Ausstellung

Künstlerin macht Unsichtbares sichtbar

Die Feilenfabrik Ehlis in Schlepenpohl 5, die weitgehend um 1910 ihren späteren Charakter erhielt, wird von der Remscheider Fotografin und Zeichnerin Gundis Friege mit einer Ausstellung bestückt, die vom 2. September bis 4. Oktober mit 62 Exponaten zu sehen sein wird.
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Die Feilenfabrik Ehlis in Schlepenpohl 5, die weitgehend um 1910 ihren späteren Charakter erhielt, wird von der Remscheider Fotografin und Zeichnerin Gundis Friege mit einer Ausstellung bestückt, die vom 2. September bis 4. Oktober mit 62 Exponaten zu sehen sein wird.
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Gundis Friege stellt in der Feilenfabrik Ehlis aus. Hausherren öffnen Gebäude für Veranstaltungen.

Von Andreas Weber

1996 verguckte sich Gundis Friege in die Ehlis-Fabrik. Seither ist die Fotografin und Zeichnerin immer wieder in dieses starke, wenn nicht gar einmalige Stück Industriekultur im Eschbachtal zurückgekehrt. In diesem schien die Zeit auch nach der Schließung 2014 stehengeblieben zu sein. Am 2. September eröffnet die 91-jährige Remscheiderin in Kooperation mit den Hausherren Thomas Abbas und Volker Haag eine Ausstellung mit ihren Werken.

Veranstaltungen in einem musealen Charakter: Volker Haag in der Feilenfabrik Ehlis, deren Umbau bald fertig sein wird.

62 Fotoarbeiten, Zeichnungen, Collagen und Fotogramme warten auf die Besucher. Dafür hat sie daheim in den Tiefen ihrer Grafikschränke gekramt. „Es ist ein Querschnitt meines Schaffens, keine Retrospektive“, erzählt die Künstlerin, die trotz ihres hohen Alters einiges vorhat. Ihr fotografisches Schaffen musste sie nach Knie- und Hüft-OPs einschränken. 40 Jahre Fotografie stellt sie jetzt aber in den weitläufigen Produktionshallen der ehemaligen Feilenfabrik aus.

Gundis Friege hat viele Ausstellungen bestückt, die Ehlis-Fabrik freilich ist ihr eine Herzensangelegenheit, nicht nur, weil sie mit Dr. Gerhild Ehlis befreundet ist. Viel ist seit dem Verkauf des weitläufigen, verwinkelten Fabrikgeländes seit 2016 geschehen. Als Friege in die entstaubte, von Spinnweben und antiquierten Maschinen weitgehend befreite Produktion nach längerer Zeit zurückkehrte, war sie hingerissen. „Als ich in den Raum kam, hätte ich niederknien können“, sagt sie.

Industrieaufnahmen haben es ihr besonders angetan. Friege schaute sich im Alexanderwerk, bei Gedore und Mannesmann und eben bei Ehlis um. Sie hat sich in die Winkel und Ecken von Werkshallen begeben, mit aufmerksamem Blick Details vor die Linse bekommen, die dort Arbeitenden nicht oder nicht mehr auffallen. Unterwegs ist sie mit einer Rollei 66 und einer Leica. Gundis Friege hat stets Schwarz-Weiß fotografiert, keines ihrer Bilder ist bearbeitet, alle sind in ihrer heimischen Dunkelkammer selbst entwickelt. „Unsichtbares sichtbar machen“, nennt es die gelernte Gebrauchsgrafikerin, die Anfang der 50er-Jahre mit ihrem Mann und zwei kleinen Kindern aus Dresden über Berlin nach Remscheid gelangte. Um sich von den Zwängen der Technik zu befreien, setzt Gundis Friege ihre Kamera nicht als Instrument des „schnellen Sehens und Sammelns“ ein. „Ich suche stattdessen, so viel im Gegenstand zu erfahren, bis ich mich mit ihm identifizieren kann.“ Fotografie solle nicht zur Kunst werden, „sondern ich möchte mit der Fotografie etwas schaffen, was mit anderen Mitteln nicht zu schaffen ist“.

„Die großen Baustellen sind abgearbeitet, jetzt geht es an die Feinjustierung.“

Volker Haag, Fabrikeigentümer

Für Volker Haag und Thomas Abbas sind wechselnde Ausstellungen ein zukünftiges Standbein. Die Möglichkeiten, die sich in dem denkmalgeschützten Ensemble ergeben, sind aber noch wesentlich vielfältiger. Die Fabrik war schon Kulisse für Filme, auch für Feiern jeder Art böte sie ein ideales Ambiente. Im privaten Rahmen wurde in Schlepenpohl schon Hochzeit gefeiert. Dies stellen sich Haag und Abbas auch kommerziell vor. Geburtstage, Firmenfeiern, Konzerte, Lesungen und Seminare - all dies soll möglich sein.

Die Betreiber geben sich noch ein paar Monate, bis es richtig losgeht. „Die großen Baustellen sind abgearbeitet, jetzt geht es an die Feinjustierung“, erklärt Haag. Neue Toilettenanlagen sind eingebaut worden. Auf der To-do-Liste: In die Schmiede kommt eine Küche, Akustikdecken sind nicht komplett eingezogen, die Packstube wird zur Veranstaltungsfläche vergrößert, die Schuppen hinter dem Gebäude werden um fünf Meter versetzt, um den Innenhof zu vergrößern. „Wo kann man denn hier im Umkreis drinnen und draußen noch so feiern wie bei uns?“, fragt Haag rhetorisch.

„Einen Biergarten wird es bei uns definitiv nicht geben“, schiebt Haag Überlegungen einen Riegel vor, dass die Feilenfabrik zum Ausflugseldorado für Wanderer und Motorradfahrer wird. Ein Teil des Gebäudekomplexes ist seit 1. Juli vermietet an die Praxis Kugelrund, in der sich sieben examinierte Hebammen zusammengetan haben. Wenn demnächst das Veranstaltungsgeschäft anläuft, soll ein fester Ansprechpartner vor Ort sein, der als eine Art „Hausmeister“ fungiert.

Die Ausstellung

Die Ausstellung der Remscheider Künstlerin Gundis Friege in der ehemaligen Feilenfabrik Ehlis, Schlepenpohl 5, läuft vom 2. September bis 4. Oktober. Besichtigt werden können die 62 Exponate immer dienstags, donnerstags und samstags von 16 bis 18 Uhr. Wer mehr über die Feilenfabrik erfahren will, sehe im Internet unter www.feilenfabrik.com

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