Millionenprojekt

Lebenshilfe baut Bildungszentrum auf

Thomas Lüning, Jerrit Bennert und Oliver Dickmännken von der Lebenshilfe vor dem Bildungszentrum in Bergisch Born.
+
Thomas Lüning, Jerrit Bennert und Oliver Dickmännken von der Lebenshilfe vor dem Bildungszentrum in Bergisch Born.
  • Frank Michalczak
    VonFrank Michalczak
    schließen

Psychisch Kranke und Menschen mit geistigen oder körperlichen Handicaps lernen gemeinsam.

Von Frank Michalczak

Remscheid. In Bergisch Born steht ein Millionenprojekt der Remscheider Lebenshilfe vor dem Abschluss: Im ehemaligen Betriebsgebäude der Firma Prodex nimmt ein Bildungszentrum Konturen an, in dem Menschen mit ganz unterschiedlichen Handicaps an eine berufliche Tätigkeit herangeführt werden. „Wir gehen hier neue Wege“, berichtet der Geschäftsführer der Remscheider Lebenshilfe Jerrit Bennert. Denn: Das Zentrum mit diversen Schulungsräumen und Werkstätten richtet sich sowohl an Psychischkranke, die im Berufsleben Fuß fassen wollen, als auch an Menschen mit geistiger oder körperlicher Behinderung.

Sie alle haben nun erstmals gemeinsam die Gelegenheit, diverse Berufssparten kennenzulernen – Arbeiten mit Holz und Metall stehen ebenso auf dem Stundenplan wie Hauswirtschaft sowie Tätigkeiten in der Montage oder im Lager. Dafür wurden Räume eingerichtet, in denen ihnen Mitarbeiter der Lebenshilfe je nach ihrem individuellen Leistungsvermögen das Rüstzeug für eine spätere Anstellung vermitteln. „Am besten natürlich auf dem ersten Arbeitsmarkt. Ansonsten kommt aber auch eine Tätigkeit bei uns in Frage“, berichtet Geschäftsbereichsleiter Thomas Lüning, der für die drei Werkstätten der Lebenshilfe in Remscheid zuständig ist. Zwei davon befinden sich in Lennep, das Lesota-Haus für psychisch kranke Mitarbeiter in Bergisch Born. In dessen Nähe kommt mit dem Bildungszentrum ein weiterer Standort hinzu, wo die unterschiedlichen Ausbildungsangebote an einer Stelle gebündelt werden.

Eröffnung ist im ersten Quartal 2023 vorgesehen

Dafür wurde erheblicher Aufwand betrieben. Das Betriebsgebäude erhielt einen Aufzug, Barrieren wurden beseitigt, Trennwände gezogen, Rampen für Rollstuhlfahrer und spezielle Pflegebäder eingebaut – für Menschen mit schwersten Behinderungen. Derzeit werden die Restarbeiten vorgenommen. „Im ersten Quartal 2023 sollten wir eröffnen können“, erklärt Thomas Lüning. Dann werden jene, die bislang in der Werkstatt am Thüringsberg unterrichtet wurden, und jene aus dem Lesota-Haus in Bergisch Born zusammen ausgebildet. Geschäftsführer Jerrit Bennert musste für die Idee werben. Es habe bei Mitarbeitenden unter anderem Bedenken gegeben, ob die Anforderungen nicht zu unterschiedlich sind.

Der Geschäftsführer verweist darauf, dass die Auszubildenden weiterhin ganz individuell gefördert werden. Entsprechend flexibel ist auch der Lehrplan, der Einblicke in die Berufsfelder umfasst und auf 27 Monate angelegt ist. Wenn ein Teilnehmer dabei zum Beispiel feststellt, dass ihm Arbeiten mit Holz oder Metall keinen Spaß machen oder nicht liegen, werden andere Schwerpunkte gesetzt – etwa in der Montage oder der Hauswirtschaft. Entsprechend werden die Unterrichtsmodule verkürz oder verlängert und das Bildungsprogramm auf die unterschiedlichen Bedürfnisse und Talente zugeschnitten, erläutert Jerrit Bennert.

Mit diesem Konzept geht Oliver Dickmännken an den Start, der das Berufsbildungszentrum leiten wird. Er verweist darauf, dass bei dem millionenschweren Umbau auch an das Klima gedacht wurde. „Wir haben hier Photovoltaik und Ladestationen für unsere Elektro-Dienstfahrzeuge“, berichtet der künftige Einrichtungsleiter, der in einem ersten Schritt 50 Teilnehmer begrüßen wird, die bislang am Thüringsberg und in Bergisch Born ihre Ausbildungszeit erleben. Bis zu 80 Berufsschüler könnten im neuen Zentrum unterrichtet werden, wobei Jerrit Bennert dem steigenden Bedarf Rechnung tragen will. Zudem ergebe sich durch das Konzept ein weiterer Vorteil. „In den Werkstätten erhalten wir nun mehr Platz, weil die Ausbildung nun zentralisiert ist.“ Davon profitiere vor allem das Lesota-Haus in Bergisch Born.   | Standpunkt

Großer Arbeitgeber

LeBiz – dieser Begriff soll sich in Remscheid und Umgebung etablieren. So lautet das Kürzel für das Lebenshilfe-Bildungszentrum, das in der Ortslage Am Eichholz in Bergisch Born entsteht. 508 Mitarbeitende mit unterschiedlichem Handicap sind bei der Remscheider Lebenshilfe beschäftigt – sie sind in ganz unterschiedlichen Feldern tätig. Im Auftrag privater Unternehmen, unter anderem aus der Automobil-Zulieferer-Branche, verrichten sie vielfältige Arbeiten in den drei Werkstätten.

Standpunkt: Wertvolle Arbeit

frank.michalczak@rga.de

Natürlich wäre es erfreulich, wenn viel mehr Menschen mit Behinderung einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt bekämen. Es muss selbstverständlich sein, ihnen eine Chance zu geben. Aber nicht in jedem Fall gelingt der Einstieg ins Berufsleben. Je schwerwiegender das körperliche oder geistige Handicap ist, umso schwieriger wird die Integration in ein Unternehmen der freien Wirtschaft, in der das Leistungsprinzip zählt. So kommt der Lebenshilfe eine besondere Bedeutung zu.

Bei der Initiative finden Menschen eine Tätigkeit, die ihren Fähigkeiten und ihrem Leistungsvermögen entspricht. Und sie erhalten, zumeist nach Abschluss der Förderschule oder bei einer psychischen Erkrankung, eine Beschäftigung, die wertgeschätzt wird. Ein besonderes Beispiel dafür ist das Café achtsam in Lennep, wo sich ein Lebenshilfe-Team um die Gäste kümmert. Hier arbeiten Menschen mit Behinderung dort, wo sie hingehören – mitten in der Gesellschaft.

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Schwerer Unfall auf der Wupperbrücke - B229 gesperrt
Schwerer Unfall auf der Wupperbrücke - B229 gesperrt
Schwerer Unfall auf der Wupperbrücke - B229 gesperrt
Einbruch in Sparkassenfiliale: Schließfächer mit Sparbüchern aufgehebelt
Einbruch in Sparkassenfiliale: Schließfächer mit Sparbüchern aufgehebelt
Einbruch in Sparkassenfiliale: Schließfächer mit Sparbüchern aufgehebelt
Illegaler Waffenhandel am Hasten: Kistenweise Gewehre und Pistolen verkauft
Illegaler Waffenhandel am Hasten: Kistenweise Gewehre und Pistolen verkauft
Illegaler Waffenhandel am Hasten: Kistenweise Gewehre und Pistolen verkauft
Wasserrohrbruch im Allee-Center - keine Fäkalien
Wasserrohrbruch im Allee-Center - keine Fäkalien
Wasserrohrbruch im Allee-Center - keine Fäkalien

Kommentare