Helft uns helfen

Kundin: „Deshalb brauchen wir die Tafel“

„Ich weiß schon beim Durchgehen genau, was ich daraus koche“: Bettina Stemmler (53) kauft für ihren schwer erkrankten Bruder bei der Tafel an der Hackenberger Straße ein. Die Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtler geben die Waren im Gartenheim aus.
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„Ich weiß schon beim Durchgehen genau, was ich daraus koche“: Bettina Stemmler (53) kauft für ihren schwer erkrankten Bruder bei der Tafel an der Hackenberger Straße ein. Die Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtler geben die Waren im Gartenheim aus.
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Bettina Stemmler kauft und kocht für ihren schwer erkrankten Bruder ein

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Er war 30, als ihm der Boden unter den Füßen weggezogen wurde. Bei Stefan Meinhardt wurde eine aggressive Nierenkrankheit festgestellt. Vorbei die Zeit des Motorradfahrens, an Arbeit war nicht mehr zu denken, seine Frau verließ ihn. Stefan Meinhardt kam an die Dialyse – alle vier Stunden mussten die Schläuche daheim gewechselt werden. Seine Schwester Bettina Stemmler (Namen geändert) kümmerte sich um ihn. 15 Jahre mit Arztbesuchen und teils Krankenhausaufenthalten vergingen. Raus kam er sonst so gut wie nie. Bis Stefan Meinhardt vor drei Jahren eine Spenderniere erhielt. Nun kann er zumindest an guten Tagen am Stock gehen, manchmal mit der Familie einen Ausflug machen. „Und er ist trotz allem so positiv“, sagt seine Schwester über ihren jüngeren Bruder.

Selbst einkaufen und kochen ist jedoch nicht drin – 100 Prozent Schwerbehinderung. Außerdem kommt es ganz genau darauf an, was er überhaupt isst – nicht alles kann er vertragen, auf vieles reagiert sein Körper, auch die Medikamente sind nicht ohne. Und da der heute 49-Jährige, seitdem er 30 ist, eine Erwerbsunfähigkeitsrente und Grundsicherung in Höhe von nur 600 Euro bezieht, hat er Anspruch auf einen Tafel-Ausweis. Seit 2014 kann Stefan Meinhardt so zumindest überwiegend über die Runden kommen – dank des Tafelvereins und dank seiner Schwester Bettina.

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Denn die fährt immer mittwochsmorgens zur Ausgabe ins Kleingartenheim an der Hackenberger Straße und kauft für 3 Euro stellvertretend für ihren Bruder ein. „Er ist wie mein Kind“, sagt die 53-Jährige und meint das liebevoll. Sie habe sich, seit sie ein Mädchen war, schon um all ihre jüngeren Geschwister gekümmert. Denn die Mutter war nicht da. Für die Radevormwalderin ist das selbstverständlich – ihr Verständnis von Familie.

„Helft uns helfen“ Remscheid

Also sammelt die Bilanzbuchhalterin Vorholstunden, um nach Lennep zur Tafelausgabe zu fahren. Danach bringt sie Käse, Milch und Brot sofort zu ihrem Bruder zum Hohenhagen, Obst und Gemüse nimmt sie mit nach Rade. Denn dann wird eingekocht und portionsweise eingefroren: „Untereinander“, Eintöpfe oder Apfelmus. „Fleisch muss ich aber noch dazukaufen“, sagt Stemmler und findet: „Es ist gut, dass es die Tafel gibt. Die Ehrenamtler machen einen super Job. Aber eigentlich ist es schade, dass das überhaupt sein muss.“

Sie kenne einige Rentnerinnen, die kaum über die Runden kämen und sich schämten, zur Tafel zu gehen. Das sei schon traurig. „Die Ärmsten trifft es am härtesten.“ Gesundes Essen könne man sich ja eigentlich kaum noch leisten, vor allem nicht die Bedürftigen. Da sei es gut, dass es die Tafel gebe – frisches Obst und Gemüse kauft der Verein allerdings auf dem Großmarkt hinzu. Denn es werden immer mehr Kunden, aber weniger Ware.

Auch Fahrer Oli bestätigt: „Heute ist nicht viel.“ Mit etwas Verspätung bringt er die Ware ins Gartenheim, die er am Morgen auf seiner Runde durch die teilnehmenden Supermärkte eingeladen hat. Die Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtler sortieren sie dann.

Ausgabe-Leiter Günther Patz gibt grünes Licht, Bettina Stemmler ist dran und darf von Station zu Station wandeln, die von den Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtlern betreut werden. Heute wandern Babyspinat, Aufschnitt, Buttermilch, Brot, Spitzkohl, Möhren, Paprika, Gurke, Heidelbeeren und Co. in ihre Taschen. „Ich weiß schon beim Durchgehen genau, was ich für meinen Bruder daraus koche“, sagt sie. Paprika und Tomaten verschmelzen zur Soße, aus Kohl, Kartoffeln und Möhren wird „Untereinander“. Der Babyspinat wird noch am selben Tag zum Salat verarbeitet, ihm ist ein wenig kalt geworden. Eins wünscht sich die Tafel-Kundin: „Dass die Bedürftigen auch haltbare Grundnahrungsmittel wie Mehl, Zucker oder Nudeln bekommen.“ Oder mal ein Shampoo.

Jusos Remscheid spenden 500 Euro an Helft uns helfen

RGA-Redakteurin Melissa Wienzek (M.) nahm den Scheck in der Redaktion entgegen von: (v. l.) Sophie Maindok, Jana Kinnen, Philip Schulze, Luis Pinkall, Tobias Niebergall und Jusos-Vorsitzender Daniel Pilz.

Sie haben sich die Hände abgefroren auf den Weihnachtsmärkten in Lüttringhausen und Hasten – und das alles für den guten Zweck: Die Jusos Remscheid haben durch ihren Glühwein- und Churros-Verkauf 500 Euro eingenommen, die sie jetzt an die RGA-Hilfsaktion Helft uns helfen spendeten. RGA-Redakteurin Melissa Wienzek (M.) nahm den Scheck in der Redaktion entgegen von: (v. l.) Sophie Maindok, Jana Kinnen, Philip Schulze, Luis Pinkall, Tobias Niebergall und Jusos-Vorsitzender Daniel Pilz.

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