Trockenheit

Kreis beschränkt die Wasserentnahme

Die „Stromschnellen“ der Wupper in Höhe der Firma Klingelnberg – vereinzelt sind so etwas wie Sandbänke im Flussbett zu sehen.
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Die „Stromschnellen“ der Wupper in Höhe der Firma Klingelnberg – vereinzelt sind so etwas wie Sandbänke im Flussbett zu sehen.

Aufgrund der Trockenheit und der Hitze wurde eine Allgemeinverordnung verfügt.

Von Stephan Büllesbach

Das Bergische Land galt einst als „Regenloch Deutschlands“, weil es scheinbar an mehr Tagen nass als trocken war. Diese Zeiten sind vorbei. Zwar fällt immer noch viel Niederschlag, wie die Monatsstatistiken des Wupperverbands aufzeigen. Der Regen verteilt sich jedoch auf immer weniger Tage. Dafür regnet es dann umso stärker – die Erinnerungen an den 14./15. Juli 2021 sind noch hellwach, als etwa in Hückeswagen innerhalb von 24 Stunden 160 Liter pro Quadratmeter herunterkamen.

Momentan ist das gegenteilige Extrem zu beobachten: Es ist – wieder einmal – zu trocken. Daher veranlasst der Oberbergische Kreis jetzt in einer Allgemeinverfügung, dass aus oberbergischen Gewässern zwischen April und Oktober kein Wasser mehr entnommen werden darf.

„Hitze und Trockenheit machen sich auch an den Bächen, Flüssen und Seen im Oberbergischen Kreis bemerkbar“, schreibt Kreis-Sprecher Philipp Ising in einer Pressemitteilung. Kreisweit seien die Wasserstände aktuell sehr niedrig. „Dieser Zustand hat sich durch den konstanten Wassermangel in den vergangenen Jahren noch verstärkt“, erläutert Umweltdezernent Frank Herhaus. Daher hat das Kreisumweltamt eine Allgemeinverfügung zur Beschränkung von Wasserentnahmen für alle Gewässer (Bäche, Gräben, Flüsse, natürliche Seen) erlassen.

„Verboten sind damit jegliche Wasserentnahmen zwischen 1. April und 31. Oktober eines Jahres im Rahmen des Eigentümer-, Anlieger- und Gemeingebrauchs“, erläutert Ising. Ausgenommen seien Entnahmen aus den Flüssen Agger und Wupper sowie Wasserentnahmen zum Tränken von Vieh im Rahmen der Vorgaben des Landeswassergesetzes NRW. Auch das Schöpfen mit Handgefäßen, wie Eimer oder Gießkannen, ist weiterhin erlaubt.

Dass sich diese Situation in absehbarer Zeit entspannt, kann Herhaus nicht erkennen: „Selbst wenn es kurzfristig ab und zu etwas Regen gibt, wird sich die Lage nicht so schnell verbessern“, ist er sich sicher. „Deshalb müssen wir dafür sorgen, dass die Gewässer nicht noch zusätzlich belastet werden.“

Gerade wegen der anhaltenden Trockenheit bewässerten viele Oberberger ihre Gärten und nutzen dafür Oberflächenwasser. „Ein paar Gießkannen voll Wasser für den privaten Bedarf zu schöpfen, scheint auf den ersten Blick nicht problematisch zu sein“, sagt der Umweltdezernent. Die Vielzahl der Wasserentnahmen, zum Beispiel durch elektrische Pumpen, führe allerdings zu Problemen. „Denn dadurch werden Bäche und Flüsse zusätzlich geschwächt.“

Auch in diesem Jahr liegen die bisher gefallenen Regenmengen erneut weit unter dem langjährigen Durchschnitt. „Bei einigen Bachläufen liegen schon seit Anfang Juni Gewässerabschnitte trocken“, hat Herhaus festgestellt. Das wiederum habe Folgen für die Natur: „Dieses Defizit wirkt sich auch auf Pflanzen und Tiere aus. Gewässer sind nicht nur Lebensraum für viele Amphibien, Fisch- und Insektenarten, sie sind auch überlebensnotwendig für den Bestand vieler an Land lebender Tierarten“, betont Herhaus.

Ähnliche Beobachtungen hat der Wupperverband gemacht. So sind die Pegelstände aufgrund der Trockenheit derzeit sommerlich niedrig. Insbesondere kleinere Bäche führen nur wenig Wasser, manche trocknen stellenweise sogar aus. „Juni und Juli waren an der Messstelle Bever-Talsperre überdurchschnittlich trocken“, berichtet Susanne Fischer, Sprecherin des Wupperverbands, auf Anfrage unserer Redaktion. Auch im August hat es bisher kaum geregnet: „Es kamen in den ersten acht Tagen gerade einmal acht Liter pro Quadratmeter zusammen.“

Mit Blick auf die Ökologie im Fluss – also Fische, Kleinstlebewesen, Pflanzen sowie die verschiedenen menschlichen Nutzungen, wie etwa Einleitungen von gereinigtem Abwasser aus Kläranlagen oder Wasserentnahmen von Unternehmen –, sei die Niedrigwasser-Aufhöhung eine wichtige Aufgabe der Talsperren. So gibt der Wupperverband aus der Bever-Talsperre Wasser an den Bever-Bach ab, aktuell circa 290 Liter pro Sekunde. „Das ist die Wassermenge, die am Pegel Reinshagensbever gemessen wird“, erläutert Susanne Fischer. „So viel fließt dann also im Bever-Bach.“ Der Zufluss zur Bever-Talsperre beträgt derzeit nur 30 Liter pro Sekunde. Der Wupperverband gibt demnach ungefähr das Zehnfache dessen ab, was der Talsperre zufließt.

Der Pegelstand der Wupper in Hückeswagen liegt momentan bei gut 18 Zentimetern, was in etwa einem Abfluss von 890 Litern pro Sekunde entspricht. Damit sind es nur noch sieben Zentimeter bis zum niedrigsten Wasserstand an diesem Pegel, der bei elf Zentimetern liegt. Die Bever-Talsperre ist derzeit zu 84 Prozent, die Wupper-Talsperre zu 58 Prozent gefüllt. Susanne Fischer: „Die Abgabe von Wasser aus der Wupper-Talsperre an den Unterlauf der Wupper erfolgt aus der Hauptsperre. Daher ist hier derzeit das Absinken des Stauinhalts zu beobachten.“ Die Wupper-Vorsperre dagegen bleibe weitgehend konstant wie die übrigen Vorsperren. 

Hintergrund

Pegel: Wupper, Dhünn und einige Bäche im Wuppergebiet profitieren von den Talsperren. So wird zum Beispiel aus der Wupper- und der Bever-Talsperre in Trockenzeiten so viel Wasser abgegeben, dass die Wupper am Pegel Kluserbrücke in Wuppertal einen Wasserstand von etwa 19 Zentimetern hat. Das ist ein Abfluss von circa 3500 Litern pro Sekunde.

Aufgabe: Mit dieser Niedrigwasser-Aufhöhung sorgt der Wupperverband für eine Mindestwasser-Führung.

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