Bergisch Born

Krajner-Grill hat gleich doppelt zu kämpfen

Sorgen sich um die Zukunft ihres Krajner-Country-Grills (v. r.): Waltraud, Frank und Friedrich Lenhart. Foto: Roland Keusch
+
Sorgen sich um die Zukunft ihres Krajner-Country-Grills (v. r.): Waltraud, Frank und Friedrich Lenhart.

Imbiss in Bergisch Born leidet nicht nur unter der Corona-Krise – Baustelle vor der Tür erschwert das Geschäft zusätzlich

Von Manuel Böhnke

Remscheid. Für viele Gastronomen endet am Montag, 11. Mai, eine lange Durststrecke. Unter strengen Auflagen dürfen sie ihre Gaststätte wieder öffnen. Auch Waltraud, Frank und Friedrich Lenhart haben sich dafür gerüstet. Zum Jubeln ist den Betreibern des Krajner-Country-Grills jedoch nicht zumute. Denn nicht nur die Corona-Krise schadet dem Geschäft erheblich. Die Baustelle in Bergisch Born – direkt vor der Tür des Imbisses – verschärft die Lage zusätzlich. „Wir sind seit 34 Jahren hier – ich möchte dieses Kapitel nicht mit einer Pleite beenden“, sagt Inhaberin Waltraud Lenhart.

„Ich möchte dieses Kapitel nicht mit einer Pleite beenden.“
Waltraud Lenhart über die Zukunft ihres Krajner-Country-Grills

1986 übernahm die Familie den Imbiss, in dem zuvor unter dem Namen Krajner-Grill jugoslawische Gerichte angeboten wurden. Der Zusatz „Country“ geht auf eine Leidenschaft Friedrich Lenharts zurück. Der große Johnny-Cash-Fan hat die Wände des Imbisses mit Plattencovern des Sängers geschmückt. Rustikale Möbel, Sättel, amerikanische Kennzeichen und eine Jukebox sorgen zudem für Western-Flair und urige Atmosphäre für deftiges Essen, Livemusik und monatliche Darts-Abende.

Normalerweise können sich die Lenharts auf viele Stammkunden verlassen. „Handwerker, Lkw-Fahrer, Anwohner, Menschen, die im nahe gelegenen Industriegebiet arbeiten“, zählen Frank Lenhart und seine Mutter Waltraud auf. Doch derzeit kommt nur ein Bruchteil. Firmen sind in Kurzarbeit, die Parkplatzsituation angespannt, wenngleich gegenüber des Grills auf einem Firmengelände Stellplätze zur Verfügung stehen. Das wohl größte Problem ist aber die Verkehrssituation. Wer zum Krajner-Country-Grill möchte, muss sich wegen der Baustelle auf Staus und Wartezeit einstellen.

Bereits im März, als sie ihr Geschäft auf einen Außer-Haus-Verkauf beschränken mussten, seien die Umsätze eingebrochen. „Zwischendurch hat es sich dann etwas stabilisiert, aber seit die Baustelle vor drei Wochen eingerichtet wurde, ist es katastrophal“, sagt der 51-jährige Frank Lenhart. Parallel dazu sind die Preise für manche Lebensmittel deutlich gestiegen.

Aktuell fehlt dem Trio die Perspektive. Zwar hat die Stadt angekündigt, dass der mittlere Abschnitt der Straßenbauarbeiten in Bergisch Born Ende Mai abgeschlossen sein soll. Dann ziehen Asphaltiermaschinen und Bagger ein Stück weiter. Wirklich einfacher macht das die Anfahrt für Kunden aber nicht. Die Arbeiten in Bergisch Born sollen bis zum Herbst andauern.

Besonders deprimierend sei der erste Mai-Montag gewesen. Gerade einmal drei Kunden zählte der Krajner-Country-Grill an diesem Tag. Umsatz: rund 15 Euro. Im Schnitt lägen die täglichen Einnahmen momentan bei etwa 70 Euro. Ein Vielfaches wäre nötig, um das Geschäft mit monatlichen Fixkosten im mittleren vierstelligen Bereich über Wasser zu halten. Er habe bereits überlegt, den Imbiss zu schließen, bis Besserung in Sicht ist, erzählt Frank Lehnert. So könne man sich wenigstens die Nebenkosten sparen. Der Haken: „Dann besteht die Gefahr, dass unsere Kunden denken, wir haben für immer geschlossen.“ Deshalb haben sie sich zunächst entschieden, die Öffnungszeiten etwas einzudämmen. Die Speisekarte ist auf das Imbiss-Angebot beschränkt, der täglich wechselnde Mittagstisch fällt zunächst weg.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Lenharts mit einer Baustelle zu kämpfen haben. 2017 wurden ebenfalls in unmittelbarer Nähe des Imbisses Kanalarbeiten durchgeführt. „Der Einschnitt war wirtschaftlich nicht ganz so hart wie aktuell. Dennoch haben wir damals unsere Ersparnisse aufgebraucht“, erklärt Waltraud Lenhart.

An allen Öffnungstagen stehen die 78-Jährige und ihr 77-jähriger Ehemann im Imbiss. Ihre Hausmannskost – von Kohlrouladen über Königsberger Klopse bis Heringsstipp – ist beliebt. „Mir macht es einfach Spaß, hier zu arbeiten, und mit den Kunden zu quatschen“, sagt die gelernte Metzgereifachverkäuferin. Der Ton im Krajner-Country-Grill ist rau aber herzlich. Und das soll er bleiben. Frank Lenhart möchte das Geschäft seiner Eltern fortführen. Der Blick in die Zukunft fällt momentan jedoch schwer.

Baustelle

Derzeit wird die in die Jahre gekommene B 51 in Bergisch Born erneuert. 2018 war zunächst der Bereich zwischen Bornbacher Straße und Raiffeisenstraße dran. Nun folgen die rund 650 Meter von der Raiffeisenstraße bis zum Ortsausgang in Richtung Lennep. Die Baustelle wird in mehreren Abschnitten abgewickelt, die Verkehrsregelung wird mit Hilfe der Baustellenampel über die weiteren Abschnitte beibehalten. Immer wieder kommt es rund um die Baustelle zu Staus und Wartezeit. Einen ausführlichen Bericht zu den Bauarbeiten lesen Sie hier.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Corona: Inzidenz bleibt in Remscheid niedrig - Land überweist 200.000 Euro für Kinder
Corona: Inzidenz bleibt in Remscheid niedrig - Land überweist 200.000 Euro für Kinder
Corona: Inzidenz bleibt in Remscheid niedrig - Land überweist 200.000 Euro für Kinder
Eventgarten auf dem Schützenplatz startet mit Schlager in Open-Air-Saison
Eventgarten auf dem Schützenplatz startet mit Schlager in Open-Air-Saison
Eventgarten auf dem Schützenplatz startet mit Schlager in Open-Air-Saison
Friedrich-Ebert-Platz: Der Umbau beginnt mit Abriss
Friedrich-Ebert-Platz: Der Umbau beginnt mit Abriss
Friedrich-Ebert-Platz: Der Umbau beginnt mit Abriss
Fluthilfe stellt sich im Kall-nit-Livetalk vor
Fluthilfe stellt sich im Kall-nit-Livetalk vor
Fluthilfe stellt sich im Kall-nit-Livetalk vor

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare