Meine erste Platte

Konzert von Steppenwolf war für RGA-Fotograf ein prägendes Ereignis

Der ehemalige RGA-Fotograf Michael Sieber vor seiner Plattensammlung. Foto: Michael Schütz
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Der ehemalige RGA-Fotograf Michael Sieber vor seiner Plattensammlung.

Michael Sieber hat mit kommerzieller Musik nichts am Hut.

Von Peter Klohs

Remscheid. Keine zwei Minuten bin ich zu Gast bei Michael Sieber, und schon staune ich nicht schlecht: Das Mitte der 60er Jahre erschienene Beatles-Album „Help“ sieht man nicht so oft mit dem Aufdruck einer großen deutschen Zeitschrift. Auch „Revolver“, etwas später erschienen, besitzt Musikliebhaber Sieber mit diesem speziellen Extra. Weitere Kleinode finden sich gewiss in seiner 300 Langspielplatten umfassenden Sammlung.

Und schon sitzen wir auf der Terrasse seines Hauses an der Emilienstraße und fachsimpeln. „Soweit ich mich erinnere“, erzählt der 68-jährige Sieber, „war meine erste Platte von John Mayall. Blues war und ist einer der Fixpunkte meiner musikalischen Vorlieben.“ Andere kamen im Laufe der Zeit hinzu. „Ich war 15 oder 16“, erinnert sich der Fotograf, der 40 Jahre für den RGA gearbeitet hat. „Ich hörte die Beatles unter der Bettdecke, heimlich, damit die Eltern nichts merkten. Der englische Radiosender BFBS spielte all dieses progressive Zeug, was mich schon immer fasziniert hat. Ich war nie der Mainstream-Hörer, ich wollte immer anders sein. Die meisten meiner Langspielplatten habe ich in meiner Studienzeit in Düsseldorf gekauft. In den dortigen Plattenläden lief immer so tolles Zeug: Kraftwerk, Steamhammer, Can.“

Ein genauerer Blick auf seine ausgebreiteten Schätze bestätigen die Aussage über das Anders-Sein-Wollen. Einige Spitzenbands der progressiven Rockszene der 70er Jahre (Focus, Camel, Colosseum, Aphrodite’s Child, damals noch mit dem Sänger Demis Roussos) sind ebenso vertreten wie Bluesrock von Rory Gallagher oder uralte LPs der Rolling Stones, einige sehr abgedrehte frühe Werke von Pink Floyd und der weniger bekannten Band Man sowie eine Menge Fusion, ein Mix aus Rock und Jazz, oft mit Blues- oder Souleinflüssen veredelt: Chick Corea, Klaus Doldingers Passport, John McLaughlin, Lee Ritenour.

Und mittendrin liegt eine LP der deutschen Band Amon Düül, die ein Wegbereiter des sogenannten Krautrocks war und deren LPs schwierig zu bekommen sind. Wenig zu finden sind reine Popmusik oder Beiträge der Singer/Songwriter-Fraktion. „In meinem Freundeskreis hörte man Blues“, taucht Michael Sieber in seiner Erinnerungen ab. „Das war die Zeit, als es noch nicht so viele LPs gab, und die Musikszene eher von den Singles beherrscht wurde. Und da hatte ich schnell einen Narren dran gefressen. Ich hatte dann die Gelegenheit, den leider verstorbenen Gary Moore zu Zeiten von ‚Still got the Blues’ zu fotografieren. Von da aus war der Weg in die progressive Musikecke nicht mehr weit. Kommerzielle Musik habe ich nie gemocht, Schlager schon einmal gar nicht.“ Das ist verständlich. Zwischen John Mayall und Andrea Berg liegen mehr als zwei Welten.

In den 70er Jahren wurde Musikgeschichte geschrieben

Auch Konzerte hat der Fotograf gerne und viel besucht. „Ich erinnere mich sehr gut an mein erstes Konzert“, berichtet er. „Das war in der Essener Grugahalle, und es spielte die Band Steppenwolf. Auch das ein prägendes Ereignis.“

Der heutigen Musikszene sieht Michael Sieber kritisch. „Heutzutage bekommen die Musiker ja von den Plattenfirmen vorgeschrieben, was sie wie zu spielen haben. Das war damals in den 70ern noch nicht so. Damals wurde viel Musikgeschichte geschrieben und der Einfluss der Plattenfirmen war noch nicht ansatzweise so groß wie heute.“ Einige Texte der neuen deutschen Popmusik findet er ganz okay, aber die Musik…. Er seufzt. „Da war die Musik in den 70ern doch eine ganz andere Liga“, findet er.

Da er auch heutzutage noch sehr gerne Fusion hört, kommt sein Geheimtipp auch aus dieser musikalischen Ecke. „Ich empfehle die Musik der ‚Heads Up Superband’, eine Gruppe, die Smooth-Jazz mit Funk und Soul verbindet. Ganz tolle Musik!“

Zur Person

Michael Sieber wurde vor 68 Jahren in Remscheid geboren und arbeitet als Fotograf. In jungen Jahren spielte er Rollhockey auf internationalem Niveau. Die Wurzel seiner Musikleidenschaft ist die progressive Rockszene der 70er Jahre und der Blues. Heutzutage hört er gerne Fusion oder Jazzrock, den jedoch auf CD. „Mein alter Fischer-Plattenspieler stammt aus dem Jahr 1974. Und eine richtige Nadel dafür kostet einige Tausend Euro.“

Bilderwerkstatt21.de

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