Tierschutz

Kröten machen sich auch in Remscheid auf den Weg

Britta Hoffmann und Anne Hülsberg an der Beyenburger Straße: Hier helfen sie Amphibien über die Straße. Deren Startsignal ist das Einschalten der Straßenbeleuchtung. Foto: Roland Keusch
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Britta Hoffmann und Anne Hülsberg an der Beyenburger Straße: Hier helfen sie Amphibien über die Straße. Deren Startsignal ist das Einschalten der Straßenbeleuchtung.

Im Marscheider Bachtal soll zum Amphibienschutz ein Ersatzgewässer entstehen.

Von Timo Lemmer

Remscheid. So gut zu planen wie in früheren Jahren sei es nicht mehr, wann die Amphibien im Bergischen ihre Haupt-Wandertage einlegen. Doch Frank Stiller ist sich sicher, in den kommenden Tagen und Wochen kommt die große Wanderung. „Am liebsten haben die Tiere es“, erklärt der Fachmann von der Unteren Naturschutzbehörde, „wenn es mehrere Tage über zehn Grad tagsüber, bei Dämmerung dann immer noch sechs, sieben Grad hat und es zugleich leichten Regen gibt.“ Darauf warten die Tiere, legen zum Teil bei ihrem Marsch zu den Gewässern auch wieder Pausen ein, wenn sich die Bedingungen verschlechtern. „Aktuell sind die Zeitfenster dazu noch klein, aber Tiere, die schon nah am Gewässer sind, werden es in den kommenden Tagen versuchen.“

Andere legen eben einen Zwischenstopp ein, wie Stiller erklärt. „Sie legen etwa ein bis zwei Kilometer am Tag zurück. Nach zwei, drei Tagen sind sie häufig am Gewässer.“ Wenn das Wetter aber zu sehr umschlägt, wird eine Pause eingelegt: „Dann verharren die Tiere, buddeln sich wieder ein.“ Und warten auf Besserung. Wenn diese länger nicht einsetzt, gibt es übrigens immer mal wieder das Phänomen zu beobachten, dass die Amphibien auch zu schlechten, oft viel zu trockenen, Bedingungen wandern: Torschlusspanik setzt ein, die Tiere setzen ihre Reise dann auch unter schwierigsten Bedingungen fort.

„Wir können das Wandergeschehen nicht mehr so gut abschätzen wie früher.“

Frank Stiller, Naturschutzbehörde

Aber so weit ist es noch lange nicht, sagt Stiller. Dennoch hat auch er, der die Wanderungen seit 30 Jahren beobachtet und begleitet, klare Veränderungen im Zuge des Klimawandels festgestellt. „Wir können das Wandergeschehen nicht mehr so gut abschätzen wie früher. Da war der Wetterwechsel im Bergischen noch recht klar, mittlerweile gibt es immer stabilere Phasen von Extremwetter.“ Das wirkt sich auf die Tiere aus. Sonst seien ein bis zwei Wochen zu benennen gewesen, in denen die Tiere hauptsächlich wanderten. „Jetzt kann sich das Ganze auch über anderthalb Monate hinziehen.“

Es käme auch immer häufiger vor, dass es die Weibchen zum Gewässer schaffen – dann aber vergebens auf ausreichend Männchen warten.

Apropos schwierige Bedingungen: Noch gefährlicher als das veränderte Klima seien weiterhin Straßen für die Tiere. Daher ist man in Remscheid und im Umland bemüht, sichere Übergänge zu ermöglichen. Ein solches Leitsystem gebe es bereits an der Vorsperre der Wuppertalsperre, Tunnel helfen den Tieren hier. Wo noch keine Systeme installiert wurden, sind weiterhin ehrenamtliche Helfer unerlässlich.

So wie Britta Hoffmann, Anne Hülsberg und ein ganzes Team an der Beyenburger Straße. Dort überqueren Hunderte Amphibien die Straße. Stiller: „Auch hier ist etwas geplant. Wir werden im Bereich des Marscheider Bachtals ein Ersatzgewässer anlegen.“ Den Amphibien soll somit in Zukunft erspart werden, die Straße queren zu müssen.

„Aktuell läuft die Vorhut“, sagt Stiller. „Wir sind noch recht früh im Jahr. Aber der Winter war ja mild, so dass schon einige Tiere unterwegs sind. Tagsüber sind die Bedingungen schon super, aber nachts kühlt es häufig noch aus.“ Wenn es nun aber immer stabiler mildes Wetter, dazu ein paar feuchte Tage gebe, dann sei die Hauptzeit der Wanderungen angebrochen.

„Da gibt es dann Tage“, weiß Stiller, „da überqueren an der Beyenburger Straße nicht eine Handvoll Amphibien die Straße, sondern 200 bis 300.“

Hintergrund

Wanderung: Die Tiere wandern, „weil es sie zu den Gewässern zieht“, erklärt Frank Stiller. Denn: „Nur dort können sie ihren Laich absetzen und nur dort kann die Befruchtung geschehen.“ Im Spätsommer verlassen die Jungtiere die Gewässer.

Bedingungen: Die Amphibien machen sich zur Dämmerung auf den Weg. „Das schützt vor Fressfeinden.“ Milde Temperaturen benötigen sie, „weil sie keinen eigenen Wärmehaushalt haben“ und Feuchtigkeit, „weil sie Hautatmer sind, daher ist es gut, wenn die Oberflächen benetzt sind.“

Auch interessant: Kröten-Rettung im Eschbachtal geht weiter

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