Honsberg

Künstler Brandstifter macht aus Fundzetteln eine Bibliothek

In das Depot, Siemensstraße 23, dürfen die Honsberger ihre gefundenen Zettel, Fotos, Skizzen werfen.
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In das Depot, Siemensstraße 23, dürfen die Honsberger ihre gefundenen Zettel, Fotos, Skizzen werfen.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
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„Stadtbesetzung“ am Honsberg: Jeder kann mitmachen.

Remscheid. Einkaufszettel, Kinderzeichnungen, Suchmeldungen von vermissten Katzen: Der interdisziplinäre Aktionskünstler Brandstifter hat bereits 1998 alle öffentlichen Straßen und Plätze zur „Asphaltbibliotheque“ erklärt und ist seitdem überall auf der Welt unterwegs, um Fundzettel aufzulesen und diese für Installationen mit Kunst aus dem öffentlichen Raum nutzbar zu machen - in die Liste New York, Chicago und Paris reiht sich nun auch Remscheid ein.

Denn der 1968 in Bad Kreuznach geborene Brandstifter besetzt nun als dritter Künstler das Quartier Honsberg. Er löst damit Elaine Vis und Georg Schmitt ab. Diese Woche sammelt der Aktionskünstler seine objets trouvés, nimmt dabei die Geschichten der Honsberger auf. Und jeder kann mitmachen: Fundzettel dürfen in das Depot in den Briefkasten Siemensstraße 23 eingeworfen werden. Die Ergebnisse präsentiert der Künstler dann Samstag, 2. Juli, 16 Uhr, in der Ins Blaue Art Gallery, Siemensstraße 21, intermedial. Zu den Fundstücken gesellen sich ein Videofilm sowie eine Soundinstallation.

Es ist die Neugierde, die ihn antreibt. „Ich finde es höchst spannend, wie Menschen über Zettel kommunizieren. Und ich selbst trete mit ihnen dadurch viel besser in Kontakt, als wenn ich sie interviewen würde“, sagt der Mann, der sich Brandstifter nennt, weil er andere mit seiner Idee anstecken will: Jeder solle doch einmal den Boden absuchen.

Die Straßen und Gehwege in Honsberg sind bereits sauber. Der Brandstifter hat schon abgegrast. Ein leerer Briefumschlag mit dem Namen „Ashkin Halil“, ein Einkaufszettel mit den Worten „Zwibel, Gehaktes 1,5 kg und Kaffe“ sowie eine kleine Botschaft sind nur wenige der vielen Fundstücke: „Guten Morgen, Georg, ich war um 5 Uhr mit frischem Kaffee hier draußen. Habe dich nicht gesehen - Tarnkappe? LG, Werner.“ Fragen über Fragen, die niemand beantworten kann. Aber das mache es so spannend „Jeder hat dabei seinen eigenen Film im Kopf.“ Die Honsberger findet er nett, das Quartier schön - schön grün, er sieht aber auch Anleihen an das Ruhrgebiet, wo er Regionenschreiber war.

2014 hatte Brandstifter bereits als Stipendiat der ersten „Stadtbesetzung“ in NRW Asphaltbibliothequen inszeniert. Seine Fundstücke hebt er alle auf. Im Laufe der Zeit sind so viele Bibliotheken der Städte weltweit entstanden. „Ich bewahre so das Objekt Zettel.“ Zudem ist bereits ein Buch entstanden, erschienen im Ventil Verlag.

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