Wir leben in einer sorgenvollen Zeit

Pfarrer Philipp Mül- ler. Archivfoto: cr
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Pfarrer Philipp Mül- ler. Archivfoto: cr

Ein Geistlicher macht sich Gedanken über das Gottvertrauen

Von Pfarrer Philipp Müller, Ev.-luth. Kirchengemeinde Radevormwald

Bisher galt unsere Sorge meist einem durchgeplanten und durchgetakteten Alltag. Am besten nichts dem Zufall überlassen. Neben der Karriere wird auch Freizeit minuziös geplant. Wir haben uns gewöhnt, selbstbestimmt und frei unser Leben zu gestalten. Alles unter Kontrolle zu haben. Die Krise hat viele unserer Gewissheiten erschüttert. Unsere Planungen für Morgen sind heute schnell Schall und Rauch und hängen an einer Zahl die über Einschränkungen oder gar Lockdown entscheidet.

Mit dem Virus hat sich ein Gefühl der Unsicherheit in unser Leben geschlichen. Es hat unser Selbstverständnis in Frage gestellt, selbstbestimmt und kontrolliert zu leben. Und nicht zu wissen, was kommt. Das auszuhalten, fällt schwer.

In der Bibel bekommen wir von Jesus eine Empfehlung, uns die Akzeptanz der Unsicherheit regelrecht anzutrainieren: „Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug eigene Plage.“ (Mt 6,34)

Ich höre schon den Einwand: Als religiöse Poesie klingen die Zeilen zwar schön und erbaulich; als Handlungsanweisung für das eigene Leben aber erscheinen sie naiv und weltfremd. Zu sehr steht diese Empfehlung im Widerspruch zu dem, was wir sonst tun.

Jesus sagt aber nicht, dass all unser Tun unwichtig oder nutzlos sei. Ihm geht es vielmehr darum, bei allen Sorgen und Mühen niemals den zu übersehen, der für den Menschen sorgt: den himmlischen Vater, Gott.

Für Jesus ist übermäßiges Sorgen nicht nur ein psychisches Problem, sondern auch ein Glaubensproblem: Traue ich Gott in meinem Leben etwas zu? Rechne ich mit ihm? Gottvertrauen entlastet, befreit. Es macht gelassener, weil ich nicht mehr glauben muss, mein Lebensglück hänge allein von meinen Sorgen und Mühen ab. Jesus sieht offenbar, wie wir Menschen uns zu viel um Dinge sorgen, mit denen wir glauben, unser Leben sichern zu können. Daran hat sich bis heute wenig geändert. Er empfiehlt uns gegen die Unsicherheit unserer Zeit: Stellt euer Leben doch unter Gottes Sorge. Habt Gottvertrauen!

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