Die Woche von Stefan M. Kob

Die Lehren aus Corona: Wie wir gestärkt aus der Krise herausgehen

+
stefan.kob@ rga-online.de
  • Stefan Kob
    VonStefan Kob
    schließen

Um es klar vorweg zu sagen: Dieses Virus mit seinen wirtschaftlichen Verwerfungen und katastrophalen, oft tödlichen Folgen hätte niemand gebraucht.

Und trotzdem: In all dem weltweiten Chaos und der Angst, wie es weitergeht, lassen sich schon Erkenntnisse sammeln, die uns Hoffnung geben, wie wir gestärkt aus der Krise herausgehen werden. Das fängt bei uns selbst an, die wir Dinge neu wertschätzen lernen. Damit ist gar nicht mal die früher so schwierige Entscheidung vor dem Supermarktregal gemeint, welche Sorte Toilettenpapier es denn sein soll: Recycling- oder Tissue-Qualität, geblümt oder uni, drei- oder vierlagig, Marken- oder Discounterware. Diese Feinheiten sind uns heute so was von egal – wie James Bond neuerdings die Machart seines Wodka-Martini.

Nein, es sind ganz andere Werte, welche wir heute neu zu schätzen lernen, weil sie uns fehlen. Das Treffen mit Eltern, Kindern, Enkeln und Freunden. Die herzliche Umarmung, das persönliche Gespräch. Der Nachbar, der uns plötzlich gar nicht mehr als Störenfried erscheint, sondern als hilfreiche Hand.

Wir Reiseweltmeister ahnen, dass es vielleicht nicht mehr in die Zeit passen wird, in den Billigflieger zu steigen, um das Wochenende am Strand von El Arenal zu vertrinken. Auf einmal schimpfen wir auch nicht mehr über die vermeintlich zu lange Schlange an der Supermarktkasse, sondern sind den Mitarbeitern dankbar, die es auf sich nehmen, täglich hunderten von potenziellen Virenträgern nahezukommen. Auch ein weiterer, oft gescholtener Berufsstand genießt ganz neue Hochachtung: der der Lehrer und Erzieher. Wer vergeblich versucht, seinen renitenten Nachwuchs zum häuslichen Lernen zu bewegen oder die knatschende Kleinbrut wochenlang Tag für Tag bei Laune zu halten, gewinnt auf einmal eine ganz andere Einstellung zum hauptamtlich erzieherischen Personal.

Auch in unserer Stadt werden sich Prioritäten verändern, weil die fundamentale Bedrohung Fehlsteuerungen offenbart, die wir nicht mehr tolerieren werden. Das beginnt beim Gesundheitssystem selbst. Dass dieses nach wirtschaftlichen Prinzipien auf Effizienz getrimmt werden muss, bleibt selbstverständlich richtig. Aber nicht um jeden Preis, vor allem nicht um den eines wegrationalisierten Sicherheitszuschlags.

Besonders spannend wird es bei der bevorstehenden Schulöffnung. Plötzlich vermissen wir den abgeschafften Schulhausmeister, der mit seiner Autorität und Zuständigkeit für „seine” Schule dafür gesorgt hat, dass zum Beispiel die Toiletten in ordnungsgemäßem Zustand mit Seife und Papier gehalten wurden. Sind wir doch ehrlich: Dass uns Corona zwingt, die oft hanebüchenen Zustände auf den Schultoiletten zu beenden, ist ein Segen. Der Hang zu immer größeren Klassen, um im reichen Deutschland Räume und Lehrer zu sparen, ist da noch ein ganz anderes Thema.

Gerade umgekehrt verhält es sich mit den Bemühungen, den Breitbandausbau voranzutreiben. Hier hat Remscheid immerhin wichtige Weichen gestellt. Solingen ist beim Anschluss der Industriegebiete ans High-Speed-Glasfasernetz schon einen großen Schritt weiter – allerdings mit oft enttäuschender Resonanz bei den Firmenchefs, die für den Mehrwert kein Geld ausgeben wollten. Jetzt, wo die Mitarbeiter scharenweise ins Homeoffice flüchten, wo Verhandlungen, Schulungen oder Arbeitsgruppen über tägliche Videokonferenzen laufen, wird mancher das anders sehen.

TOP Benefiz-Shirts: Für Einzelhandel, Gastro, Tafel und Tierheim gibt es welche.

FLOP Wirrwarr: Neue Regeln zur Ladenöffnung sorgen erstmal für zusätzliche Fragen.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

200 Tonnen Sand sind schon da: Hier entsteht der Eventgarten
200 Tonnen Sand sind schon da: Hier entsteht der Eventgarten
200 Tonnen Sand sind schon da: Hier entsteht der Eventgarten
Mann beschädigt 16 Autos im Remscheider Süden
Mann beschädigt 16 Autos im Remscheider Süden
Mann beschädigt 16 Autos im Remscheider Süden
Lena Drabits zaubert Kunstwerke auf den Babybauch
Lena Drabits zaubert Kunstwerke auf den Babybauch
Lena Drabits zaubert Kunstwerke auf den Babybauch
Jugendfeuerwehr befreit die Becken des Freibads vom Schlamm
Jugendfeuerwehr befreit die Becken des Freibads vom Schlamm
Jugendfeuerwehr befreit die Becken des Freibads vom Schlamm

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare