Interview

Kulturmanagerin der Klosterkirche: „Was wir jetzt dringend brauchen, sind Besucher“

Andrea Preker hofft, das Publikum für die Klosterkirche zurückgewinnen zu können. Foto: Roland Keusch
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Andrea Preker hofft, das Publikum für die Klosterkirche zurückgewinnen zu können.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
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Andrea Preker, Kulturmanagerin der Klosterkirche, spricht im RGA-Interview über abgesagte Veranstaltungen, Corona und Prognosen.

Frau Preker, Sie sind bald seit einem Jahr Kulturmanagerin der Klosterkirche. Sie kennen seitdem nur den Betrieb unter Pandemiebedingungen. Wie fühlt sich das an?
Andrea Preker: Es geht mir so wie vielen Menschen: Wie in allen anderen privaten und geschäftlichen Bereichen auch, ist die Pandemie zum festen Bestandteil geworden – und gehört ja beinahe schon zum Alltag. Dennoch hatte ich, wie die meisten Menschen, Anfang September letzten Jahres die Hoffnung, zum normalen Leben und Kulturbetrieb übergehen zu können. Die Enttäuschung war dann schon dementsprechend groß, das Aufbruchgefühl hatte sich schnell verflüchtigt. Denn erneut war Corona zum Hauptthema geworden, eine Verordnung jagte die nächste, und der Kulturbetrieb kam abermals nicht ans Laufen. Leider setzt sich dies bisher auch im neuen Jahr fort. Das ist dann schon frustrierend, und da bin ich persönlich froh, eine erprobte, hohe Resilienz zu haben.
Auch in diesen Tagen fallen wieder einige Veranstaltungen in der Klosterkirche aus. Liegen zu wenige Kartenreservierungen vor oder was sind die Gründe?
Preker: In den meisten Fällen sind es in der Tat die fehlenden Ticketkäufe. Ich glaube, die Menschen trauen sich aktuell nicht so recht, Veranstaltungen in Innenräumen zu besuchen. Ich kann es persönlich auch verstehen. Die meisten Kultur-Events leben aber nicht zuletzt auch von der Interaktion mit dem Publikum. Da ist es für die Künstler natürlich schwierig bis unmöglich, in einem so gut wie nicht besuchten Minoritensaal aufzutreten. Das ist frustrierend für beide Seiten. Normalerweise passen 400 Gäste in den Minoritensaal, während Corona sind es 90. Die Kosten und der Aufwand sind dann auch noch einmal ein Argument, was gegen einen Auftritt vor zu wenig Besuchern spricht. Das betrifft vor allem unbekanntere Künstler. Gemeinsam mit unseren Künstlern versuchen wir aber trotzdem in vielen Fällen, auch schlecht gebuchte Vorstellungen umzusetzen – so hatten wir auch schon Veranstaltungen mit nur 20 Personen im Minoritensaal. Ich freue mich sehr darüber, wie harmonisch und verständnisvoll die Zusammenarbeit mit den Künstlern und deren Agenturen bei derartigen Abstimmungen ist und dass wir bei den erforderlichen Absagen in den meisten Fällen Ausweichtermine gemeinsam finden konnten. Außer den mangelnden Ticket-Buchungen mussten leider auch einige Veranstaltungen wegen nicht einhaltbarer Tourplanungen abgesagt werden und weil die Künstler oder deren Mitwirkende erkrankt waren. Corona macht halt vor keinem Halt.
Wie schwer ist es, in diesen Zeiten mit hohen Infektionszahlen einen Spielbetrieb aufrechtzuerhalten?
Preker: Es ist sehr aufwendig. Wir bemühen uns sehr darum, für unsere Gäste einen hohen Standard zu bieten. Angefangen vom Programm, über das Ambiente bis hin zur notwendigen Sicherheit im operativen Bereich. Durch die hohen Infektionszahlen in Remscheid ist gerade die konsequente Umsetzung unseres Hygienekonzeptes unabdingbar. Da fängt die Arbeit schon im Vorfeld des Events an: Gibt es Änderungen bei der aktuellen Corona-Schutzverordnung? Müssen unsere Hinweisschilder oder Wegeführungen geändert werden, ist genug Desinfektionsmittel vorhanden? Das sind auch für mich als langjährige Eventmanagerin ganz neue Auflagen und Vorbereitungen gewesen, die natürlich bisher in keiner Versammlungsstättenverordnung präsent waren.

„Ein Besuch in der Klosterkirche ist sicher.“

Andrea Preker
Wie sieht das Hygiene- und Schutzkonzept aus?
Preker: Wir entzerren, so es die Besucheranzahl notwendig macht, die Einlass-Situation durch eine Gästeführung durch den Webersaal. Zudem verzichten wir bewusst auf eine Pause, damit keine engen Situationen entstehen. Alle Kontaktflächen werden mit Bioziden-Reinigungsmitteln gereinigt, und unsere Lüftungsanlage im Minoritensaal läuft auf einer der Zuschauerzahl angepassten Stufe. Diese schalte ich bereits zwei Stunden vorher ein. An dem Abend der Vorstellung selbst gibt es eine aktuelle Abstimmung. Mit der „Corona-Bestuhlung“ im Saal ist es uns möglich, Abstände einzuhalten und trotzdem ein schönes Ambiente zu schaffen. Wir kontrollieren gewissenhaft 2G und Ausweise. So setzen wir wirklich alles uns Mögliche um, damit sich unsere Zuschauer sicher fühlen können. Ein Besuch in der Klosterkirche ist sicher.
Wie gelingt da eine Programmgestaltung?
Preker: Die Zeit, die die pandemiebedingten Arbeiten in Anspruch nimmt, hätte ich natürlich lieber für Künstlerrecherchen, persönliche Treffen und Besuche von Fachmessen genutzt. Zum Glück aber haben wir durch jahrelang erfolgreiches Kulturmanagement einen tollen Stock an Künstlern, und auch neue Akteure sind gut, für einen Auftritt in unserem Hause zu begeistern. Das Jahr 2022 ist nahezu ausgebucht, allerdings meist durch Verschiebungen. Ich bin jetzt bei der Programmgestaltung für 2023 angekommen und freue mich darauf, diese mit Optimismus anzugehen. Denn hier kann ich mich dann selbst mehr einbringen.
Mit welchen Problemen kämpfen Sie derzeit?
Preker: Neben den Problemen, die alle betreffen, finde ich es belastend, teilweise miterleben zu müssen, wie viele gerade noch nicht so bekannte Künstler um ihre Existenz kämpfen müssen – da möchte man gerne helfen, kann es aber nur bedingt. Beeindruckend ist hier der ungebrochene Zusammenhalt in der Branche. Und von manchen Gästen wünsche ich mir ein wenig mehr Verständnis für den Ausfall beziehungsweise die Verschiebung einer Veranstaltung. Schließlich ist es ja auch unser Interesse, so viele Events wie möglich stattfinden zu lassen.
2020 und 2021 hat der Förderverein die Klosterkirche über Wasser halten können. Wie lange geht das noch?
Preker: In der Pandemiezeit haben sich die solide Finanzpolitik in den Vorjahren sowie die öffentliche und private Unterstützung bezahlt gemacht, wodurch wir überleben können. Sollten wir ab Herbst wieder regulär Kultur anbieten können, wäre die Zukunft der Klosterkirche gesichert. Allerdings setzt dies voraus, dass der Kulturbetrieb im Herbst wieder ans Laufen kommt.
Was braucht die Klosterkirche jetzt?
Preker: Besucher! Das impliziert aber Vertrauen in unsere Corona-Maßnahmen, die wir für unser Publikum umsetzen. Aber natürlich kann ich auch verstehen, dass die Menschen aufgrund der aktuellen Situation ängstlich sind. Ich hoffe, auch diese Zeiten gehen vorbei und wir können unser Publikum zurückgewinnen.

Zur Person

Andrea Preker (57) ist seit Mitte April 2021 Kulturmanagerin des Kulturzentrums Klosterkirche und Geschäftsführerin des Vereins, der die Klosterkirche trägt. Die studierte Eventmanagerin arbeitete lange bei der Düsseldorf Congress GmbH und betreute die Eventlocation Station Airport. Andrea Preker lebt in Lennep.

Alle Termine und Infos: klosterkirche-lennep.de

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