswahl: Carsten Kaiser (l.) und Dennis Szkatula zeigen einige der Schuhe, die es im Knastladen zu kaufen gibt. Foto: Doro Siewert

Der Knastladen vertreibt online Produkte aus der Lüttringhauser JVA.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Ob Herrenschuh David, Lampensäule Budda oder Grill Stabilo – die Auswahl im Knastladen der Justizvollzugsanstalt Remscheid ist groß. Seit über zehn Jahren vermarkten die nordrhein-westfälischen Gefängnisse Produkte aus ihren Werkstätten im Internet. Und die Lüttringhauser JVA gehört dabei zu den aktivsten.

„Das liegt daran, dass wir so innovativ sind“, sagt Carsten Kaiser. Der Justizvollzugsbeamte kümmert sich mit Kollegen um den Remscheider Knastladen. Weil es ihm offensichtlich Spaß macht. Und weil er darin auch die Chance sieht, der Arbeit, die in den Gefängnissen geleistet wird, mehr Öffentlichkeit zu verschaffen.

Für Kaiser ist der Online-Shop auch eine „Bühne“, wie er selber sagt, für einen Job, der sonst hinter hohen Mauern stattfindet. „Wir haben ja zum Beispiel enorme Probleme, Nachwuchs zu bekommen“, sagt er. Auch weil Justizbeamte, im Gegensatz zum Beispiel zu Polizisten, ihre Erfolge eher im Verborgenen feiern. Der Knastladen bilde da die große Ausnahme.

„Wir kriegen viele positive Rückmeldungen von Kunden aus ganz Deutschland“, berichtet Carsten Kaiser. „Daraus ziehen wir Energie.“ Vor allem nach Medienberichten steige auch die Zahl der Bestellungen deutlich an. „Da kommst du morgens hier hin und hier liegen 200 Bestellungen.“ Und das gehe dann häufig die ganze Woche so. „Da merkt man dann doch, dass man ein Knast ist und kein Amazon.“

Dabei messen Kaiser und seine Kollegen ihre Erfolge, anders als man es bei Beamten vielleicht vermuten würde, durchaus an Zahlen. „Wir machen 60 000 Euro Umsatz pro Jahr nur mit Schuhen“, sagt er zum Beispiel stolz. Zudem steige der Gesamtumsatz des Remscheider Shops seit Jahren kontinuierlich. „Seit 2011 ist es jedes Jahr mehr geworden.“

Ein Grund dafür ist sicherlich, dass die Lüttringhauser ein umfangreicheres Angebot haben als viele andere Gefängnisse in NRW, über 50 Artikel sind es derzeit. Und das wiederum sei auf die bereits erwähnte Innovationskraft der Remscheider Beamten zurückzuführen, sagt Kaiser. „Wir überlegen ständig, was wir noch machen könnten, was sich noch verkaufen lässt.“ Dafür genüge es oft schon, mit offenen Augen durch die Innenstadt zu gehen. „Wenn mir da von 20 Frauen 19 mit Sandalen entgegenkommen, dann überlege ich natürlich, ob wir das nicht auch anbieten können.“

„Seit 2011 ist es jedes Jahr mehr geworden.“
Carsten Kaiser über die Umsätze des Knastshops

Dabei orientiert sich das Angebot immer an den Möglichkeiten in der JVA, vermarktet wird, was die Eigenbetriebe herstellen können. In Lüttringhausen sind das eine Schlosserei, eine Schreinerei, Schneiderei und eine Schumacher-Werkstatt. Deren Produkte seien auch früher schon verkauft worden, sagt Kaiser. Aber fast ausschließlich über Mund-zu-Mund-Propaganda und auf dem jährlichen Weihnachtsbasar. „Im Vergleich zu heute war das quasi Steinzeit.“

Anfang der 2000er Jahren erkannten dann immer mehr Landesjustizministerien die Chancen des Internets – und gründeten entsprechende Online-Shops. In Niedersachsen heißt das Angebot schlicht JVA-Shop, in Bayer Haftsache. Sie alle verfolgen ein Ziel: Die Produkte aus den Gefängnissen besser zu vermarkten.

„Unsere Aufgabe ist es ja, so viele Inhaftierte wie möglich sinnvoll zu beschäftigen“, sagt Carsten Kaiser. Gewinne wirft der Knastlasen nämlich maximal auf dem Papier ab. Der Strafvollzug in NRW kostet pro Jahr weit über 800 Millionen Euro. Da fallen die Umsätze der Knastläden kaum auf.

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