Nur drei Grundschulen machen mit

Polizei hofft auf noch mehr Schülerlotsen

Ein Lotse geht von Bord: Paul Becker (rechts) übergab die Kelle an Kristina Schulz. Sylvain Tillmanns (rechts), Otto Mähler, Sandra Böhm-Lambeck (2.v.l.) und Schulleiterin Nicola Pernat freuen sich, dass für den Verkehrsdienst in der GGS Siepen eine Nachfolgerin gefunden wurde. Becker hatte sein Ehrenamt aus Altersgründen aufgegeben. Der 87-Jährige lebt mit seiner Ehefrau Brunhilde schräg gegenüber der Grundschule. Foto: Roland Keusch
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Ein Lotse geht von Bord: Paul Becker (rechts) übergab die Kelle an Kristina Schulz. Sylvain Tillmanns (rechts), Otto Mähler, Sandra Böhm-Lambeck (2.v.l.) und Schulleiterin Nicola Pernat freuen sich, dass für den Verkehrsdienst in der GGS Siepen eine Nachfolgerin gefunden wurde. Becker hatte sein Ehrenamt aus Altersgründen aufgegeben. Der 87-Jährige lebt mit seiner Ehefrau Brunhilde schräg gegenüber der Grundschule.

Nur drei Grundschulen stellen ehrenamtlichen Verkehrsdienst. Dabei erfüllt dieser ein wichtige Aufgabe.

Von Andreas Weber

Oft genug hat Schulleiterin Nicola Pernat der Atem gestockt. Wenn sie morgens über den Pausenhof auf das Verkehrschaos vor der Grundschule Siepen schaute und in der Rushhour befürchtete: „Gleich kracht es.“ Dass es nicht soweit kam und die 240 Grundschüler stets unversehrt in ihre Klassenräume gelangten, ist auch ein Verdienst des Lotsendienstes. Mit Paul Becker wurde am Montag der Älteste unter den 14 Helfern verabschiedet.

Der 87-Jährige ist ein Phänomen. Stephan Keller, Verkehrssicherheitsberater bei der Polizei, findet: „Das Außergewöhnliche ist nicht nur sein Alter, sondern auch, dass er als Anwohner in der Wolfstraße über Jahre geholfen hat.“ Vis-a-vis von der Grundschule beheimatet, fühlte sich Becker immer den Kindern verbunden. Schließlich war seine 2015 pensionierte Tochter Gertraud Siebert lange Lehrerin und Konrektorin an der Schule.

Standpunkt von Andreas Weber

Nur drei von den 17 Grundschulen in Remscheid sorgen mit Bürgerlotsen dafür, dass die Erst- bis Viertklässler morgens sicher zum Unterricht gelangen. Menninghausen war die Nummer 1, in 2011 folgte Siepen und danach die Walther-Hartmann-Schule. Sandra Böhm-Lambeck, die den Dienst an der GGS Siepen koordiniert und Dienstpläne über What´s App abspricht, betont: „Es ist überhaupt nicht notwendig, mit dem Auto die Wolfstraße hinabzufahren. Die Kinder sind zudem stolz, wenn sie zu Fuß gehen dürfen. So lernen sie Selbstständigkeit.“

Der offizielle Schulweg bietet Alternativen: Eltern können ihren Nachwuchs an der Ronsdorfer Straße auf dem Parkplatz von „Fort Blücher“ rauslassen oder an der Rather Straße. Kristina Schulz, Nachfolgerin von Paul Becker und Schülermutter, sieht keinen Sinn darin, täglich mit dem Pkw bis vor den Schuleingang zu fahren. „Das ist mir viel zu stressig“, erklärt sie und läuft stattdessen gerade im Sommer lieber den Weg mit ihrem Sohn vom Raspelweg hoch zu Fuß.

An Schultagen wechseln sich die mit gut sichtbarer Jacke, Weste und Kelle ausgerüsteten Lotsen von 7.40 bis 8.05 Uhr ab. Jeweils zwei sind im unteren und oberen Bereich der Wolfstraße im Einsatz.

Paul Becker war der Motor des Bürgerlotsendienstes am Siepen

Paul Becker sammelte in dem morgendlichen Gewusel nur positive Erfahrungen: „Es ist schon mal ein Kind gestolpert, das zu eilig unterwegs war und von seinem Tornister überholt wurde.“ Becker ermahnte Kinder, langsamer zu gehen, Eltern am Steuer verhielten sich in seiner Anwesenheit jedoch umsichtig, meint er. Ohne den Pensionär gäbe es den Dienst in der Wolfstraße vielleicht gar nicht. Als dieser unter Leitung von Sylvain Tillmanns, Mutter von Drillingen, vor fünf Jahren etabliert wurde, waren es nur sechs Mitstreiter. „Wenn Becker nicht in der Woche zu mehreren Diensten bereit gewesen wäre, hätte es düster ausgesehen“, lobt Tillmanns den Einsatz des Seniors. Sie hatte fürchterlich genervt, dass viele Mamas und Papas ihre Kinder mit dem Auto fast bis ins Klassenzimmer bringen wollen, dass es in der Sackgasse vor der Schule zu Stoßzeiten weder vor noch zurück geht, sich unnötige Staus bilden und im Winter bei glattem Asphalt Autofahrer aus der Senke geschoben werden müssen.

In England groß geworden, lernte Tillmanns die „Lollypop ladies“, die Schülerlotsinnen, schätzen. Mit Unterstützung der Schulleitung wurde das Ehrenamt auch vor ihrer Haustür realisiert. Bezirksbürgermeister Otto Mähler, Vorsitzender der Verkehrswacht, weiß: „Es ist oft schwierig Eltern dafür zu motivieren. Dabei ist der Aufwand minimal, man muss sich nur einen Ruck geben.“

Stephan Keller weist daraufhin, dass die frühe Bewegung den Kindern extrem guttut. „Wenn sie vor dem Unterricht ein paar Meter laufen müssen, sind sie auf der Schulbank deutlich ausgeglichener und aufmerksamer im Unterricht.“

Der Bürgerlotsendienst trägt der Schule am Siepen einen erfreulichen Nebeneffekt ein. Denn die Lotsen erhalten für jeden Einsatz eine Anerkennung von zwei Euro, die über das Schulamt abgerechnet werden. Das kleine Honorar wird direkt an den Förderverein der Schule weitergereicht. „2016 sind auf diese Weise 700 Euro zusammengekommen, mit denen wir etwas für unsere Schule anschaffen können“, freut sich Nicola Pernat über die zusätzliche Finanzspritze. Wer sich als Lotse zur Verfügung stellt, ist im Übrigen auch über die Unfallkasse NRW versichert.

ABSCHIED VON BECKER

ERKLÄRUNG Für Paul Becker war der Lotsendienst keine Last, wie der 87-Jährige am Montag zu seinem Abschied erklärte: „Es gab immer ein gutes Einvernehmen mit allen Verkehrsteilnehmern. So war mir der Dienst eher Vergnügen als Pflicht.“ Seine Nachfolgerin Kristina Schulz wird von der Verkehrswacht ausgerüstet. Zuständig für die 240 Kinder an der GGS Siepen ist neben den Lotsen Bezirkspolizist Frank Herzhoff, der sich um die Schulwegsicherung kümmert.

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