Recht

Kündigung wegen misslungener Frisur?

Sie waschen und schneiden wieder. Und das in Regel ohne Mitspracherecht des Arbeitgebers. Foto: Roland Keusch
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Sie waschen und schneiden wieder. Und das in Regel ohne Mitspracherecht des Arbeitgebers.

Der Friseurbesuch und das Arbeitsrecht.

Von Sven Schlickowey

Endlich frisieren sie wieder. Seit ein paar Tagen haben die Friseursalons nicht nur in Remscheid wieder geöffnet. Da könnte der eine oder andere nach längerer Enthaltsamkeit übermütig und damit ein wenig zu experimentierfreudig werden. Das ist unter Umständen nicht schön, aber kann es auch arbeitsrechtliche Konsequenzen haben, wenn der Friseur etwas zu kreativ war? Wir klären zusammen mit Lars Althoff, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Lennep, die wichtigsten Fragen.

Hat der Arbeitgeber Mitspracherecht bei der Wahl der Frisur der Mitarbeiter?

Unter Umständen schon, meint Rechtsanwalt Lars Althof. Allerdings seien die Grenzen eng gesteckt: „Stellt die Frisur ein Sicherheitsrisiko dar, hat der Arbeitgeber ein Mitspracherecht. Zum Beispiel dann, wenn der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin Gefahr laufen, mit langen Haaren in eine Maschine zu geraten oder ähnliches.“ Daneben könnte sich aus dem jeweiligen Beruf ein „berechtigtes Interesse“ des Arbeitgebers ergeben, aber auch das sei eher selten: „Insbesondere Hygienevorschriften könnten Ihren Arbeitgeber berechtigen, eine bestimmte Frisur oder aber das Tragen einer Kopfbedeckung zu verlangen.“

Kann eine misslungene Frisur zur Kündigung führen?

In den allermeisten Fällen nicht, sagt der Anwalt: „Grundsätzlich sind Sie als Arbeitnehmer frei in der Wahl Ihrer Frisur“, erklärt Althoff. Dies beziehe sich sowohl auf den Schnitt als auch auf die Farbe. „Gefällt ihrem Arbeitgeber ihre Frisur nicht, kann er keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen ziehen.“ Denkbar sei aber eine Versetzung, das ergebe sich aus dem Direktions- und Weisungsrecht gemäß Paragraf 106 Gewerbeordnung. „Dabei darf der Arbeitgeber jedoch nicht willkürlich handeln, sondern muss die Versetzung oder ähnliche Maßnahmen stets begründen können.“ Blau gefärbte Haare könnten dafür in einem konservativen Arbeitsumfeld wie zum Beispiel in einer Bank aber bereits ausreichen.

Was gilt für Unternehmen mit Betriebsrat?

„Hat Ihr Unternehmen einen Betriebsrat, so hat dieser bei Vorschriften Ihres Arbeitgebers hinsichtlich Frisur oder dem Tragen von Bärten ein Mitbestimmungsrecht“, sagt der Fachanwalt. Das sei so aus Paragraf 87 Betriebsverfassungsgesetz ableitbar. „Eine ohne die Zustimmung des Betriebsrats erlassene Kleider- oder Trageordnung ist rechtsunwirksam.“

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