RGA-Serie: Leben mit Hund

So achten zwei Remscheider Züchter darauf, dass ihre Welpen in gute Hände kommen

Gilbert Dorfmüller (l.) und Thomas Scheel mit ihren Berner Sennenhündinnen Ulvi (7), Bjarka (4) und Fehmke (9 Monate). Es handelt sich übrigens um drei Generationen Hund: Großmutter, Mutter und Kind. Foto: Roland Keusch
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Gilbert Dorfmüller (l.) und Thomas Scheel mit ihren Berner Sennenhündinnen Ulvi (7), Bjarka (4) und Fehmke (9 Monate). Es handelt sich übrigens um drei Generationen Hund: Großmutter, Mutter und Kind.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
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32 Würfe mit 221 Welpen hatten Gilbert Dorfmüller und Thomas Scheel bereits. Sie werben für die seriöse Vermittlung beim Welpenkauf - und erklären, warum das aus ihrer Sicht auch etwas mit Tierschutz zu tun hat.

Remscheid. 300 Anfragen liegen Gilbert Dorfmüller (61) und Thomas Scheel (65) von der Zuchtstätte Berner Sennenhunde „vom Diepmannsbachtal“ bereits für ihren nächsten Wurf vor. Dabei gibt es den noch gar nicht. Geplant ist er erst für Herbst. Aber die Pandemie samt Lockdown und Homeoffice hat die Nachfrage nach Welpen befeuert – unseriöse Vermehrer und illegale Händler reiben sich die Hände. Daher ist es den Züchtern ein Anliegen, aufzuklären. „Schließlich handelt es sich hier um Lebewesen“, sagt Dorfmüller.

Ihre Zuchtstätte ist nicht nur Mitglied im Schweizer Sennenhund-Verein für Deutschland (SSV), der zuchtbuchführend für Sennenhundrassen (Appenzeller-, Berner-, Entlebucher- und Großer Schweizer Sennenhund) ist, sondern auch im Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH), die Dachorganisation, die für seriöse Zucht steht. Auch das Bergische Veterinäramt empfiehlt Familien, die sich einen Hund zulegen möchten, sich beim VDH zu informieren – und auf keinen Fall einen Hund im Internet zu kaufen. „Eine solide Zucht im VDH ist ein Schritt in Richtung Tierschutz“, meint auch Dorfmüller.

Seit 23 Jahren züchtet er bereits mit Thomas Scheel die sanften Riesen. Seitdem haben sie bereits einmal das Alphabet von Hundenamen durch und sind nun zum zweiten Mal bei F angelangt: 32 Würfe mit 221 Welpen haben die beiden Remscheider aufgezogen. Und mit allen Besitzern halten sie noch Kontakt. „Zu einer seriösen Zucht gehört auch, dass man immer für Fragen ansprechbar ist“, betont Dorfmüller. Zudem wird jeder SSV/VDH-angeschlossene Züchter von einem Zuchtwart noch vor der Belegung der Hündin besucht. Und auch, wenn ein Wurf gelandet ist.

Besonders stolz ist Thomas Scheel auf Liese: Sie ist 12 Jahre alt geworden. Denn Berner Sennenhunde, wie allgemein großrassige Hunde, werden im Schnitt nicht so alt. „Aufgrund zahlreicher Testungen und dem Anspruch, die Rasse gesund zu züchten, konnten wir die Lebenserwartung von 6,3 auf 8 bis 9 steigern. Für so eine große Rasse ist das enorm“, erklärt Dorfmüller. Hündinnen werden etwa 58 bis 66 Zentimeter groß und 38 bis 43 Kilo schwer, Rüden etwa 64 bis 70 Zentimeter groß und 45 bis 55 Kilo schwer.

„Welpen brauchen Menschengerüche.“

Gilbert Dorfmüller

Um rassetypische Erkrankungen wie Hüftgelenks- oder Ellenbogendysplasie (HD/ED) sowie die degenerative Myelopathie auszumerzen, hat sich der SSV zwei Maßnahmen auferlegt. Zum einen müssen Halter dem Verein melden, wenn ein Tier stirbt und woran. Zum anderen gibt es nun den Genomtest. Er gibt Auskunft über das Vererbungspotenzial bezüglich Krankheiten und Langlebigkeit. Er kostet 300 Euro. Eine Hündin darf ab 18 Monaten werfen, dann einmal im Jahr, bis sie acht ist. „Hatte sie mehr als acht Welpen, pausiert sie 18 Monate. So wird vermieden, dass Hündinnen als Gebärmaschine herhalten“, sagt Scheel.

Die Gesundheit, aber vor allem das Wesen der Berner Sennenhunde ist den Remscheider Züchtern sehr wichtig. „Sie sind Familienhunde, freundlich, menschenbezogen, aufgeweckt, aber äußerst hitzeempfindlich“, sagt Dorfmüller. „Und ziemliche Fressmaschinen.“ Daher bekommen die neuen Halter nicht nur einen Futterplan, sondern direkt ein ganzes Büchlein mit.

Wichtig ist den beiden, dass die potenzielle neue Familie bereits ab der Prägephase dabei ist. „Die Welpen brauchen Menschengerüche und müssen verschiedene Verhaltensweisen kennenlernen, gern auch von Senioren oder von Kindern“, sagt Dorfmüller. Auto fahren, Staub saugen, andere Tiere kennenlernen – die Prägephase beeinflusst das weitere Leben. Die Konstellation der potenziellen neuen Familie ist Dorfmüller und Scheel wichtig. Wie lebt sie? Wer kümmert sich um den Hund? Passt er in den Alltag? „Zwingerhaltung oder separierte Haltung lehnen wir ab“, betont Dorfmüller. Man verkaufe nur selten ins benachbarte Ausland und nie ins außereuropäische, um die Hunde und Familien nicht aus den Augen zu verlieren. Verpflichtend sei zudem die Teilnahme an einem Welpenkurs. Zudem muss der neue Halter seinen Hund im Alter ab 12 Monaten auf HD/ED röntgen lassen.

Nach neun Wochen verlassen die kleinen Flauschbomben das Diepmannsbachtal. Dann sind sie geimpft, gechipt und entwurmt. Manche bleiben – so wie Ulvi (7), Bjarka (4) und Fehmke (9 Monate). Sie bilden ein Mehrgernationenwohnen an der Überfelder Straße. Denn Ulvi ist die Mama von Bjarka, und diese die Mama von Fehmke.

Hier geht´s zu allen Folgen der RGA-Serie „Leben mit Hund“.

Kontakt

Remscheid: Zuchtstätte für Berner Sennenhunde „vom Diepmannsbachtal“, Thomas Scheel und Gilbert Dorfmüller, Überfelder Straße 37, Tel. 34 19 44; berner-sennenhunde-zucht.de

SSV: Mehr Infos zu den Rassen gibt es hier: ssv-ev.de

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