Löwe soll in neuem

Der Löwe am Remscheider Rathaus braucht dringend eine Grundreinigung. Foto: Roland Keusch
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Der Löwe am Remscheider Rathaus braucht dringend eine Grundreinigung. Foto: Roland Keusch

Stadt will für Denkmal 90 000 Euro ausgeben

Von Frank Michalczak

Wenn Stadtdirektor Sven Wiertz aus seinem Rathausbüro blickt, kann er beobachten, wie die Natur das Löwen-Denkmal auf dem Theodor-Heuss-Platz langsam erobert. „Dort wächst mittlerweile ein Strauch“, erklärt der Kämmerer. Der Vegetation soll es 2022 an den Kragen gehen: Der Löwe soll von Grund auf saniert werden.

90 000 Euro stellt Wiertz im Entwurf des städtischen Doppelhaushalts für die nächsten zwei Jahre bereit, der derzeit in der Kommunalpolitik beraten wird. Mit dem Geld soll nicht nur der Bewuchs beseitigt werden, auch die Mörtelummantelung soll eine Frischzellenkur erfahren an einem Remscheider Wahrzeichen, das in einer düsteren Zeit entstand.

Es war am 1. Mai 1939, als der Löwe vor dem Rathaus aufgestellt wurde. „Und dies wurde von den Nationalsozialisten damals entsprechend zelebriert“, berichtet Wiertz. Er begrüßt daher einen Auftrag aus der Politik, dass eine geschichtliche Einordnung des Denkmals erfolgen soll zum Beispiel mit zusätzlichen Info-Tafeln, die an dem Löwen platziert werden.

Diese Forderung der Linkspartei fand 2019 große Zustimmung im Stadtrat. Doch: Was soll auf den Info-Tafeln eigentlich genau stehen? Diese Frage warf Fritz Beinersdorf (Linke) im städtischen Kulturausschuss auf. „Es sollte doch dazu eine Kommission gegründet werden“, richtete er sich an den Stadtdirektor.

Wiertz versprach, dass dies geschehen werde. Er bat aber mit Blick auf die Corona-Pandemie um Verständnis, dass „wir derzeit andere, dringliche Aufgaben zu erledigen haben“. 2022 soll aber feststehen, in welcher Form und mit welchen Worten auf die NS-Geschichte des Denkmals hingewiesen wird.

Dabei schlägt der Stadtdirektor vor, einen Bogen zur Gegenwart zu schaffen und damit zu einem klaren Bekenntnis Remscheids zur Weltoffenheit und Demokratie. Denkbar wäre es, auf die Städtepartnerschaften aufmerksam zu machen. „Etwa mit Quimper. Der Löwe blickt ja quasi in Richtung Frankreich, erklärt Wiertz.

Bei ihm handele es sich übrigens nicht um das Abbild des Bergischen Löwen, der Symbolfigur unserer Region, die ihren Ursprung im Wappenbild des Herzogtums von Berg habe, merkt der Stadtdirektor an. In den Denkmalsockel war einst die Inschrift eingemeißelt: „Dem Schöpfer des Großdeutschen Reiches in Dankbarkeit. 1. Mai 1939“. Diese entsprechende Geisteshaltung spiegelt sich in der monumentalen Gestaltung des Löwen wider.

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