Prozess

Kurz vor der Entlassung: Häftling feiert Freigang mit Marihuana

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Das Amtsgericht in Remscheid.

38-Jähriger zu fünf Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Von Jana Peuckert

Remscheid. An einem Mittwoch im November 2019 sollte ein Insasse der JVA Remscheid entlassen werden. Am Samstag davor nutzte er seinen Freigang dazu, etwas zu feiern. Mit dabei auch Marihuana. Einen Rest davon nahm der 38-Jährige mit in die Haftanstalt. Dort wurden die Drogen von den Justizangestellten entdeckt und der 38-Jährige landete im Amtsgericht Remscheid. Fünf Monate Haft auf Bewährung, lautete das Urteil.

Eigentlich sei er nie kontrolliert worden, berichtete der Angeklagte im Gericht. Doch ausgerechnet, als er 0,5 Gramm Marihuana in einem Socken versteckt hatte, habe es eine Durchsuchung gegeben. Doch das war nicht der einzige Vorwurf, dem sich der Mann stellen musste. In einem Wutanfall hatte er seinem Vater eine Sprachnachricht geschickt, in der er dem 66-Jährigen damit drohte, ihm eine Bombe in den Briefkasten zu legen. Es sei um geliehenes Geld gegangen. „Ich war einfach stinksauer.“ Der Vater wirkte im Zeugenstand etwas wankelmütig. Eine Bedrohung sei erst dann strafbar, erklärte die Richterin, wenn der Empfänger sie ernst nähme. Ob das denn bei ihm der Fall gewesen sei, wollte die Richterin vom Vater wissen. Der beschrieb die Beziehung zu seinem Sohn als schwierig. Ja er habe Angst gehabt: „Ich hätte ihm das zugetraut.“ Doch seine Aussage ließ durchblicken, dass offenbar die Wut über die Nachricht überwog. Das gab der Rentner schließlich zu. Plötzlich änderte sich die Stimmung des Zeugen. War er gerade noch sauer über das Verhalten seines Sohnes, wurde er nun emotional. Sein Sohn sei kein schlechter Mensch, helfe gerne anderen. Er selber sei allerdings ein schlechter Vater gewesen. Gerne hätte er ein gutes Verhältnis zu seinem Kind aber die Chemie stimmte einfach nicht, erklärte der 66-Jährige.

Remscheid: Verfahren zur Bedrohung des Vaters wurde eingestellt

Das war für den Angeklagten zu viel. Der hart wirkende Mann mit zahlreichen Tätowierungen und viel Hafterfahrung brach in Tränen aus, war seinen Gefühlen machtlos ausgeliefert. „Du weißt, ich würde dir nie etwas antun“, wandte sich der Angeklagte direkt an den Vater. „Ja, das weiß ich“, erwiderte der Vater. Genau dieser kurze Dialog war es, der die Richterin dazu veranlasste, das Verfahren bezüglich der Bedrohung gegenüber dem Vater einzustellen. Anders verhielt es sich in einem dritten Vorwurf. Auch hier zeigte sich der Angeklagte geständig. Er gab zu, am 6. Juli über Facebook Polizisten als Hurensöhne und Mitarbeiter des Ordnungsamtes als Fotzen bezeichnet zu haben. Grund für die Beleidigung war ein Artikel, in dem es darum ging, dass Polizisten auf Fahrrädern eine Trasse kontrollierten. In den Augen des Angeklagten, sollten sich Polizisten lieber um wichtigere Sachen kümmern.

Bei der Verlesung der Vorstrafen brauchte die Vorsitzende einen langen Atem. 21 Straftaten hatte der Angeklagte seit 2003 begangen. Darunter Verstoß gegen das Waffengesetz, mehrere Betrugstaten, immer wieder Erschleichen von Leistung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Bedrohung, Beleidigung, Körperverletzung und versuchte Erpressung. Lange Zeit hatte der Mann bereits im Gefängnis verbracht. Nun gab die Richterin dem Mann noch eine Chance, und setze die fünf Monate Haft zur Bewährung aus. Als Auflage muss sich der Mann zwei Jahre lang straffrei führen, mit einem Bewährungshelfer zusammenarbeiten, dreimal im Jahr negative Drogentest vorlegen und 100 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten.

Erst Mitte Dezember des vergangenen Jahres war ein Betrugsprozess mit einer Geldstrafe zu Ende gegangen.

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