Meine erste Platte

Liebe zu Science-Fiction-Musik verbindet ihre Ehe

Judith Bientakis-Schenk neben ihrem Mann Udo Bientakis – beide mit ihrer Version von Jeff Waynes „War of the worlds“, links die deutsche mit Curd Jürgens, rechts die englische mit Richard Burton. Foto: Peter Klohs
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Judith Bientakis-Schenk neben ihrem Mann Udo Bientakis – beide mit ihrer Version von Jeff Waynes „War of the worlds“, links die deutsche mit Curd Jürgens, rechts die englische mit Richard Burton.

Erst nach der Heirat fanden Judith Bientakis-Schenk und Udo Bientakis heraus, dass sie die gleiche Platte besitzen.

Von Peter Klohs

Remscheid. Die ersten musikalischen Eindrücke im Leben von Judith Bientakis-Schenk waren zwiespältig. „Unsere Familie war schon musikalisch“, erinnert sie sich, „aber in sehr unterschiedlichen Genres unterwegs. Wir waren eine große Familie mit fünf Kindern. Eine meiner Schwestern hörte italienischen Schlager, Caterina Valente und so, Musik, die ich gar nicht mochte. Für meinen klassisch geprägten Vater musste es Bach und Schubert sein, einer meiner Brüder hörte Jazz, ein anderer die progressive Musik der 70er Jahre: Queen und Kansas. Meine Mutter sang Lieder aus dem Westerwald, während sie in der Küche beschäftigt war. Ein buntes Kaleidoskop.“ Judiths erster Konzertbesuch fand in Remscheid statt. „Es war auf dem Willy-Brandt-Platz“, erinnert sie sich. „In einem Zelt spielten lokale Jazz-Größen wie die Alm-Brothers. Das hat mir gut gefallen.“ Sie selbst ist ein großer Queen-Fan geworden und ist es bis heute. Aber die Geschichte ihrer ersten Platte hat mit der britischen Band nichts zu tun.

„Es ist eine unspektakuläre Geschichte“, meint Judith und berichtet von einem Konzertbesuch, als sie 18 Jahre alt war; es muss 1982 gewesen sein. „Die Bläck Fööss spielten im Remscheider Stadttheater. Und ich war dermaßen begeistert, dass ich mir nach dem Konzert die aktuelle LP der Gruppe gekauft habe. Heute wurde man sagen: direkt am Merchandising-Stand.“ Leider, so gibt sie zu, muss die Langspielplatte als verschollen angesehen werden. „Ich bin zu oft umgezogen“, sagt Bientakis-Schenk. „Da verliert sich so manches. In den 90er Jahren bin ich für einige Monate nach Italien gezogen und habe alles hinter mir zurückgelassen. Und hinterher alles wieder aufgebaut.“

Aber eine andere LP ist ihr wichtig geworden – und die Geschichte dazu. „Ich bin seit meiner Jugend eine begeisterte Science-Fiction-Leserin. Und da kam 1978 ein Musiker daher und komponierte Musik zu H. G. Wells Roman ‚Krieg der Welten’, der durch die Hörspielversion von Orson Welles berühmt wurde. Alleine die Umsetzung dieses Stoffes in Musik hat mich interessiert. Dass mich die Musik von Jeff Wayne zusätzlich noch gepackt hat, ist eine weitere schöne Sache. Und besonders wurde diese Platte für mich, als nach der Heirat mit meinem Mann Udo herauskam, dass er diese Platte auch in seiner Sammlung hatte. Er besaß die deutsche Version, ich die englische. Und so ist diese Doppel-LP quasi die erste unseres gemeinsamen Lebensweges.“

Heutzutage hört die 1964 in Remscheid geborene Bientakis-Schenk gerne Blues und gospelnahe Musik. „Randy Crawford, Aretha Franklin, diese Kategorie.“ Gerne legt das Ehepaar abends LPs auf und lauscht vertrauten Tönen.

Diese Doppel-LP ist quasi die erste unseres gemeinsamen Lebensweges.

Judith Bientakis-Schenk über die Musik zum Roman „Krieg der Welten“

Als Hörgeräteakustikmeisterin weiß Judith Bientakis-Schenk, warum manche CDs nicht so voll und warm klingen wie die Vinylscheiben. „Das komprimierte Format der CD kann die Dynamik in der Musik nicht adäquat abbilden“, sagt sie. „Als die CD in den 80er Jahren aufkam, war die Qualität der darauf befindlichen Musik richtiggehend schlecht. Das ist im Laufe der Jahrzehnte besser geworden. Aber Vinyl klingt wirklich wärmer.“

Sie mag keinen Free Jazz und keinen Rap. Beim Stichwort „Schlager“ zuckt sie fast unter Schmerzen zusammen. „Geht gar nicht“, ist ihr Urteil. „Und ich leide sehr, wenn Sängerinnen oder Sänger den Ton nicht treffen, egal bei welcher Musik.“ Andere, auch extreme Musik, kann sie zumindest kurzfristig ertragen: Modern Jazz oder Black Metal.

Gerne hätte sie Queen live gesehen. „Oder die Bee Gees“, fügt sie hinzu. Sie bezeichnet die englische Musikerin Judie Tzuke als unterbewertet. „Die ist ein echter Geheimtipp“, sagt Judith. „Sehr geschmackvoll.“

Zur Person

Judith Bientakis-Schenk, 1964 in Remscheid geboren und in Lüttringhausen lebend, ist, wenn es Corona zulässt, gerne als Fotografin gemeinsam mit ihrem Mann Udo unter dem Namen Juudo-Fotografie tätig. Ihr Beruf als Hörgeräteakustikmeisterin befähigt sie, Dinge hören zu können, die anderen Menschen verborgen bleiben müssen. Dementsprechend ärgert sie sich sehr über unfähige Sänger. Nach wie vor halten sie und ihr Mann der Vinylscheibe die Treue. „Die Dynamik in der Musik verliert sich im digitalen Format“, weiß sie.

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