Gute Seiten 2020

Kulturschaffende halten zusammen

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Bei "Tune the June" stellte das Teo Otto Theater anderen Häusern seine Bühne zur Verfügung, wie hier dem WTT mit „Kleiner Mann, was nun?“.
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Die Pandemie traf die Häuser schwer – Notfallfonds und digitale Konzepte halfen.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Sie war die Verliererin der Pandemie 2020, die Kultur. Konzerte mussten abgesagt werden, Chöre durften nicht mehr proben, Künstler konnten ihrer Leidenschaft nicht mehr nachgehen. Der Frust saß tief. Denn gerade Letztere hatten 2020 so gut wie keine Einnahmen. Doch in diesem einschneidenden Jahr hielten die Remscheider Kulturschaffenden zusammen. Und taten, was sie am besten können: Sie wurden kreativ.

Sichtbar wurde das unter anderem am „Notfallfonds Kultur“. Der Kulturausschussvorsitzende Karl Heinz Humpert (CDU) hatte das 200 000 Euro starke Trostpflaster auf den Weg gebracht. Weil im Teo Otto Theater Veranstaltungen ausfielen und die Stadt weniger an die Bergische Symphoniker GmbH abführen musste, weil die Musiker in Kurzarbeit sind, wurden rund 200 000 Euro eingespart. Diese wurden in Absprache mit dem Theater kurzerhand in den Notfallfonds gesteckt, den der Rat im Oktober absegnete.

Wie wichtig der Fonds war, zeigt die Überzeichnung: Um 407 270 Euro baten die Remscheider Kulturschaffenden in ihren 25 Anträgen. Die finanzielle Unterstützung wurde in den Bereichen Theater, Vereine, Veranstalter, pädagogische Angebote, Einzelkünstler und Projekte vergeben gewährt. So erhielt zum Beispiel das Rotationstheater 27 500 Euro, die Lüttringhauser Volksbühne 10 000, die Schatzkiste 25 000, die Klosterkirche 40 000 Euro. „Es war wichtig, dass wir einen Notfonds eingerichtet haben. Wir machen das, um unsere Kultur in ihren Strukturen zu erhalten, wie wir sie vor Corona verlassen haben“, erklärte Karl Heinz Humpert.

Durch dieses Geld konnten Häuser und Künstler weitermachen. Das Rotationstheater konnte beispielsweise seine Comedians bei der Stange halten. Das WTT konnte durch die Finanzspritze endlich das Thema Streaming angehen. Und auch die Klosterkirche konnte in Sachen Technik aufrüsten: Die Beleuchtungsanlage wurde im Sommer ins neue Zeitalter versetzt. Zum Einsatz kam die bereits bei den neuen Online-Formaten, die den Künstlern zumindest eine digitale Bühne boten.

„Kunst und Kultur in Remscheid“ zeigt die facettenreiche Szene

So auch „Kunst und Kultur in Remscheid“. Durch den Notfallfonds sorgte Veranstalter Maximilian Süss mit seiner Alternativveranstaltung zur ausgefallenen „Vaillant Nacht der Kultur und Kirchen“ für Farbe und Freude im Lockdown: „Kunst und Kultur in Remscheid“ zeigte einmal mehr, wie facettenreich die Szene ist. Und erklärte im Internet mit Videos, Talks und Live-Streamingtag: Wir sind noch da und machen weiter.

Diesen Zusammenhalt versuchte auch der Kantor der katholischen Kirchengemeinde St. Bonaventura/Heilig Kreuz, Peter Bonzelet, zu stärken: Mit seinen „Konzertchen“ live von der Kirchenorgel. Oder Kirchenmusikdirektor Christoph Spengler, der von Kinderliedern für kleine Zuhörer bis zu Volksliedern für Ältere für jeden daheim etwas bot. Oder Saxophonist Dirk Trümmelmeyer, der bereits im ersten Lockdown den Senioren in den Heimen mit seiner Livemusik vom Parkplatz aus ein Lächeln ins Gesicht zauberte. Oder das Teo Otto Theater, das den anderen Häusern mit seinem Programm „Tune the June“ eine Bühne gab. Oder der Frauenchor Remscheid, der als Zeichen der Hoffnung zur Weihnachtszeit das Friedenslicht aus Betlehem verteilte. Die Bergischen Symphoniker stillten schließlich mit ihrem klingenden Adventskalender die Sehnsucht nach philharmonischen Klängen.

Und so gab es noch so vieles mehr in 2020, das zeigte: Die Kulturschaffenden halten zusammen. Denn, um es mit Sven Graf zu sagen, dem künstlerischen Leiter des Teo Otto Theaters: „Kultur ist in dieser Zeit mehr denn je überlebenswichtig. Kultur ist kein Luxus, sondern Nahrung, die einen unverzichtbaren Teil in uns am Leben hält.“

Auch die städtischen Kulturinstitute konnten sich trotz Corona weiterentwickeln. Oder vielleicht gerade deswegen? Auch wenn zwischen März und Mai und seit November keine Besucher mehr eingelassen werden durften, wurde hinter verschlossenen Türen weitergearbeitet. Das Deutsche Werkzeugmuseum konnte beispielsweise seine Info-Terminals weiter ausbauen. Das Deutsche Röntgen-Museum hatte Zeit, das Röntgen-Archiv aufzuarbeiten – herausgekommen ist eine wunderbare Ausstellung mit Fotografien Röntgens, die digital abgerufen werden können. Und das Teo Otto Theater konnte unter anderem seine Werkstätten aufmöbeln.

Nun fehlt den Remscheider Kulturschaffenden 2021 nur noch eins: wieder live und in Farbe Menschen mit Kunst und Kultur begeistern zu dürfen.

Die Serie

2020 wird vor allem als das Corona-Jahr in Erinnerung bleiben, mit dessen Folgen wir uns lange rumschlagen müssen. Doch trotz der Pandemie oder zum Teil sogar gerade deswegen hat das ausgehende Jahr sein Gutes gehabt. Das möchten wir auf keinen Fall vergessen. Deshalb blickten RGA-Redakteure auf die „Guten Seiten 2020“. Heute endet unsere kleine Serie.

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