Lennep

Markus Kötter: „Habe nicht mit dem AfD-Vertreter gesprochen“

„Es muss um die besten Lösungen für Lennep gehen, nicht um Absprachen“: Bezirksbürgermeister Markus Kötter.
+
„Es muss um die besten Lösungen für Lennep gehen, nicht um Absprachen“: Bezirksbürgermeister Markus Kötter.
  • Frank Michalczak
    VonFrank Michalczak
    schließen

Neuer Bezirksbürgermeister nimmt Stellung zu seiner Wahl und der Debatte darüber. Außerdem spricht er über brennende Lenneper Themen.

Von Frank Michalczak

Herr Kötter, Sie sind wieder Lenneper Bezirksbürgermeister und wurden mit einer hauchdünnen Mehrheit gewählt - mit der Stimme der Linken und mutmaßlich der AfD. Warum treten Sie als CDU-Politiker vor diesem Hintergrund überhaupt das Amt an?

Markus Kötter: Nun, ich habe mich zur Wahl gestellt und es gab eine Gegenkandidatur. Da kann man nicht mit einer Mehrheit von 75 Prozent rechnen. Außerdem habe ich auch von einem Mitglied einer anderen Fraktion Signale der Zustimmung erhalten, so dass es ja gar nicht sicher ist, wie die Mehrheit zustande kam. Die Wahl war ja geheim.

Aber Sie waren rein rechnerisch auf die beiden Stimmen angewiesen, um eine Mehrheit zu erhalten. Sie haben also auf die Zustimmung der Linken und der Rechtspopulisten spekuliert, oder?

Kötter: Nein, das habe ich nicht. Entscheidend war für mich, dass ich aus Lennep großen Zuspruch erhalten habe. Immer wieder habe ich gehört, dass es so nicht weitergehen kann. Ich habe auch keinerlei Gespräche mit dem Vertreter von der AfD geführt – und habe mich auch nicht danach erkundigt, wen er denn wählen will. Ich weiß also nicht, ob er für mich gestimmt hat.

Die SPD wirft Ihnen jedenfalls einen Tabubruch vor. Wie bewerten Sie das?

Kötter: Ein Tabubruch wären eine Kooperation oder Vereinbarungen, die es aber weder mit der AfD noch mit der Linkspartei gibt. Überhaupt: Es bedarf generell keiner Vereinbarungen zwischen den Fraktionen in der Bezirksvertretung. Es muss für Lennep um die besten Lösungen und um gute Ergebnisse gehen – und nicht um Absprachen.

Die kommenden Monate werden in Lennep von der Suche nach neuen Perspektiven für die ehemaligen DOC-Grundstücke geprägt sein. Was soll denn aus Ihrer Sicht im Röntgen-Stadion, auf Jahn- und Kirmesplatz entstehen?

Kötter: Es ist ja seitens der Verwaltung von einem Mix aus Wohnraum, Gewerbe, Sport- und Freizeitmöglichkeiten die Rede. Mir fehlt allerdings die Zuordnung und Größenordnung der jeweiligen Flächen. Ich habe einen Termin mit Oberbürgermeister Mast-Weisz und Baudezernent Heinze vereinbart, um auch über diesen Aspekt zu sprechen. Es steht die Frage im Raum, was überhaupt realisierbar ist. Aber: Auch wenn Lennep Wohnraum benötigt, darf es nicht dazu kommen, dass auf den Flächen ausschließlich Wohnhäuser entstehen und viele gute Ideen aus der Bürgerbeteiligung nicht umgesetzt werden.

Die Verwaltung hält das Röntgen-Stadion als Sportstätte für entbehrlich und verweist auf die Erweiterung der Anlagen in Reinshagen und Hackenberg. Welche Meinung haben Sie denn dazu?

Kötter: Ich finde es schade, dass ein Erhalt des Stadions schon jetzt ausgeschlossen wird, bevor alle Ergebnisse vorliegen. Zunächst einmal sollte doch der FC Remscheid die Chance erhalten, seine eigenen Vorschläge zu konkretisieren.

Klar ist aber auch, dass wir keine Luftschlösser bauen dürfen und vielleicht auch das Stadion mit einer Mehrzweckhalle kleiner denken sollten.

Bei der Frage, was auf den Flächen entstehen kann, die dem Outlet-Center vorbehalten waren, muss es vor allem um die Chance gehen, Fördergeld zu erhalten. NRW-Heimatministerin Ina Scharrenbach kennt Lennep. Sie war zweimal hier, zuletzt beim Weinfest.

Auch in diesem Sommer herrschen Hitze und große Trockenheit. Passen denn angesichts des Klimawandels noch Lenneper Großprojekte wie die Wohnsiedlung Knusthöhe und die beiden Gewerbegebiete in Bergisch Born in die Zeit? Oder ist es nicht geboten, sich davon zu verabschieden?

Kötter: Wir müssen dafür sorgen, dass Wohn- und Gewerbegebiete klimaresilient sind, also das Klima nicht belasten. Das ist möglich. Remscheid muss eine Stadt bleiben, in der man leben und arbeiten kann.

Ansonsten wandern die Menschen ab – zum Beispiel nach Radevormwald, das ja nicht allzu weit entfernt liegt. Hier entsteht derzeit ein großes, neues Wohngebiet. Wir benötigen die Flächen, damit unsere Stadt lebendig bleibt.

Sie sind seit 2020 Fraktionschef im Remscheider Stadtrat und nun wieder Bezirksbürgermeister in Lennep. Zugleich sind Sie beruflich in Düsseldorf für die dortige Stadtverwaltung tätig. Wie wollen Sie denn diese Aufgabenfülle stemmen?

Kötter: Ich war ja bereits von 2014 bis 2020 Bezirksbürgermeister in Lennep und gleichzeitig hatte ich den Vorsitz im Sportausschuss. Von daher traue ich mir das zu. Und ich habe eine Familie an meiner Seite, die das mitträgt.

2019 hatten Sie familiäre Gründe angeführt, warum Sie nicht für das zeitintensive Amt des Oberbürgermeisters kandidieren wollten. Sie sind Vater eines kleinen Sohnes. Deswegen noch einmal die Frage: Warum muten Sie sich das alles im Ehrenamt zu?

Kötter: Die Arbeit in Lennep, die Gespräche mit den Bürgerinnen und Bürgern und den Vereinsvertretern machen mir großen Spaß, vor allem wenn ich helfen kann, Problemlösungen zu finden.

An meiner familiären Situation hat sich insofern etwas geändert, als dass mein Sohn mittlerweile eine weiterführende Schule besucht. Die Grundschulzeit liegt hinter ihm, so dass für seine Betreuung nicht mehr so viel Zeit erforderlich ist wie vor zweieinhalb Jahren. Eines ist aber klar: Aus Langeweile bin ich nicht erneut Bezirksbürgermeister.

Sie sind jetzt für die nächsten drei Jahre gewählt. Wie soll Lennep denn 2025 aussehen? Was soll sich bis dahin zum Positiven verändert haben?

Kötter: Ich hoffe, dass bis dahin Bautätigkeiten auf den Flächen begonnen haben, die für das Outlet–Center vorgesehen waren. Wir müssen dabei für einen guten Übergang vom Jahnplatz in die Altstadt sorgen. Seit Jahrzehnten wird außerdem darüber diskutiert, wie die Kölner Straße neu gestaltet werden sollte. Mittlerweile ist ein Planungsbüro mit dem Thema von der Verwaltung betraut worden. Das muss endlich umgesetzt werden.

Nicht zuletzt müssen wir die Altstadt in ihrer Form und Funktion erhalten, Leerstände müssen behoben werden und die vorhandenen Geschäfte überleben.

Zur Person

Markus Kötter (43) ist seit 2004 Mitglied des Stadtrats, war von 2014 bis 2020 Lenneps Bezirksbürgermeister und wurde nun Nachfolger von Rolf Haumann (Grüne), der das Amt aus gesundheitlichen niedergelegt hatte. Kötter erhielt in geheimer Abstimmung sechs Stimmen, Petra Kuhlendahl (Grüne) fünf.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Kreutzer: „Manager ist kein Messias“
Kreutzer: „Manager ist kein Messias“
Kreutzer: „Manager ist kein Messias“
Remscheids erstes Kinderhaus wird 30
Remscheids erstes Kinderhaus wird 30
Remscheids erstes Kinderhaus wird 30
Medizinisches Versorgungszentrum feiert ersten Geburtstag
Medizinisches Versorgungszentrum feiert ersten Geburtstag
Medizinisches Versorgungszentrum feiert ersten Geburtstag
Säugling nach Unfall vorsorglich im Krankenhaus
Säugling nach Unfall vorsorglich im Krankenhaus
Säugling nach Unfall vorsorglich im Krankenhaus

Kommentare