Mein Blick auf die Woche

Krieg und Klima scheren ich nicht um unsere Behaglichkeit

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Die von Bundeskanzler Olaf Scholz ausgerufene Zeitenwende geht uns alle an. Auch in Remscheid müssen wir bereit sein, Opfer zu bringen, fordert RGA-Lokalchef Axel Richter. Denn: Der Krieg und der Klimawandel scheren sich nicht um unserer Behaglichkeit.

Remscheid. Zwei Wochen vor dem Wahltermin nimmt der Wahlkampf in Remscheid doch noch Fahrt auf. Am Samstag erwartet die SPD ihren Ministerpräsidentenkandidaten Thomas Kutschaty zu einer Zugfahrt über die Müngstener Brücke. Am Donnerstag kommt dann der Amtsinhaber: Hendrik Wüst besucht die Schmiede Dirostahl.

Die Bahnstrecke und das Unternehmen sind von den Wahlkämpfern mit Bedacht gewählt. Sven Wolf, für die SPD Mitglied des Landtages, geht es um einen besseren Öffentlichen Nahverkehr. Der eine Zug, der Remscheid heute mit der großen weiten Welt verbindet, soll wenigstens verlässlich und pünktlich fahren. Das wäre eine Grundvoraussetzung, um mehr Menschen auf die Schiene zu bringen. Es fallen einem leicht viele weitere ein.

Wer zum Beispiel versucht, mit Bus und Bahn von Radevormwald über Remscheid nach Solingen zu fahren, dem erschließt sich der ganze Irrsinn der verschiedenen Verkehrsverbünde und Tarifsysteme. So kostet die einfache Bahnfahrt von Lennep nach Solingen stolze 6,10 Euro. Startet man hingegen in Radevormwald, werden für die gleiche Reise „nur“ 5,30 Euro fällig. Das verstehe wer will.

Remscheids Unternehmen sind vom Gas aus Russland abhängig

Wer die Menschen zum Umsteigen veranlassen will, der muss das System weniger kompliziert und überschaubarer machen. Ein Beispiel dafür liefert die Stadt Wien. 2012 führte sie ein „365-Euro-Ticket“ ein, worauf sich binnen fünf Jahren die Zahl der verkauften Jahrestickets verdoppelte.

Das „9-Euro-Ticket“, das die Bürger ab Juni wenigstens teilweise von den steigenden Energiepreisen entlasten soll, sollte einen ähnlichen Effekt zur Folge haben und könnte tatsächlich dazu führen, dass die Bürger Energie sparen und zugleich das Klima schützen. Mehr jedenfalls als die viel gepriesene E-Mobilität. Solange sich am Strommix nichts ändert, schützen E-Autos nämlich nichts und niemanden, denn auch sie emittieren CO2 in großen Mengen. Nur liegt der Auspuff etwas weiter entfernt - im Kraftwerk.

Wir werden noch lange fossile Brennstoffe benötigen, um unseren Energiebedarf zu decken. Das gilt insbesondere für unsere Industrie. Remscheid ist eine Industriestadt, Remscheids Unternehmen sind in großer Zahl vom Gas aus Russland abhängig.

Es braucht mehr Ökostrom, mehr Windräder und mehr Überlandleitungen

Einem der größten Verbraucher in Remscheid gilt der Besuch des Ministerpräsidenten mit dem CDU-Landtagsabgeordneten Jens Nettekoven. Die Sorgen der Firma Dirostahl sind groß. Würde es kein Gas mehr erhalten, stünde die Produktion bald still.

Noch stehen einer Schmiede wie Dirostahl Alternativen nicht zur Verfügung. Einst könnte Wasserstoff das Gas ersetzen. Die Leitungen, die es dazu braucht, stehen allerdings frühestens 2035 zur Verfügung. Vorausgesetzt, es gibt keine Proteste und Klagen dagegen. In anderen Regionen ist das bereits der Fall.

Soll auch die E-Mobilität einen Beitrag zur Energiewende und zum Klimaschutz leisten, braucht es mehr Ökostrom, mehr Windräder und mehr Überlandleitungen. Die wollen jedoch ebenfalls viele nicht haben. Jedenfalls nicht vor ihrer Haustür.

Die Aggression, die von Russland ausgeht, betrifft uns jedoch alle. Ebenso der Klimawandel. Alle, die Energie verbrauchen, müssen deshalb zum Umdenken bereit sein. Die Verkehrsunternehmen, die Unternehmen und wir alle - gehen die notwendigen Veränderungen auch zulasten unserer Behaglichkeit. Anderenfalls werden wir nicht bestehen. Oder, um es mit Willy Brandt zu sagen: „Nichts kommt von selbst und nur wenig ist von Dauer. Darum - besinnt euch auf eure Kraft und darauf, dass jede Zeit eigene Antworten will und man auf ihrer Höhe zu sein hat, wenn Gutes bewirkt werden soll.“

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