Die Woche in Remscheid

Kompromisslos gegen Konzerte: So funktioniert das nicht

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  • Axel Richter
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Wenn es zwei oder gar mehrere Meinungen gibt, kann es ohne Kompromissbereitschaft keine Lösungen geben. Ein Thema, das RGA-Lokalchef Axel Richter in seinem Wochenkommentar beleuchtet.

Der Kompromiss, Grundlage demokratischer Gesellschaften, ist nicht nur aus der Mode, sondern in Verruf geraten. Und mit ihm die Bereitschaft, zugunsten anderer die eigenen Bedürfnisse hintanzustellen, sich gar mit anderen zu freuen, weil sie sich freuen.

Wohin das führt, zeigte sich in dieser Woche bei einem Ortstermin auf dem Schützenplatz. In aller Klarheit forderten dort zwei Ronsdorferinnen, dass die Konzertreihe „Eventgarten“ auf dem Schützenplatz sich so nicht wiederholt, weil sie sich von der Musik, die von Remscheid zu ihnen herüberschallt, gestört fühlen.

Das war´s. Beim Ortstermin sprach man wohl miteinander. Zur Lösung des Konflikts mit Stadt und Veranstalter ließen die Beschwerdeführerinnen jedoch wenig bis keine Bereitschaft erkennen. Die hätte nämlich einen wechselseitigen Verzicht auf Teile der jeweils eigenen Forderung vorausgesetzt. Kompromissbereitschaft eben.

Ohne wird es keine Lösung geben, denn: Natürlich haben die Menschen im Luftlinie fünf Kilometer entfernten Ronsdorf ein Anrecht darauf, nicht von einem Helene-Fischer-Double aus Remscheid besungen zu werden. Es haben die Konzertgänger in Remscheid aber auch ein Anrecht darauf, auf dem einzigen großen Veranstaltungsplatz ihrer Stadt die Musik zu hören, die ihnen gefällt, andere Menschen zu treffen und gemeinsam mit ihnen zu feiern.

Maßgeblich für die Lautstärke, die sie dabei verursachen dürfen, ist übrigens nicht das individuelle Lärmempfinden des einzelnen, sondern geltendes Recht. Ein Erlass regelt, was Anwohnern zugemutet werden darf und was nicht. Beim ersten Konzert vor zwei Wochen sind die Grenzen des Zulässigen überschritten worden. Bei den nachfolgenden Konzerten nicht mehr.

Doch in Zeiten, da die Rechtsschutzversicherung billig und die Egoismen groß sind, schwindet auch die Bereitschaft, eine weitere wichtige Grundlage unserer Demokratie anzuerkennen: Recht und Gesetz. Hat man beides nicht a priori auf seiner Seite wird hinterfragt, interpretiert und nach eigenem Gusto ausgelegt.

So aber funktioniert unsere Gesellschaft nicht. Wer das Recht und das Bedürfnis des anderen geringschätzt und zum Kompromiss nicht willens ist, der legt die Axt an die Wurzel unseres Zusammenlebens. Der legt die Axt an die Wurzeln der Demokratie. Auch, wenn es nur um eine Konzertreihe auf dem Schützenplatz geht.

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