Pandemie

Tierheim: Der Lockdown hat durchaus auch Vorteile

Arbeiten in Zeiten von Corona: Mitarbeiter des Remscheider Tierheims mit Leiterin Andrea Reitzig (mi.) und Hund Timon. Archivfoto: Doro Siewert
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Arbeiten in Zeiten von Corona: Mitarbeiter des Remscheider Tierheims mit Leiterin Andrea Reitzig (mi.) und Hund Timon.

Corona verändert den Ablauf bei Vermittlungen im Tierheim.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Remscheid ist im Lockdown. Und damit auch das Tierheim in der Schwelmer Straße. Während die Mitarbeiter auf Abstand achten und besondere Regeln für die ehrenamtlichen Gassi-Geher gelten, macht sich das vor allem bei den Besucherzahlen bemerkbar. „Samstagnachmittag im Katzenhaus, da war früher die Hölle los“, erzählt Leiterin Andrea Reitzig. Das sei heute nicht mehr möglich. So hat das Virus den Vermittlungsbetrieb des Tierheimes auf den Kopf gestellt. Ein Umstand, dem Andrea Reitzig Vorteile abgewinnen kann.

Dabei habe das Remscheider Tierheim nach wie vor gute Vermittlungszahlen, betont Reitzig. Nur der Ablauf habe sich grundlegend geändert. Statt mit einem Besuch zu den sonst üblichen Öffnungszeiten gehe es in Corona-Zeiten meist mit einem Anruf oder einer E-Mail los, berichtet die Tierheim-Leiterin. Die Nachrichten alle zu beantworten, sei zwar zusätzliche Arbeit, lohne sich aber: „Meist habe ich direkt ein Tier vor Augen, wenn ich eine Mail lese.“

Wenn alles passt, vereinbart Andrea Reitzig einen persönlichen Termin vor Ort. „Man hat viel mehr Zeit, lernt den Mensch viel persönlicher kennen“, sagt sie. Das sei für alle Beteiligten angenehmer und entspannter. „Wir kriegen dazu immer mehr positives Feedback, dass die Leute sich hier gut behandelt fühlen.“ Das klappe so gut, dass man das vielleicht nach der Pandemie beibehalten wolle, sagt die Leiterin: „Ich habe das unserem Vorstand vorgeschlagen.“

Dabei bleibe die eigentliche Vermittlungsarbeit unverändert, so Reitzig. Mensch und Tier bekommen genug Zeit, sich gegenseitig zu beschnuppern und nach dem Umzug ins neue Heim kontrollieren Mitarbeiter, ob es dem Tier dort gut geht. Inklusive der Möglichkeit, es wieder abzuholen.

Viele Interessenten würden sich gezielt auf bestimmte Tier melden, sagt Reitzig. Insbesondere wenn die auf der Homepage des Tierheims vorgestellt werden. „Vor ein paar Tagen hatten wir eine Jungkatze, ein tolles Tier“, berichtet sie. „Da habe ich jeden Tag bestimmt zehn Anfragen bekommen.“

Überhaupt sei das Interesse an Katzen und an kleinen Hunden zuletzt deutlich gestiegen. Vielleicht eine Folge des Lockdowns, meint Andrea Reitzig. Deswegen würden aber noch lange keine Tiere unüberlegt abgegeben. „Und backen kann man die ja auch nicht.“

Auch wenn weniger Fundtiere gemeldet würden, wie Reitzig beobachtet, dass es weniger gibt, glaubt sie nicht. Die Menschen seien in der Pandemie nur viel mehr mit sich selbst beschäftigt, vermutet sie: „Ich habe Angst, dass die Tiere übersehen werden.“

Wirtschaftliche lebe das Tierheim derzeit nicht zuletzt von zuvor gebildeten Rücklagen, sagt Rita Bosselmann, Schatzmeisterin. Viele Aktivitäten, die sonst Geld bringen, vom Sommer- bis zum Stadtfest, seien zuletzt ausgefallen. Dafür sei die Spendenbereitschaft erfreulich groß: „Auch bei Beerdigungen wird an uns gedacht und anstelle von Blumen Geld gespendet.“

Dass nicht nur im Tierheim das Interesse an Tieren gestiegen ist, könnte später Auswirkungen auf ihre Arbeit haben, befürchten die Mitarbeiter. Denn vor allem die vielen Hunde, die derzeit angeschafft werden, könnten nach der Pandemie noch stören. „Dann gehen die Leute wieder arbeiten und haben weniger Zeit“, beschreibt Andrea Reitzig den Prozess. „Ich hoffe, dass die wenigstens bei uns landen und nicht ausgesetzt werden.“

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